Bewohnerbefragung
Gender Mainstreaming
Das von der Obersten Baubehörde im StMI beauftragte Institut für Stadtplanung und Sozialforschung, Weeber und Partner, Stuttgart, ließ in seinen sozialwissenschaftlichen Nachuntersuchungen verschiedener Siedlungsmodelle auch das Thema Gender Mainstreaming einfließen. Weeber und Partner weisen darauf hin, dass Gender Mainstreaming in der Planungs- und Realisierungsphase der Siedlungsmodelle nicht ausdrücklich Ziel war. Sie betonen jedoch, dass es Planungspraxis ist, die Lebenssituationen und Anliegen beider Geschlechter differenziert im Auge zu behalten.
Siedlungsmodelle Nürnberg und Passau

Siedlungsmodell Passau "Kohlbruck"
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Siedlungsmodell Passau: Grundriss Erdgeschoss
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Bei der Nachuntersuchung der Siedlungsmodelle "Am Leonhardspark" in Nürnberg und Passau "Kohlbruck" 2003 wurden die Bewohner von Mietwohnungen (Nürnberg) sowie Eigenheimbesitzer (Passau) befragt. Bei der Untersuchung der Zielebene "soziale Bedürfnisse" floss unter dem Gliederungspunkt "Chancengleichheit zwischen den Geschlechtern" jeweils der Aspekt Gender-Mainstreaming ein. Im Speziellen gingen Weeber und Partner hier auf die Bereiche der Berufstätigkeit von Frau und Mann, Auswirkungen auf die Kinderbetreuung und insbesondere die Vernetzung von Wohnen, Arbeiten, Infrastruktur und Gemeinschaftseinrichtungen ein.
Textauszug aus der sozialwissenschaftlichen Nachuntersuchung des Siedlungsmodells "Am Leonhardspark" in Nürnberg:
"Bei den Familien überwiegt eine Rollenteilung, bei der mehr Männer als Frauen berufstätig sind und Frauen häufiger geringfügig beschäftigt oder nicht erwerbstätig sind. Sie kümmern sich stärker um die Kinder. Die städtische Lage der Siedlung einerseits und die großen Möglichkeiten der Kinder, sich gefahrlos im Umfeld zu bewegen und Spielkameraden zu finden, andererseits, tragen dazu bei, dass auch Frauen Berufstätigkeit und Familie eher vereinbaren können. Dies kommt insbesondere auch allein erziehenden Müttern entgegen. Die vielfach intensiven Kontaktmöglichkeiten fördern die sozialen Netze, insbesondere unter den Frauen."
Textauszug aus der sozialwissenschaftlichen Nachuntersuchung des Siedlungsmodells Passau "Kohlbruck":
"Vergleichsweise viele Frauen (78%) sind geringfügig, Teilzeit oder Vollzeit erwerbstätig. Um auch mit geringem oder mittlerem Einkommen Eigentum bilden zu können, sind viele Familien zur Finanzierung ihres Hauses darauf angewiesen, dass auch Frauen zum Einkommen beitragen. Mit einer stundenweisen oder Teilzeit-Beschäftigung wollen viele Frauen auch im Beruf bleiben und den Anschluss während einer Familienphase nicht verlieren.
Die Wohnküchen bzw. offenen Küchen unterstützen die Beteiligung aller Familienmitglieder an der Hausarbeit. Während die fußläufige Erreichbarkeit von Einkaufsmöglichkeiten den Alltagsbedürfnissen, insbesondere dem Zeitbudget der Frauen, entgegenkommt, führen die weiter entfernt gelegenen Schulen und Kindergärten (bislang noch) dazu, dass vermehrt "Fahrtdienste" für die Kinder organisiert werden müssen."
Siedlungsmodell Erlangen

Siedlungsmodell Erlangen: Reihenhaus Erdgeschoss (Grundriss)
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Siedlungsmodell Erlangen "Röthelheimpark"
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Die Nachuntersuchung des Siedlungsmodells Erlangen fand 2004 unter den Eigenheimbesitzern der Reihenhaussiedlung "Röthelheimpark" statt. Das Thema Gender Mainstreaming wurde hier unter dem Bereich "Städtebau und Architektur" – "Beurteilung der Häuser" – "Interessen von Männern und Frauen bei der Planung des Hauses" aufgegriffen. Weeber und Partner konzentrierten sich hier auf den Bereich der Gebäudeplanung unter dem Aspekt der geschlechtersensiblen Sichtweise.
Textauszug aus der sozialwissenschaftlichen Nachuntersuchung des Siedlungsmodells "Röthelheimpark" Erlangen:
"Aufgrund der gemeinsamen Entwicklung und Umsetzung der Planungsvorstellungen können die meisten im Nachhinein nicht mehr sagen, wer welche Aspekte in die Planung eingebracht hat. Ein Paar definiert das aber sehr genau. Die Frau hatte sich vor allem mit der Grundrissplanung befasst. Sie legte großen Wert auf die Gestaltung des zweiten Zimmers im Erdgeschoss. Das dient in erster Linie für sie als Arbeitsraum und hat den Vorteil, dass sie immer die Kinder im Blick hat, wenn die im Garten spielen. Darüber hinaus dient es aber auch als Vorsorge für den Fall, dass ein Familienmitglied krank wird, keine Treppen steigen kann oder wenn man ein krankes Kind einfach in der Nähe haben möchte. Der Mann hat sich stärker mit Details des Innenausbaus befasst ..."