Gruppenbild
© Sammy Minkoff

Herrmann verleiht Medaillen für vorbildliche Zivilcourage

München, 5. September 2019 (stmi). Sie haben Sexualstraftaten aufgedeckt oder verhindert, Räuber festgehalten, Einbrecher gestellt, Diebe verfolgt und Betrüger auffliegen lassen. Sie haben hingeschaut, sich eingemischt, sich bei verbalen und körperlichen Angriffen schützend zwischen Opfer und Täter gestellt und damit Schlimmeres verhindert. 37 engagierten Bürgerinnen und Bürgern aus ganz Bayern hat Innenminister Joachim Herrmann dafür heute die Medaille für Verdienste um die Innere Sicherheit verliehen.

Video

  • Wenn Sie das Video starten, werden Inhalte von Youtube geladen und dadurch Ihre IP-Adresse an Youtube übertragen.
    Mehr Informationen und Widerruf

    Video starten

    Courage 2019: Herrmann verleiht Medaillen für vorbildliche Zivilcourage

  • Alle Videos

"Wir brauchen Menschen, die Zivilcourage zeigen! Denn es darf uns nicht gleichgültig sein, wenn Mitmenschen belästigt oder körperlich angegriffen werden. Mit Ihrem Handeln haben Sie sich für andere stark und Bayern dadurch ein Stück sicherer gemacht! Damit sind Sie alle großartige Vorbilder", lobte Herrmann die Ausgezeichneten bei der heutigen Feierstunde im Odeon des Innenministeriums.

Ein leuchtendes Vorbild für Mut und Courage war für Herrmann auch Dominik Brunner. Sein Todestag jährt sich heuer zum 10. Mal. Er starb am 12. September 2009 nach einem grausamen Angriff, weil er Jugendliche in der S?Bahn und am S-Bahnhof München Solln beschützen wollte. Um Brunner ein würdevolles Andenken zu bewahren, findet die Verleihung der sogenannten 'Courage-Medaille' seither in engem zeitlichem Kontext zu seinem Todestag statt. "Das tragische Schicksal von Dominik Brunner führt unweigerlich zu der Frage, wie man sich in derartigen Situationen verhalten soll, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen", so der Minister. Manchmal reiche es schon, laut zu sprechen, um einen Täter einzuschüchtern oder von der Tat abzuhalten. Andere Täter seien zu jeder Form von Gewalt bereit. "Leider wurde auch mancher von Ihnen bei seinem mutigen und beherzten Einschreiten gegen Straftäter verletzt. Ich hoffe sehr, dass Ihre körperlichen und seelischen Wunden zwischenzeitlich vollständig verheilt sind", so Herrmann.

Wertvolle Tipps zum richtigen Verhalten in Gefahrensituationen gibt es laut Innenminister beispielsweise unter www.polizei-beratung.de oder bei allen kriminalpolizeilichen Beratungsstellen der Bayerischen Polizei.

Die Laudationes zu den Geehrten finden Sie hier; Bilder der Verleihung können Sie hier herunterladen (Passwort: Bayern.2019).

Die von Herrmann persönlich ausgezeichneten Bürgerinnen und Bürger haben in folgenden Fällen Hilfe geleistet.

Ein 82-Jähriger wollte im Februar 2019 schlichtend eingreifen, nachdem ein junger Mann im Verlauf eines Streits seine Begleiterin im Park schlug. Daraufhin wurde der Senior selbst Opfer eines Faustschlags gegen die linke Schläfe und nicht unerheblich verletzt.

Ein 48-Jähriger verfolgte im Mai 2018 einen 55-jährigen flüchtigen Dieb, stellte diesen und hielt ihn bis zum Eintreffen der Polizei fest.

Eine 49-Jährige nahm im März 2019 nach einem bewaffneten Überfall auf eine Seniorin die Suche nach dem Täter auf und ermöglichte dadurch den Fahndungserfolg der Polizei.

Fünf Männer setzten im Juli 2017 vier Täter, die ein Juweliergeschäft ausgeraubt hatten, fest. Zwei Zeugen, von denen einer beim Raub verletzt wurde, verfolgten die Täter auf der Flucht. Zwei weitere Kemptener stellten sich den Räubern in den Weg und wurden von ihnen mit Pfefferspray attackiert. Die beiden Zeugen konnten die Täter daraufhin zu Fall bringen. Beim Festhalten wurden sie von einem weiteren Helfer unterstützt.

Ein 31-Jähriger beobachtete im Februar 2019 einen Einbruch und stellte noch vor Eintreffen der Polizeistreife den Täter.

Eine 44-Jährige konnte im Juli 2018 eine Vergewaltigung verhindern. Nachdem sie Schreie des Opfers wahrgenommen hatte, riss sie das Geschehen durch lautes Rufen aus der Anonymität. Der Täter ließ darauf von seinem Opfer, welches er zuvor brutal geschlagen und ins Gebüsch gezerrt hatte, ab und flüchtete. Er wurde zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt.

  • Ein 43-Jähriger hat im Mai 2017 durch sein Einschreiten einen Angreifer dazu gebracht, von seinem Opfer abzulassen, ihn anschließend verfolgt, zur Rede gestellt und fotografiert. Durch das Handyfoto konnte der Täter später identifiziert werden.
  • Ein Ehepaar fotografierte im Juni 2017 einen Einbrecher, folgte ihm und stellte ihn zur Rede, bevor er in die U-Bahn verschwand. Mit den Täterfotos konnte er identifiziert und kurze Zeit später festgenommen werden.
  • Zwei Brüder eilten im November 2017 einer älteren Dame nach einem Überfall zu Hilfe und suchten den Täter. Sie unterbanden weitere Attacken, wobei einer der beiden selbst verletzt wurde, und informierten die Polizei, die den Täter daraufhin festnehmen konnte.
  • Ein 27-Jähriger setzte sich im Mai 2017 in der U-Bahn zu einem Pärchen, das angegriffen wurde. Er verhinderte damit einen erneuten Übergriff auf die beiden, wurde infolgedessen aber selbst attackiert und verletzt.
  • Einem 22-Jährigen fiel im Juli 2018 in einem Bus auf, dass ein vermeintlicher Fahrkartenkontrolleur Kinder unangemessen berührte. Damit konfrontiert, konnte dieser sich nicht ausweisen und wollte flüchten. Darauf hielt ihn ein weiterer Fahrgast bis zum Eintreffen der Polizei fest.
  • Ein 31-Jähriger sah im Februar 2018 in der U-Bahn auf dem Mobiltelefon des neben ihm sitzenden Buben einen verdächtigen WhatsApp-Chat. Er sprach den Jungen darauf an und erfragte seine Handynummer, was schließlich zur Aufklärung mehrerer schwerer Sexualstraftaten führte.
  • Fünf Männer brachten im Januar 2018 in der S?Bahn einen aggressiven Mann unter Kontrolle, der randaliert hatte und zwei Frauen mit einem Kleinkind angriff. Einer der Männer stellte sich zwischen den Angreifer und die Geschädigten, die vom Täter angespuckt, beleidigt und bedroht wurden. Zwei weitere Männer brachten den Täter zu Boden und fixierten ihn, nachdem er auf die Frauen zulaufen wollte. Bis zur Übergabe des Täters an die Sicherheitskräfte halfen noch zwei weitere Männer ihn festzuhalten.
  • Ein 33-Jähriger, der im Oktober 2018 in der S-Bahn eine verbale Auseinandersetzung zwischen drei unbekannten Tätern und mehreren Fahrgästen schlichten wollte, wurde durch einen Faustschlag verletzt. Eine 34-Jährige zog ihn daraufhin von den Tätern weg und forderte andere Fahrgäste auf, sich dazwischen zu stellen. Eine weitere Frau konnte den Angriff auf ihrem Handy dokumentieren und die Aufnahmen der Bundespolizei als Beweismittel zur Verfügung stellen.
  • Ein 68-Jähriger ging im November 2018 zum Schein auf die Forderungen zweier falscher Polizeibeamter ein, verständigte aber zwischendurch die echte Polizei, welche die Täter kurz darauf festnehmen konnte.
  • Ein 54-Jähriger beobachtete im Januar 2019 einen Diebstahl am Bahnhof und sprach die beiden Täter sofort an. Einer konnte zunächst fliehen, den anderen konnte der Zeuge zusammen mit zwei Zugbegleitern festhalten. 

Ein 51-Jähriger bemerkte im Dezember 2017 einen abgestellten Kleinbus, in dem sich ein Mann und ein junges Mädchen befanden. Gemeinsam mit einem Bekannten ging er zum Fahrzeug, wo sie einen 71-Jährigen beim Missbrauch an einer 10-Jährigen überraschten. Der Täter wurde zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt.

Ein 36-Jähriger und ein 49-Jähriger wurden im September 2018 Zeugen, wie ein Mann eine Frau ohrfeigte und beleidigte. Zudem zeigte er den Hitlergruß und rief rechtsextreme Parolen. Der 49-Jährige forderte den Täter auf, sofort aufzuhören und wurde daraufhin von diesem beleidigt und geschlagen. Die beiden Zeugen brachten den Täter gemeinsam zu Boden und hielten ihn fest, bis die Polizei kam.

Ein 41-Jähriger beobachtete im März 2019 einen Mann, der Steine von einer Brücke auf die B 27 warf und verständigte umgehend die Polizei. Um den Täter nicht aus dem Blick zu verlieren folgte er diesem und gab dessen Beschreibung sowie wiederholt dessen aktuelle Position weiter.