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München, 24. November 2004

Pressemitteilung Nr. 481/04

Beckstein stellt Ergebnisse der TRUST-Studie im Landtag vor:
"Versorgungslücken schließen – Einsparpotentiale nutzen – Hilfsfrist optimieren"

"Mit Abschluss der Trend- und Strukturanalyse des Rettungsdienstes in Bayern (sog. TRUST- Studie) stehen allen 26 bayerischen Rettungszweckverbänden für ihren Zuständigkeitsbereich erstmalig alle notwendigen Informationen zu den rettungsdienstlichen Standorten, deren Ausstattung mit Rettungsmitteln und deren Betriebszeiten vollständig zur Verfügung," betonte Innenminister Dr. Günther Beckstein im Ausschuss Kommunale Fragen und Innere Sicherheit des Bayerischen Landtags am 24.11.2004. Die TRUST- Studie konnte erhebliche Verbesserungsnotwendigkeiten in der rettungsdienstlichen Versorgung der Bevölkerung aufzeigen. In großer Zahl dienten und dienen die Empfehlungen der Schließung von Versorgungslücken, die durch die Anzahl gleichzeitiger Rettungsdiensteinsätze oder durch zu lange Anfahrtswege bedingt sind. Die TRUST- Studie steigert aber nicht nur die Effizienz im bayerischen Rettungsdienst. Gleichzeitig konnten sowohl im Bereich der Notfallrettung als auch des Krankentransports erhebliche Einsparpotentiale genutzt werden. Flächendeckend ermittelte die TRUST- Studie für alle Städte und Gemeinden sowohl die Einhaltung der 12-Minuten-Hilfsfrist als auch die Einhaltung der 15-Minuten-Hilfsfrist, die ausnahmsweise in dünn besiedelten Gebieten mit schwachem Verkehr in Kauf genommen werden kann. In allen Bereichen, die eine mangelnde Hilfsfristeinhaltung aufwiesen, sprach das TRUST- Gutachten Empfehlungen zur Verbesserung der Hilfsfristeinhaltung aus. Von den 26 bayerischen Rettungszweckverbänden haben 18 die Umsetzung der Handlungsempfehlungen der TRUST- Gutachten in vollem Umfang beschlossen, 6 Zweckverbände haben noch nicht entschieden, für 2 weitere Rettungsdienstbereiche wird das Gutachten derzeit gedruckt und in Kürze ausgeliefert.
Die Trust-Studie wurde im Dezember 1998 vom Innenministerium gemeinsam mit den 8 in Bayern tätigen Sozialversicherungsträgern beim Klinikum der Universität München in Auftrag gegeben. Ausgeführt wurde der Auftrag von dessen interdisziplinären TQM-Zentrum Notfallmedizin und Medizinmanagement, das im Jahr 2002 in das Institut für Notfallmedizin und Medizinmanagement (INM) überging. Gemeinsames Anliegen der Auftraggeber war es laut Beckstein, die erheblichen Kostensteigerungen der vergangenen Jahre im bayerischen Rettungsdienst zu begrenzen und das im Bayerischen Rettungsdienstgesetz verankerte Gebot der Wirtschaftlichkeit stärker in den Vordergrund zu rücken, ohne den Auftrag zur flächendeckenden Sicherstellung des Rettungsdienstes zu beeinträchtigen. Ziel der Studie ist die Optimierung der rettungsdienstlichen Versorgung sowie die Herausarbeitung von Möglichkeiten zur Effizienzsteigerung angesichts der im Gesundheitswesen bestehenden finanziellen Probleme.

Im Bereich der rettungsdienstlichen Vorhaltung sahen die Empfehlungen der TRUST- Studie bezüglich der 317 bayerischen Rettungsdienststandorte bei 42 Standorten eine Ausweitung der Vorhaltung von Rettungstransportwagen (RTW) vor. Darüber hinaus empfahl sie die Neu-Errichtung von 10 zusätzlichen Rettungsdienststandorten. 9 der 10 zusätzlichen Standorte liegen im ländlichen Raum. „Gerade dort stellte sich die Schaffung zusätzlicher Standorte als notwendig heraus, um im Hinblick auf die teilweise langen Fahrtstrecken die Einhaltung der Hilfsfrist sicherstellen zu können“, so Beckstein. Bei 50 Standorten empfahl die Studie eine Reduzierung der RTW- Vorhaltung oder eine Verlagerung des bestehenden Standortes in eine andere Gemeinde, für 4 Standorte die Auflösung. In diesen Fällen lag die rettungsdienstliche Vorhaltung über dem notwendigen Bedarf. Die dort versorgten Notfälle konnten innerhalb der Hilfsfrist auch von anderen in der Nähe zur Verfügung stehenden Rettungsmitteln versorgt werden.

Die TRUST- Studie empfahl Ausweitungen der Vorhaltung in der Notfallrettung in Höhe von insgesamt ca. 181.000 Stunden jährlich. Dem stehen empfohlene Reduzierungen an anderen Standorten in Höhe von ca. 219.000 Vorhaltestunden jährlich gegenüber. Während sich die Ausweitungen ungefähr gleichmäßig auf den ländlichen und städtischen Raum verteilen, beziehen sich die empfohlenen Reduzierungen stärker auf die Vorhaltung im städtischen Raum. Im Saldo empfiehlt die TRUST- Studie gegenüber der vorherigen RTW- Vorhaltung eine Reduzierung von jährlich ca. 37.000 Stunden. Hiervon fallen 4.700 auf den ländlichen Raum und 32.600 auf den städtischen Raum. Beckstein: "Eine der wesentlichen Leistungen der TRUST- Studie war damit die Steigerung der Effizienz im bayerischen Rettungsdienst. Im Rahmen der zur Verfügung stehenden Mittel konnten die in verschiedenen Bereichen nachgewiesenen Versorgungslücken durch Verlagerung von Ressourcen geschlossen werden." Gleichzeitig konnte die jährlich zu erbringende Personalvorhaltung in einem Umfang reduziert werden, der vier ganztägig besetzten RTW entspricht. Bezogen auf die derzeit gültigen Benutzungsentgelte entspricht diese Einsparung allein einem Betrag von 1,6 Millionen Euro pro Jahr. Eine exakte Berechnung des Einsparvolumens während der Gesamtlaufzeit der Studie ist laut Beckstein ohne erheblichen Aufwand nicht möglich, weil die Kostenauswirkungen entsprechend dem zeitlichen Ablauf der Begutachtungen und deren Umsetzung zeitlich versetzt eingetreten sind. Man kann aber trotzdem abschätzen, dass bereits die Einsparungen in der Notfallrettung das für die TRUST- Studie aufgewandte Kostenvolumen mehr als aufwiegen.

Ähnlich stellt sich die Situation, so Beckstein, im Bereich des Krankentransports dar. Auch hier erfolgte eine Effizienzsteigerung durch die bedarfsgerechte Verlagerung von Kapazitäten. Insbesondere wurde dort, wo RTW zu sehr durch Krankentransporte in Anspruch genommen wurden und daher in diesem Maße nicht für die Versorgung von echten Notfällen zur Verfügung standen, zusätzliche Krankentransportkapazitäten geschaffen, um die RTW zu entlasten. Gleichwohl konnten auch im Krankentransport erhebliche Einsparungen erreicht werden: Die Empfehlungen sehen in der Summe eine Reduzierung von ca. 66.000 Vorhaltestunden jährlich auf insgesamt nunmehr 997.000 Stunden im Jahr vor. Zusammen mit den in die öffentlich-rechtliche Vorhaltung überführten Sonderfahrdiensten liegen die Empfehlungen im Bereich des Krankentransports bei einem Einspareffekt von 141.000 Jahresstunden. Bezogen auf die Benutzungsentgelte 2004 entspricht dies einem Einsparvolumen von 5,5 Millionen Euro pro Jahr.

In den Fällen, in denen die Empfehlungen aus der TRUST- Studie durch die zuständigen Rettungszweckverbände umgesetzt wurden und die weitere Einsatzdatendokumentation bereits ausgewertet werden konnte, hat sich eine teilweise deutliche Verbesserung in der Versorgungsqualität nachweisen lassen. Umgekehrt sind wesentliche Verschlechterungen hinsichtlich der Versorgungssicherheit aufgrund der Umsetzung von empfohlenen Vorhaltereduzierungen bisher in keinem einzigen Fall erkennbar gewesen. Dies zeigt, dass das mit der Studie verfolgte Ziel, eine Verbesserung und Optimierung der rettungsdienstlichen Versorgung bei gleichzeitiger Beachtung des Gebots der Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit durch die Ausschöpfung von Wirtschaftlichkeitsreserven, erreicht werden konnte.

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