


Wenn man unter dem Gleichstellungsaspekt nicht nur Frauen und Männer, sondern auch die besonderen Bedürfnisse von Kindern und Senioren, Familien und Alleinstehenden oder Menschen mit Behinderungen betrachtet, findet dieser Aspekt im Rahmen des experimentellen Wohnungsbaus schon immer besondere Aufmerksamkeit. Modellvorhaben wie zum Beispiel "Barrierefreier Wohnungsbau", "Lebendige Wohnquartiere für jung und alt" oder "Wohnen in allen Lebensphasen" befassen sich schwerpunktmäßig mit diesen Themen.
Geschlechtsspezifische Fragen wurden im Modellvorhaben "Gemeinsam bauen und leben" näher untersucht.
Modellvorhaben "Gemeinsam bauen und leben"
Die Erhaltung stabiler Bewohnerstrukturen ist nicht nur ein Thema bestehender Quartiere. Auch neue Siedlungen zielen darauf ab, sozial ausgewogene Nachbarschaften mit der Kraft und dem Willen zur Selbstverantwortung und zur Integration zu schaffen. Partizipation in der Planungs- und Bauphase lassen bereits von Beginn an nachbarschaftliche Beziehungen entstehen. Gerade im Hinblick auf den demographischen Wandel in unserer Gesellschaft gewinnen diese Projekte zunehmend an Bedeutung.
Das Modellvorhaben "Gemeinsam bauen und leben" will an einigen Projekten mit sehr unterschiedlichen Schwerpunkten Lösungswege für gemeinschaftliche Wohnmodelle aufzeigen. Die Vorhaben werden wissenschaftlich begleitet. Neben den rechtlichen und baulichen Rahmenbedingungen, Organisations- und Entscheidungsstrukturen wird auch der Gesichtspunkt des Gender Mainstreaming thematisiert.
Wagnis e.G. am Ackermannbogen in München
Ein Projekt dieses Modellvorhabens ist "Wagnis am Ackermannbogen" in München. Hervorgegangen aus verschiedenen Wohnprojekten in den 90er Jahren, konnte die Genossenschaft Wagnis im Rahmen des Siedlungsmodells am Ackermannbogen 90 Wohnungen mit intensiver Partizipation im Planungs- und Bauprozess errichten. Verschiedene rechtliche Konstruktionen bieten die Grundlage für eine auf der Gemeinschaftsidee basierende organisierte Nachbarschaft
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Frauen spielten bei allen Initiativen, die letztendlich zur Realisierung dieses Projekts geführt haben, eine zentrale Rolle. Das Geschlechterverhältnis bewegt sich durchschnittlich bei 60 % Frauen zu 40 % Männern. Bei der Gruppe der über 55-jährigen (30 %) ist der Anteil der Frauen dreimal so hoch wie der der Männer.
Die Ergebnisse der wissenschaftlichen Begleitung aus dem Modellvorhaben werden in Kürze veröffentlicht und sollen folgenden Projekten Anregungen und Hilfestellung bieten. Ob die scheinbar von Frauen stärker empfundenen Defizite bei "normalen" Wohnformen in gemeinschaftlichen Wohnkonzepten dauerhaft ausgeglichen werden können, sollte einige Jahre nach Fertigstellung der Projekte untersucht werden.
Kunigunden Gmbh in Bamberg
Das Projekt Kunigunden GmbH in Bamberg startete mit einer Gruppe älterer Ehepaare, die ein gemeinschaftliches Wohnprojekt planten. Inzwischen organisiert eine Dame aus der Gründungsgruppe zusammen mit sieben alleinerziehenden Haushalten den Umbau eines denkmalgeschützten Gebäudes in Bamberg.
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Das mit der Absicht, sich im Alter gegenseitig zu unterstützen, von Ehepaaren begonnene Projekt hat sich im Laufe von zwei Jahren zu einer reinen Frauengruppe entwickelt. Dabei steht neben dem Aspekt Wohnen im Alter gegenwärtig vor allem die gegenseitige Unterstützung bei der Betreuung von Kindern im Vordergrund.
Inwieweit die hier gewählte Wohn- und Organisationsform vor allem für Alleinerziehende mit geringen finanziellen Mitteln hilfreich sein kann, wird sich im Betrieb der Wohnanlage erweisen.
Olga (Oldies leben gemeinsam aktiv) in Nürnberg
Ein weiteres wissenschaftlich untersuchtes Projekt ist "Olga" in Nürnberg, in dem sich 11 ältere Damen zu einer Wohngemeinschaft zusammengeschlossen und zusammen mit einer Wohnungsbaugesellschaft ein Haus aus den 50er Jahren entsprechend ihren Bedürfnissen umgebaut haben.
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Gemeinschaftliche Wohnformen älterer Menschen sind bisher überwiegend eine Domäne von Frauen. Das Projekt Olga ist in dieser Hinsicht durchaus charakteristisch. Obwohl in der Phase der Gruppenfindung auch Männer Interesse am gemeinschaftlichen Wohnen zeigten, fanden sich aber keine Kandidaten bereit oder in der Lage, die Aufgaben und Pflichten zu übernehmen, die das Konzept und der interne Vertrag vorsahen. Dies wirft die Frage auf, welcher Zusammenhang zwischen dem gesellschaftlich geprägten Geschlechterverständnis und der Beteiligung an solchen alternativen Wohnformen besteht und wie sich die Strukturen und Rahmenbedingungen verändern lassen, um das gemeinschaftliche Wohnen für Frauen und Männer gleichermaßen attraktiv zu machen.
Die Ergebnisse der wissenschaftlichen Begleitung aus dem Modellvorhaben bieten eine gute Grundlage für zukünftige Konzepte, die den differenzierten Bedarf von Frauen wie von Männern mit unterschiedlichen Rollenvorstellungen, Interessen und Werten reflektieren.