


Das laufend steigende Mobilitätsbedürfnis unserer Gesellschaft in Verbindung mit einer florierenden Wirtschaft hat zur Folge, dass die bestehende Straßeninfrastruktur heute oft an die Grenze Ihrer Belastbarkeit stößt. Die weitere Zunahme des Güter- wie auch des Personenverkehrs kann alleine mit den herkömmlichen Konzepten wie dem Bau neuer Verkehrsinfrastruktur weder finanziell noch ökologisch bewältigt werden. Aus diesem Grund setzt die bayerische Straßenbauverwaltung bereits seit vielen Jahren erfolgreich auf ein modernes Verkehrsmanagement mit Einsatz von intelligenten Verkehrssystemen. Bei "intelligenten Verkehrssystemen" (IVS) handelt es sich um die Anwendung von Informations- und Kommunikationstechnologien im Verkehrsbereich, die den Verkehr effizienter, umweltverträglicher und sicherer gestalten.
Dynamische Verkehrsbeeinflussungsanlagen sind bereits seit Anfang der 1990er Jahre im Einsatz. Hierzu gehören:




Die Verkehrs- und Betriebszentralen in Nürnberg-Fischbach und München-Freimann überwachen die Verkehrsbeeinflussungsanlagen im 24-Stundenbetrieb. Die Zentralen arbeiten mit der Verkehrmeldestelle der Polizei und den städtischen Verkehrleitzentralen eng zusammen. In Ausnahmefällen, z. B. Baustellenbetrieb, Falschfahrer, Unfall etc. können per Hand in die automatischen Schaltanzeigen der Verkehrsbeeinflussungsanlagen eingegriffen werden und der Situation entsprechende Sonderschaltungen angeordnet werden. Die Zentrale in München-Freimann steht darüber hinaus in Kontakt mit der österreichischen Zentrale der ASFINAG in Inzersdorf bei Wien sowie der Autostrada Del Brennero C.A.U. (Centro Assistenza Utenza) um den Alpen querenden Verkehr je nach Verkehrssituation bereits am Inntaldreieck wahlweise über die Brenner- oder Tauernroute zu lenken.

Ein beeindruckendes Beispiel für ein Baulastträger übergreifenden Verkehrsbeeinflussung ist das Verkehrsleitsystem Nürnberg (VLS). Mit diesem Gemeinschaftsprojekt der Autobahndirektion Nordbayern, der Stadt Nürnberg und der Messegesellschaft kann eine gezielte Verteilung des sich überlagernden Fernverkehrs und der städtischen Pendler- und Besucherströme bereits auf der Autobahn erfolgen. Hier können mit flexiblen Prismenwendern die blauen Fernziele sowie die innerstädtischen Ziele Zentrum, Messe, Stadion, Flughafen und Hafen geändert und zusätzlich mit Freitextanzeigen ergänzende Hinweise angezeigt werden. Das VLS umfasst rund 70 km Bundesautobahnen und 33 km innerstädtische Straßen.
Ein vergleichbares Verkehrsleitsystem zur ARENA München wurde als Gemeinschaftsprojekt der Autobahndirektion Südbayern und der Landeshauptstadt München zur Fußball WM 2006 fertig gestellt.
Mit einem verstärkten Verkehrs- und Mobilitätsmanagement will sich die bayerische Straßenbauverwaltung den wachsenden Herausforderungen stellen. Mitte 2009 wurde deshalb bei der Autobahndirektion Südbayern eine "Zentralstelle für Verkehrsmanagement (ZVM)" eingerichtet, deren Aufgaben im "Rahmenplan Verkehrsmanagement Bayern 2015" zusammen gefasst wurden.
Zu den wesentlichen Aufgaben zählen:
Um verkehrliche Engpässe im Autobahnnetz erkennen und beheben zu können, wurde ein Problemstellen- und Maßnahmenkataster entwickelt. Ziel ist es, Problemstellen mit geeigneten Verkehrsmanagementmaßnahem beseitigen zu können. Im Rahmen der Qualitätssicherungsinitiative sind Maßnahmen zur Qualitätssicherung sowohl organisatorischer als auch technischer Natur notwendig. Die ZVM unterstützt und begleitet hierbei den Aufbau eines prozessorientierten Qualitätsmanagementsystems für die Verkehrs- und Betriebszentralen der Autobahndirektionen in München und Nürnberg. Aber auch die Qualitätssicherung der Datenerfassung und der Schaltungen der Verkehrsbeeinflussungsanlagen stehen im Fokus, um die Systeme störungsfrei betreiben zu können.
Arbeitsstellen und Störfälle sind zwei der wesentlichen Gründe für die Entstehung von Verkehrsbehinderungen. Durch ein verbesserte Disposition von Arbeitsstellen und ein optimiertes Störfallmanagement sollen Behinderungen im Verkehrsfluss verringert werden. Die Schwerpunkte liegen in der

Zu einem modernen Verkehrsmanagement gehört auch eine angemessene Verkehrsinformationsversorgung. Zu den vorrangigen Maßnahmen der (neuen) EU-IVS-Richtlinie vom Juli 2010, die den künftigen Rahmen für die nationale Einführung intelligenter Verkehrssysteme vorgibt, zählt daher auch die Bereitstellung (EU-weiter) multimodaler Reise-Informationsdienste. Im Bereich der Verkehrsinformation für alle Verkehrsmittel engagiert sich auch der Freistaat Bayern seit Jahren in diesem Bereich. Schon in früheren Forschungs- und Entwicklungsprojekten begann die bayerische Straßenbauverwaltung gemeinsam mit Kommunen, der Industrie und privaten Informationsanbietern daran mitzuwirken, Fahrzeuge mit Hilfe intelligenter Verkehrssysteme (IVS) situationsangepasst ans Ziel zu führen. Ein wesentlicher Bestandteil der IVS sind aktuelle und verkehrsmittelübergreifende Informationssysteme, die in Bayern erstmals mit dem Projekt BayernInfo eingeführt wurden. Kern des Projektes BayernInfo war der Aufbau einer landesweiten Verkehrsinformationszentrale Bayern (VIZ). Durch qualitativ gute Verkehrsinformationen konnte ein wichtiger Beitrag zur optimalen Nutzung der vorhandenen Kapazitäten in den Verkehrsnetzen erreicht werden. Die Bewertung der Ergebnisse von BayernInfo bestätigte dies. Im Rahmen der Initiative Mobilität 21 wurde die Ausschreibung für eine privat betriebene Verkehrsinformationsagentur Bayern (VIB GmbH) eingeleitet, die im Sinne eines Public-Private-Partnership mit der Verwaltung kooperiert. Der Vertrag zwischen dem Freistaat Bayern und der VIB wurde Anfang 2006 mit einer Laufzeit von 10 Jahren abgeschlossen. Der Systemaufbau wurde 2010 fertig gestellt. Seitdem wird das System schrittweise erweitert. Durch die Anbindung des Systems DEFAS FGI BAYERN der BEG 2012 werden künftig auch für den Öffentlichen Verkehr dynamische Daten für BayernInfo zur Verfügung stehen.
Für den mobil informierten Verkehrsteilnehmer:
Seit Ende Dezember 2010 gibt es das erste Verkehrsinformations-App (Applikation für das iPhone und iPad) einer deutschen staatlichen Institution (Freistaat Bayern) für unterwegs. Betreiber ist die VIB GmbH.
http://www.bayerninfo.de bietet folgende Dienste kostenfrei für die Bürger an:
Zudem stellt BayernInfo Verkehrsmeldungen für die Ausstrahlung im TMC-Kanal zur Verfügung, die in den Navigationssystemen angezeigt werden sowie Daten für verwaltungsinterne Anwendungen (Statistiken, Verkehrsprognosen).
Für die nächste Zeit ist ein weiterer Ausbau der Systeme geplant, u. a. Einbindung von aktuellen Kamerabildern (Webcams), Ausweitung der Verkehrsinformation auf Nachbarregionen, Einbindung von kommunalen Daten, Einbindung von Tagesbaustellen, Weiterentwicklung der Internetseite und vertiefte Zusammenarbeit mit öffentlichen und privaten Partnern
Weitere Telematik-Projekte
Neben den genannten Aktivitäten beteiligt sich die bayerische Straßenbauverwaltung auch an verschiedenen nationalen und europäischen Implementierungs- und Forschungsprojekten und ist in verschiedenen Gremien vertreten, um die aktuellen Entwicklungen aktiv mit gestalten zu können. Einige Beispiele hieraus sind im Folgenden genannt.

EasyWay ist ein europäisches Premium-Vorhaben auf dem Gebiet der transeuropäischen Verkehrsnetze zur Unterstützung der beschleunigten Einführung und Harmonisierung intelligenter Verkehrssysteme (IVS) mit einem Gesamtinvest von 1 Mrd. Euro für die Jahre 2007 bis 2012. Das Vorhaben wird von über 20 europäischen Staaten getragen und von der Europäischen Union kofinanziert. Damit können Projekte aus dem Bereich der Verkehrstelematik zur Verkehrssteuerung und Verkehrsinformation gefördert werden. Eine wesentliche Stärke von EasyWay besteht in der Bereitstellung einer einzigartigen Plattform, das die Ministerien, Straßenverkehrsbehörden sowie die öffentlichen wie privaten Straßenbetreiber aus ganz Europa zusammenbringt. Im Zusammenhang mit dem IVS-Aktionsplan (2008) und der IVS-Richtlinie (2010/40/EU) fungiert EasyWay als ein unterstützendes Umsetzungsinstrument, um den Austausch von Know-how und erprobten Verfahren zwischen den EU-Mitgliedstaaten zu fördern sowie die Erarbeitung gemeinsamer Leitlinien zum Aufbau harmonisierter IVS zu ermöglichen. EasyWay setzt sich für eine sichere, umweltfreundliche und möglichst behinderungsfreie Mobilität in ganz Europa ein. Beteiligt an EasyWay sind nahezu alle Regionen Europas, die in sogenannte Euro-Regionen untergliedert sind. Bayern ist zusammen mit Österreich, Norditalien und der Schweiz der Euro-Region CORVETTE zugeordnet.
Weitere Informationen sind unter http://www.easyway-its.eu einsehbar.

Um insbesondere die Verkehrsinformationsdienste nach den Vorgaben der EU-IVS-Richtlinie 2010/40/EU weiter zu entwickeln, beteiligt sich der Freistaat an weiteren Forschungsprojekten, wie beispielweise i-e-m (für grenzübergreifenden, automatisierten Datenaustausch im Alpenraum) und AlpCheck 2 (Informationssystem für alpines Strassengüterverkehrsnetz).

ImmerMobil ist ein Projekt zur Routenplanung für ältere Personen im ländlichen Raum. Die bayerische Straßenbauverwaltung beteiligt sich an der Testphase in den Landkreisen Rosenheim und Traunstein. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie gefördert.
Weitere Informationen sind unter http://www.immermobil.org einsehbar.