21. Juli 2017: Innenstaatssekretär  Gerhard Eck händigt das Bundesverdienstkreuz am Bande an Reinhold Albert, Helga und Ludwig Heise, Peter Honecker und Karl-Heinz Wolbert aus. V.l.n.r.: Staatssekretär Eck, Reinhold Albert, Helga Heise, Ludwig Heise, Peter Honecker, Karl-Heinz Wolbert, Regierungspräsident Dr. Paul Beinhofer
© Jeannette Mathy

Innenstaatssekretär Gerhard Eck händigt Bundesverdienstkreuze aus

Würzburg, 21. Juli 2017 (stmi). Innenstaatssekretär Gerhard Eck hat im Fürstensaal der Würzburger Residenz das Bundesverdienstkreuz am Bande an Reinhold Albert, Helga und Ludwig Heise, Peter Honecker und Karl-Heinz Wolbert ausgehändigt.

Verdienstkreuz am Bande
© Bundesregierung, Julia Fassbender

Mit seinen Ordensverleihungen möchte der Bundespräsident die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf hervorragende Leistungen lenken, denen er für unser Gemeinwesen besondere Bedeutung beimisst. Der Verdienstorden wird an in- und ausländische Bürgerinnen und Bürger für politische, wirtschaftlich-soziale und geistige Leistungen verliehen sowie darüber hinaus für alle besonderen Verdienste um die Bundesrepublik Deutschland, wie zum Beispiel im sozialen und karitaiven Bereich.

Reinhold Albert

Reinhold Albert aus Sulzdorf a. d. Lederhecke, Landkreis Rhön-Grabfeld, zeichnet sich durch sein jahrzehntelanges Engagement in der Heimat- und Archivpflege aus. Durch seinen hohen persönlichen Einsatz hat er nachhaltig historische Werte geschaffen und sich im kulturellen und heimatgeschichtlichen Bereich bleibende Verdienste erworben. Er war von 1983 bis 1991 Kreisarchivpfleger für den Bereich des Altlandkreises Königshofen und ist seit 1991 Kreisarchivpfleger und Kreisheimatpfleger des Landkreises Rhön-Grabfeld. Durch sein großes Interesse für die Geschichte seiner Heimat hat er sich in all den Jahren ein herausragendes Wissen angeeignet und ist in seinen Funktionen  eine Institution und ein kompetenter Ansprechpartner. Er ist Autor von vielen heimatgeschichtlichen Büchern und Schriften über den Landkreis Rhön-Grabfeld und das angrenzende Thüringen. Die Erstellung einer Chronik für eine Gemeinde im Landkreis ist ohne sein Mitwirken undenkbar. Hinzu kommen zahlreiche Beiträge und Aufsätze. Bereits seit über drei Jahrzehnten liefert er regelmäßige Beiträge für das jährlich erscheinende Heimatjahrbuch des Landkreises Rhön-Grabfeld, welches er nun seit 2006 auch redaktionell leitet. Daneben ist er seit 1984 Schriftleiter des Mitteilungsblattes "Echo der Lederhecke" seiner Heimatgemeinde Sulzdorf a. d. Lederhecke und seit 1995 Schriftleiter des Heimatblattes „Das Grabfeld“ des Vereins für Heimatgeschichte im Grabfeld e. V..

Seit seinem 15. Lebensjahr hat er eine große heimatkundliche Sammlung aufgebaut, insbesondere über die frühere innerdeutsche Grenze. Er tätigt Führungen, hält Vorträge und gestaltet Ausstellungen mit. Mit großem Engagement arbeitete er an den drei interessanten Bänden „Grenzerfahrungen Bayern/Thüringen“ mit. Seit 1982 ist er 2. Vorsitzender des Vereins für Heimatgeschichte im Grabfeld e. V., nachdem er vorher für drei Jahre das Amt des 1. Vorsitzenden innehatte. Wertvolle Unterstützung leistete er beim Aufbau und bei der Neukonzipierung des „Museums für Grenzgänger“ in Bad Königshofen im Grabfeld. Schon 1992 konnte der Verein in zwei Räumen des Kurzentrums in Bad Königshofen ein „Grenzmuseum“ eröffnen. Ab 2001 liefen die Planungen für die dauerhafte Neueinrichtung eines Museums zum Thema Grenze in Bad Königshofen. Unter dem Titel „Museum für Grenzgänger - Nachbarn im Grabfeld“ wurde die Ausstellung im Juni 2006 eröffnet. Als Archivpfleger für den Landkreis Rhön-Grabfeld schloss er zahlreiche Ordnungsmaßnahmen in den Gemeinde- bzw. Stadtarchiven ab, so dass er zu Recht als „Herr der Archive“ bezeichnet wird. Dank seiner Recherchen entdeckte er wertvolles Material, welches durch seine engagierte Arbeit der Nachwelt erhalten bleibt. Überdies bringt er sich kommunalpolitisch ein. Seit 2002 ist er Kreisrat des Kreistages Rhön-Grabfeld. Einige Zeit zuvor war er 12 Jahre lang Mitglied des Gemeinderats Sulzdorf a. d. Lederhecke.

Helga Heise und Ludwig Heise

Helga Heise und Ludwig Heise aus Zellingen, Landkreis Main-Spessart, zeichnen sich in besonderem Maße durch Ihre außergewöhnliche Pflegeleistung aus. Sie pflegen seit weit über zwei Jahrzehnten gemeinsam ihren behinderten Sohn Manfred, der 1972 geboren ist. Im Jahr 1992 verunglückte Manfred in Würzburg schwer mit dem Motorrad und fiel ins Koma, bedingt durch ein Blutgerinnsel im Kopf. Helga Heise war ab diesem Zeitpunkt die ganze Zeit an der Seite ihres Sohnes. Die ärztliche Prognose ging davon aus, dass Manfred sein Leben lang auf den Rollstuhl angewiesen sein und komplett blind bleiben würde. Helga und Ludwig Heise wollten Ihren schwerstbehinderten Sohn nicht in ein Heim geben. So fassten sie den mutigen Entschluss, den unglaublichen Kraftakt seiner weiteren Rehabilitation selbst in die Hand zu nehmen und Manfred bei sich zu Hause zu pflegen. Um die optimale Versorgung und eine den neuen Ansprüchen entsprechende Umgebung zu garantieren, führten sie umfangreiche Umbauarbeiten am Haus durch. Sie fuhren mit Manfred dreimal in der Woche zur Ergotherapie und zweimal in der Woche zur Krankengymnastik. Zusätzlich richteten sie einen Fitnessraum ein, um dort die Übungen und die Rehabilitation weiterzuführen.

Durch dieses unermüdliche Engagement lernte ihr Sohn wieder ansatzweise das Laufen und sein Gedächtnis kehrte zurück. Manfred erlangte damit wieder eine gewisse Selbständigkeit. Nach wie vor übernehmen Helga und Ludwig Heise die tägliche Versorgung  ihres Sohnes, wobei sie immer mehr von ihrer Tochter unterstützt werden. Neben der täglichen Pflege und der normalen Physiotherapie reist vor allem Ludwig Heise mit seinem Sohn zu speziellen Anwendungen ins Ausland, um so seine Beweglichkeit und Selbständigkeit zu erhalten und weiter zu entwickeln. Über diesen aufopferungsvollen Einsatz hinaus pflegte Helga Heise mehr als zehn Jahre lang ihre kranke Mutter. Darüber hinaus engagiert sich Ludwig Heise seit 1988 leidenschaftlich in der „Schützengesellschaft 1963 e. V. Zellingen“. Bereits kurz nach seinem Eintritt in diesen Verein übernahm er verschiedene Funktionen innerhalb der Vorstandschaft. Von 1991 bis 1993 war er dann Zweiter Schützenmeister und ist seit 2010 Erster Schützenmeister. Er konnte durch seinen unermüdlichen Einsatz vieles im Vereinsleben bewegen.

Peter Honecker

Peter Honecker aus Ochsenfurt, Landkreis Würzburg, hat sich durch sein jahrzehntelanges Wirken in Beruf, Politik und Gesellschaft zum Wohle der Bürgerinnen und Bürger der Stadt Ochsenfurt und darüber hinaus verdient gemacht. Er begann bereits während seiner Ausbildung zum Fernmeldehandwerker beim früheren Fernmeldeamt Würzburg 1964, sich ehrenamtlich in der Jugendarbeit der damaligen Deutschen Postgewerkschaft zu engagieren. Ab 1979 gehörte er dem Personalrat an und wurde, bedingt durch die verschiedenen Organisationsänderungen, zur Technik-Niederlassung Bamberg versetzt. Dort war er seither als Betriebsrat tätig. Dieses Amt hatte er bis zu seinem Ausscheiden aus dem aktiven Dienst im Jahr 2000 ehrenamtlich inne. Mit Einführung der Digitaltechnik in den 80er- und 90er-Jahren wurde die Fernsprech-Vermittlungstechnik modernisiert. Honecker erkannte früh, dass dadurch viele Kollegen ihre bisherige Arbeit verlieren würden. Darum bemühte er sich, dass die Betroffenen entsprechende Fortbildungen machen konnten, um in der neuen Technik oder in anderen Bereichen weiterbeschäftigt werden zu können. Daneben war er von 1974 bis 1978 und von 1983 bis 1987 im Deutschen Gewerkschaftsbund Ortskartellvorsitzender in Ochsenfurt. Im politischen Bereich engagiert er sich seit 1972. Als Mitglied des SPD-Ortsvereins Ochsenfurt arbeitete er zunächst bei den Jungsozialisten mit. 1984 wurde er in den Stadtrat Ochsenfurt gewählt und war dort bis zu seinem Ausscheiden 2011 in zahlreichen Ausschüssen vertreten. Auch danach steht er mit seinem Fachwissen in der Telekommunikation bei der zentralen Aufgabe der Breitbandversorgung der Stadt Ochsenfurt weiterhin ehrenamtlich und mit großem Einsatz zur Verfügung.

1992 wurde er zum stellvertretenden Vorsitzenden des Arbeiterwohlfahrt-Ortsvereins Ochsenfurt gewählt und übernahm im selben Jahr den kommissarischen Vorsitz. Seit 1993 bis heute ist er engagierter 1. Vorsitzender. In seiner Amtszeit wurden viele Aktivitäten im Bereich der Seniorenarbeit und der Jugendarbeit neu eingerichtet und wegweisende Entscheidungen getroffen, so auch die Umwandlung des AWO-Ortsvereins Ochsenfurt in einen gemeinnützigen eingetragenen Verein. Neben den Verwaltungstätigkeiten als Vorsitzender organisiert er zahlreiche soziale Angebote in Ochsenfurt und führt diese zum Teil selbst durch. Er ist Mitbegründer des AWO-Internetcafés 50+ und Leitender Coach für die Seniorinnen und Senioren im Umgang mit Computer und Internet. Darüber hinaus war er von 1993 bis 2008 Mitglied des erweiterten AWO-Kreisvorstands Würzburg-Land, seither ist er dort als Schriftführer tätig und unterstützt die Ortsvereine. Im AWO-Bildungswerk Unterfranken engagierte er sich als Beisitzer und ist seit 2008 stellvertretender Bezirksvorsitzender. Überdies setze er sich seit einigen Jahren als Patientenfürsprecher an der Main-Klinik Ochsenfurt für die Belange der Patientinnen und Patienten ein.

Karl-Heinz Wolbert

Karl-Heinz Wolbert aus Willanzheim, Landkreis Kitzingen, engagiert und engagierte sich seit fast fünf Jahrzehnten in außergewöhnlicher Weise für die Musik, im kirchlichen Bereich, in der Heimatpflege und als Kommunalpolitiker. Kunst und Kultur liegen ihm besonders am Herzen. Sein pädagogisches Geschick, mit dem er zuletzt als Rektor und Leiter der Grundschule Marktbreit beruflich erfolgreich war, nutzte er auch über viele Jahrzehnte gemeinsam mit seinen musischen Talenten als ehrenamtlicher Chorleiter. Darüber hinaus brachte er als Kreisheimatpfleger und im Rahmen von Vorträgen und Lesungen den Menschen der Region ihre Heimat näher. Seine gemalten Kleinkunstwerke mit fränkischen Motiven finden sich auf Festschriften, in Chorprogrammen, Plakaten oder Chroniken. Von 1990 bis 2008 zeigte er großes Engagement in der Kommunalpolitik als Mitglied des Gemeinderates und zeitweise als 2. Bürgermeister des Marktes Willanzheim. Er war zudem Partnerschaftsbeauftragter und baute die Partnerschaft mit der Gemeinde Zanka in Ungarn auf. Stets war er kompetenter Ansprechpartner und erarbeitete u. a. Besuchsprogramme mit kulturellen Höhepunkten. Zum zehnjährigen Jubiläum der Partnerschaft im Jahre 2011 stellte er eine umfangreiche Ausstellung im Rahmen des Kreisheimattages zusammen.

Als langjähriger Seniorenbeauftragter der Marktgemeinde führte er die Seniorennachmittage ein und war Mitbegründer des Seniorenkreises mit regelmäßigen Treffen im neu gebauten Martinshaus. Von 1990 bis 2008 setzte er sich in seiner Eigenschaft als Mitglied des Kreistags Kitzingen und dort in verschiedenen Ausschüssen und als Kulturreferent unermüdlich für die Menschen der Region ein. Seit 1987 übt er das Amt des Kreisheimatpflegers aus. Er ist Mitgründer des Heimattages des Landkreises Kitzingen, der seit 1999 jährlich in verschiedenen Gemeinden im Landkreis Kitzingen durchgeführt wird. Daneben engagiert er seit über 30 Jahren in unterschiedlichsten Funktionen auf kirchlicher Ebene. Unter anderem erteilte er eine Zeit lang indischen Priestern, die in Willanzheim eingesetzt waren, Deutschunterricht. Seit 2015 vermittelt er in Markt Herrnsheim Flüchtlingen die deutsche Sprache. Sein musisches Talent als Sänger, Chorleiter oder Gründer von Chören bewies er bei verschiedensten Ensembles. 1991 wurden unter seiner Beteiligung die „Frankobarden“ gegründet. Diese betrieben unter seiner Leitung Sängerkunst auf sehr hohem Niveau und widmeten sich hauptsächlich dem fränkischen Mundartlied, bis sie vor rund zwei Wochen ihr voraussichtlich letztes Konzert gegeben haben.