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Ergebnisse der Internetumfrage zum Radverkehr

München, 3. März 2016 (stmi). Wie soll der Radverkehr in Bayern gefördert werden? Die Ergebnisse unserer großen Internetumfrage sind jetzt verfügbar. Die detaillierten Umfrageergebnisse in tabellarischer Form finden Sie hier.

Eine Frau befestigt den Fahrradhelm eines Kindes © Jörn Buchheim - Fotolia.com

Das Fahrrad ist ein schnelles, flexibles und preiswertes Verkehrsmittel, welches wenig Platz benötigt und dessen regelmäßige Nutzung fit und gesund hält. Zudem ist es äußerst umweltfreundlich, da es praktisch lärm- und emissionslos ist. Somit kann es einen wichtigen Beitrag zum Klima- und Umweltschutz leisten, wenn es gelingt, einen Teil des Kraftfahrzeugverkehrs auf das Rad zu verlagern. Daher fördert der Freistaat Bayern schon lange den Radverkehr. Die Schwerpunkte liegen dabei auf der Bereitstellung von Infrastruktur durch den Bau von Radwegen an Bundes- und Staatsstraßen, der Förderung der Kommunen beim Bau von verkehrswichtigen Radwegen, der Unterstützung des Freizeit- und Tourismusradverkehrs sowie der Verkehrssicherheitsarbeit und der Verkehrserziehung an Schulen.

Steigende Fahrradnutzung

Laut der Studie Mobilität in Deutschland 2008 liegt der Fahrradanteil bei den zurückgelegten Wegen in Bayern bei 10,5 Prozent. Um den Radverkehrsanteil am Gesamtverkehrsaufkommen weiter zu erhöhen, müssen die bisherigen Aktivitäten zur Radverkehrsförderung fortgeführt und gezielt ergänzt werden. Darüber hinaus ist vor allem in Großstädten die Fahrradnutzung in den letzten Jahren bereits stark angestiegen. Auch hier gilt es, entsprechend darauf zu reagieren. Um dies umfassend darzustellen und darzulegen wie der Radverkehr von Seiten des Freistaats in den kommenden Jahren weiter gefördert werden soll, erstellt derzeit die Oberste Baubehörde im Bayerischen Staatsministerium des Innern, für Bau und Verkehr (OBB) den Radverkehrsplan Bayern 2025.

Um Schwerpunkte zu setzen und die Maßnahmen gerade auch an den Bedürfnissen der Radfahrerinnen und Radfahrer zu orientieren, haben wir eine Internetumfrage durchgeführt. Diese war vom 16. November 2015 bis 18. Dezember 2015 freigeschaltet und brachte folgende Ergebnisse:

Schwerpunkte: Radwegenetz und -ausbau

Insgesamt gingen 8.237 Rückmeldungen ein. 69,6 % der Teilnehmer waren Männer, 29,7 % Frauen (keine Angabe machten 0,6 %). Am stärksten vertreten waren mit 43,6 % die Jahrgänge 1950 bis 1969, gefolgt von den Jahrgängen 1970 bis 1989 mit 36,5 %. Die meisten der Umfrageteilnehmerinnen und -teilnehmer wohnen in einer Stadt mit mehr als 50.000 Einwohnern (54,5 %). 57,5 % nutzen ihr Rad jeden Tag, 76,5 % fahren bei jedem Wetter, 62,1 % bezeichnen sich anls „sportliche Radler“, 5,7 % nutzen ein Pedelec (bezogen jeweils auf alle Teilnehmerinnen und -teilnehmer).

Bei der Frage nach der Nutzung des Fahrrads (hier waren Mehrfachnennungen möglich) gaben mit 90,4 % die meisten Teilnehmer an, ihr Fahrrad in der Freizeit zu nutzen. 81,6 % nutzen ihr Rad auch für Einkäufe und Besorgungen und 74,6 % nehmen das Rad für den Weg zur Arbeit, Schule oder Ausbildung. Bei der Frage, welche Aspekte für die eigene Fahrradnutzung wichtig sind, lag an erster Stelle „Radwege, Radwegenetze“. 86,6 % halten dies für „sehr wichtig“ bzw. „wichtig“. An zweiter Stelle lagen „Abstellmöglichkeiten für Fahrräder“ mit 74,7 % gefolgt von „asphaltierten Radwegen“ mit 68,4 % und „Fahrradwegweisung, Beschilderung“ mit 68,2 %.

Der Ausbau der Radverkehrsinfrastruktur lag auch bei der Frage, ob eine Maßnahme zur Verbesserung der Verkehrssicherheit für geeignet gehalten wird, an erster Stelle. 81,9 % beantworteten dabei die Frage, ob mehr Radfahrstreifen bzw. Schutzstreifen angelegt werden sollten, mit „ja“, 79,6 % befürworten den Bau von mehr Radwegen. Die Umfrage zeigt für die Aufstellung des Radverkehrsplans Bayern deutlich auf, dass Schwerpunkte im Bereich der Radverkehrsnetzplanung und des Infrastrukturausbaus sowie bei den Fahrradabstellanlagen liegen sollten.

Individuelle Fahrradnutzung

Neben der Beantwortung der Multiple-Choice-Fragen haben 5.215, also fast zwei Drittel, der Umfrageteilnehmerinnen und -teilnehmer auch die Möglichkeit genutzt, uns über drei freie Texteingabemöglichkeiten ihre Meinung und Vorschläge mitzuteilen. So bestand die Möglichkeit, nach den Aussagen zu den Aspekten für die eigene Fahrradnutzung weitere wichtige Aspekte für die eigene Fahrradnutzung zu nennen. Das Spektrum der Angaben war dabei sehr breit. Zusammenfassend lassen sich folgende Aussagen treffen:

Sicherheit war das am meisten genannte Thema. Die angesprochen Aspekte sind hier sehr vielfältig. Neben allgemeinen Aussagen, dass „man sicher fahren möchte“ nennen viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer die verkehrssichere Gestaltung von Einmündungen und Kreuzungen. Daneben werden auch noch Aspekte wie das verbotenen Parken auf Radwegen und ungenügender Abstand beim Überholen durch Pkw-Fahrer thematisiert. Die Umfrageteilnehmerinnen und -teilnehmer bemängeln auch, dass viele Verkehrsteilnehmer nicht über ausreichende Kenntnisse der Verkehrsregeln verfügten und es mehr Informationen hierzu geben müsste. Dabei haben viele „die Autofahrer“ oder „die Fußgänger“ im Blick; es finden sich aber auch zahlreiche Stimmen, die auf das Fehlverhalten von Radfahrern hinweisen.

Als zweites Hauptthema kristallisiert sich eine auf die Bedürfnisse des Radverkehrs ausgelegte Infrastruktur heraus. Vor allem wünschen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ausreichend breite Radwege oder Schutzstreifen bzw. Radfahrstreifen, die durchgängig angelegt sind und eine zügige Fahrweise erlauben.

Ein weiteres Hauptthema lässt sich unter „Akzeptanz des Radverkehrs“ zusammenfassen. Viele der Umfrageteilnehmerinnen und -teilnehmer haben das Gefühl, dass der Radverkehr bei der Verkehrsplanung nicht ernst genommen werde. Viele Verkehrsanlagen seien einseitig auf die Bedürfnisse des motorisierten Verkehrs ausgelegt. Ebenso äußern viele das Gefühl, dass der Radverkehr vor allem von den motorisierten Verkehrsteilnehmern nicht als gleichwertiger Verkehr sondern als störend und lästig empfunden werde.

Verbesserung der Verkehrssicherheit für den Radverkehr

Bei der Frage, wie die Verkehrssicherheit für den Radverkehr verbesserte werden könnte, liegt ein Schwerpunkt bei den Rückmeldungen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf dem Wunsch, dass mehr über regelkonformes Verhalten im Straßenverkehr aufgeklärt und informiert werden sollte. Dies geht einher mit der Forderung, dass Fehlverhalten sowohl von Autofahrern als auch von Radfahrern strenger geahndet werden sollte. Genannt werden hier beispielsweise das Parken auf Radwegen, das Überholen des Radfahrers mit zu geringem Abstand aber auch das Radfahren in der Gegenrichtung („Geisterradler“) oder das Radfahren ohne Licht. Ein weiteres wichtiges Thema bei dieser Frage ist den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Umfrage auch hier die verkehrssichere Ausbildung der Fahrradinfrastruktur. Dabei wird kontrovers über das Für und Wider einer Führung des Radverkehrs zusammen oder getrennt mit dem Kfz-Verkehr diskutiert.

Besondere Gefahren für Radfahrer

Bei der Frage nach den besonderen Gefahren für Radfahrer, konzentrieren sich die Rückmeldungen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf drei große Bereiche. Hauptsächlich werden Gefahrensituationen an Kreuzungen, Einmündungen oder Zufahrten thematisiert. Ein weiterer Punkt sind die Gefahren, die durch Unachtsamkeit oder Rücksichtlosigkeit von anderen Verkehrsteilnehmern ausgehen. Dabei werde vor allem Autofahrer, die die Türen öffnen ohne auf Radfahrer zu achten oder auf Radwegen parken oder unachtsame Fußgänger genannt. Aber auch das rücksichtlose Verhalten anderer Radfahrer wird kritisiert. An dritter Stelle folgt eine nicht den Bedürfnissen der Radfahrer ausgebaute Infrastruktur. Hier wird kritisiert, dass viele Wege zu schmal seien oder plötzlich endeten. Zudem wird bemängelt, dass bei Übergängen die Bordsteine nicht weit genug abgesenkt seien oder die Benutzung durch Einbauten wie Pfosten oder Umlaufsperren eingeschränkt sei.

Verkehrssicherheit als beherrschendes Thema

Insgesamt zeigt sich, dass das beherrschende Thema die Verkehrssicherheit ist. Dass sich Radfahrer unsicher fühlen, ist auf zwei wesentliche Faktoren zurückzuführen. Zum einen auf die Verkehrsinfrastruktur, die von vielen als nicht ausreichend sicher wahrgenommen wird, zum anderen auf das Verhalten anderer Verkehrsteilnehmer, welches als gefährlich und rücksichtslos empfunden wird. Viele der Umfrageteilnehmerinnen und -teilnehmer haben offenbar das Gefühl, dass der Radverkehr sowohl bei den Planern als auch bei den anderen Verkehrsteilnehmern nicht ausreichend Akzeptanz zu finden.

Als Konsequenz für den Radverkehrsplan ergibt sich, dass einer der Schwerpunkte auch im Handlungsfeld „Verkehrssicherheit“ liegen muss. Hier gilt es vor allem, alle Verkehrsteilnehmer zu einem rücksichtsvollen Miteinander im Verkehr anzuhalten und bauliche Mängel der Infrastruktur zu beseitigen. Zudem gilt es, alle die sich mit Verkehrsplanung befassen, noch mehr für die Belange des Radverkehrs zu sensibilisieren, damit dieser seinen Platz im Straßenraum erhält und so verkehrssicher geführt werden kann.

Fazit

Die hohe Zahl der Rückmeldungen zeigt, dass die Radfahrerinnen und Radfahrer die Möglichkeit, eigene Vorstellungen einzubringen, gerne angenommen haben. Die Umfrageaktion war damit sehr erfolgreich. Durch die oft ausführlichen und durchweg konstruktiven Rückmeldungen haben wir ein sehr gutes Stimmungsbild erhalten. Für die Aufstellung des Radverkehrsplans Bayern 2025 haben wir die Schlussfolgerung gezogen, dass dessen Schwerpunkte im Bereich des verkehrssicheren Ausbaus der Infrastruktur, der Fahrradabstellanlagen und der Verkehrssicherheitsarbeit liegen müssen.

Wir danken allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern, dass sie sich Zeit für die Umfrage genommen haben und wünschen Ihnen eine stets unfallfreie Fahrt.