


Pressemitteilung Nr. 105/06
1. Zu einigen besonders exponierten Unfallbereichen sowie zu Unfallursachen und Risikogruppen führte Beckstein im Einzelnen folgendes aus:
- Für das gesamte Jahr 2005 wurden in Bayern 6.890 Verkehrsunfälle unter Alkoholeinfluss registriert. Davon waren 3.172 Unfälle mit Personenschaden, bei denen insgesamt rund 4.140 Personen verletzt und 128 getötet wurden. Im Vergleich zum Jahr 2004 zeichnet sich laut Beckstein aber als erfreuliche Tendenz ab, dass die Zahl der Verkehrsunfälle unter Alkoholeinfluss mit Personenschaden um über 7 % gesunken ist. Die Zahl der Verletzten konnte um 7,5 %, die Zahl der Getöteten sogar um 16,3 % gesenkt werden.
- Die Anzahl der Schulwegunfälle ist seit Jahren rückläufig. Noch 1972 ereigneten sich 1.131 Schulwegunfälle mit Personenschaden. Dabei wurden 1.165 Schulkinder verletzt und 35 getötet. 2005 gab es hingegen noch 697 Schulwegunfälle mit 804 verletzten Schulkindern und 4 getöteten Schulkindern. Dies sind zwar lediglich 0,3 % weniger Schulwegunfälle als 2004. Jedoch wurden dabei erfreulicherweise 4,4 % weniger Kinder verletzt.
- Die Statistik zeigt, dass sich fast 80 % der tödlichen Verkehrsunfälle außerhalb von geschlossenen Ortschaften ereignen. Jeder zweite tödliche Verkehrsunfall ereignet sich auf Bundes- oder Staatsstraßen. Gleichzeitig zeigt sich, dass Autobahnen die sichersten Straßen sind. Auf ihnen ereignet sich „nur“ etwa jeder siebte tödliche Verkehrsunfall, obwohl dort annähernd 50 % des Verkehrs abgewickelt werden. Etwa 50 % der Verkehrstoten, die außerorts auf den Bundes- und Staatsstraßen zu beklagen waren, verteilen sich auf nur etwa 10 % des Straßennetzes, die so genannten Unfallhäufungsstellen, was etwa 1.700 Kilometern entspricht.
- Zu fast 100 % trägt persönliches Fehlverhalten zu Unfällen bei. "Schon deshalb appelliere ich verstärkt an die Verantwortung jedes Einzelnen. Besonders unfallträchtige Fehlverhaltensweisen sind dabei etwa die Missachtung der Vorfahrt oder des Rechtsfahrgebots bzw. zu dichtes Auffahren," so der Minister.
- Weitere Hauptunfallursachen im vergangenen Jahr waren zu hohe Geschwindigkeit und Alkoholeinfluss: Fast 22 % der Verkehrstoten kamen bei Unfällen mit überhöhter Geschwindigkeit ums Leben. Knapp 15 % verloren bei Alkoholunfällen ihr Leben.
- Rund 26 % der getöteten Kfz-Insassen haben keinen Sicherheitsgurt getragen oder die Verwendung des Gurtes blieb zumindest ungeklärt.
- Auch bei der Analyse der Unfallzeiten lassen sich temporäre Auffälligkeiten erkennen: Etwa 45 % aller Verkehrstoten kamen zwischen 13.00 und 20.00 Uhr, also innerhalb von ca. 7 Stunden des Tages, ums Leben. Überdurchschnittlich viele Verkehrstote und –verletzte waren an Freitagen und Samstagen zu beklagen.
- Bei der Analyse der Gruppe der tödlich verletzten Unfallopfer sind ebenfalls Auffälligkeiten zu erkennen:
- Über ein Viertel der im Straßenverkehr getöteten Personen waren zwischen 18
und 25 Jahren alt. Dies ist vor allem vor dem Hintergrund eines Bevölkerungsan
teils von nur 8 % erschreckend. Hierbei wurden fast 60 % der Unfälle mit Perso
nenschaden von jungen Fahranfängern verursacht oder mitverursacht.
- Über 12 % der Verkehrstoten kommen bei Verkehrsunfällen ums Leben, bei de
nen Fahrzeuge des Schwerverkehrs Verursacher oder Mitverursacher wa
ren. Es zeigt sich eindeutig, dass wir bei der Verkehrssicherheitsarbeit auch dort
verstärkt ansetzen müssen. Insbesondere werden wir ein Augenmerk auf die
Kontrolle von Sozialvorschriften und technischen Mängeln legen.
2. Beckstein wies auf die folgenden wichtigsten Eckpunkte des Konzeptes der Aktion Verkehrssicherheit Bayern 2006 hin:
- Verkehrsüberwachung: "Das Ergebnis unserer Analysen belegt klar, dass es örtliche und zeitliche Schwerpunkte des Unfallgeschehens gibt. Hierauf reagieren wir im verstärkten Maße durch polizeiliche Präsenz "zur rechten Zeit am rechten Ort". Die Polizei wird noch selektiver und verstärkt zu unfallspezifischen Zeiten an unfallrelevanten Orten tätig sein," so der Minister. Angestrebt ist, künftig verstärkt auf Handlasermessgeräte zurückzugreifen, die nicht nur bei den Verkehrspolizeiinspektionen, sondern auch bei den Polizeiinspektionen zum Einsatz kommen.
- Anlegen des Sicherheitsgurts und Kindersicherung: Allein die Tatsache, dass rund 26 % der tödlich verletzten Unfallopfer nicht angegurtet waren oder die Verwendung des Gurtes zumindest ungeklärt blieb, beweist laut Beckstein, dass diesem Problem erneut verstärkte Aufmerksamkeit gewidmet werden muss. Ein besonderes Anliegen sind Beckstein die Sicherungsmaßnahmen für Kinder. In diesem Zusammenhang begrüßt der Minister die deutliche Erhöhung des Bußgeldes bei fehlender Sicherung von Kindern auf derzeit 40 Euro plus einen Punkt in Flensburg und die zielgerichtete und konsequente Überwachung der Sicherungspflichten gerade auch außerorts.
- Drogen – Problem im Dunkelfeld: Einen weiteren Schwerpunkt bei der Verkehrssicherheitsaktion Bayern 2006 bilden auch die Maßnahmen zur Bekämpfung des Fahrens unter Drogeneinwirkung. Die Zahl der polizeilich festgestellten Drogenfahrten stieg bayernweit von 383 im Jahr 1998 auf 10.256 im Jahr 2005 an. Zur Aufhellung des nach wie vor hohen Dunkelfeldes wird die Polizei laut Beckstein im Rahmen von Verkehrskontrollen auch weiterhin die Verkehrstüchtigkeit im Hinblick auf den Konsum illegaler Drogen intensiv überwachen.
- Junge Fahranfänger: Die überproportionale Beteiligung junger Fahranfänger am Unfallgeschehen ist für Beckstein Anlass, auch in Zukunft dieser Zielgruppe besondere Aufmerksamkeit zu schenken:
- Das eigeninitiative und zielgruppenorientierte Konzept EVA ("Ernstnehmende Verkehrssicherheitsarbeit"), das einen kommunikativen Ansatz verfolgt und riskanten Verhaltensweisen entgegen wirken soll, wurde bayernweit umgesetzt.
- Bayern forcierte hier unter anderem die Einführung der zweiten Stufe der Fahrausbildung. Ziel ist, das Gefahrenbewusstsein zu schärfen und auf problematische, jugendspezifische Einstellungen zum Straßenverkehr wie z.B. Imponiergehabe einzuwirken.
- Das begleitete Fahren mit 17, das insbesondere aus Schweden, Norwegen, Finnland und Österreich Erfolge gezeigt hat, hat laut Beckstein eine eindeutig positive Wirkung auch auf die Verkehrssicherheit in Deutschland. Bayern setzte sich für die Umsetzung eines Versuchs ein, der am 1. September 2005 anlief. Rund 9000 Interessenten meldeten sich bislang für die Fahrprüfung im Rahmen des Programms an, wobei mehr als 7000 Jugendlichen der Führerschein bereits übergeben werden konnte. Die Durchfallquote von 22 % liegt dabei deutlich unter der von Führerscheinerwerbern mit 18 Jahren, die sich bei etwa 28 % eingependelt hat. "Ich sehe hier für junge Erwachsene die Chance, am Anfang der Fahrkarriere unter vergleichsweise sicheren Bedingungen praktische Erfahrungen zu gewinnen," so Beckstein.
- Ladungssicherung/ Sicherheitsabstand: Auf Initiative Bayerns wurde die Straßenverkehrs-Ordnung auch mit Blick auf Ladungssicherung und Sicherheitsabstand novelliert. Mitte dieses Jahres können damit gerade Verstöße durch Fahrer von Fahrzeugen des Schwerverkehrs und des Personenbeförderungsverkehrs schärfer geahndet werden. Beckstein: "Wir dürfen nicht vergessen, dass hier das Gefahrenpotential für andere Verkehrsteilnehmer außerordentlich hoch ist.
3. Beckstein betonte, dass das Innenministerium im Rahmen der Aktion Verkehrssicherheit Bayern 2006 bereits in den vergangen Jahren im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit neue und erfolgreiche Wege beschritten hat. Er erinnerte an den am 15. September 2005 der Öffentlichkeit präsentierten "Engelchen-Kino-Spot", der das erfolgreiche Ergebnis einer erstmaligen Zusammenarbeit mit der Hochschule für Fernsehen und Film im München war. Aktuell haben Studentinnen und Studenten der drei bayerischen Fachhochschulen Würzburg, Schweinfurt, Nürnberg und München, Fachbereich Gestaltung und Design im vergangenen Jahr Konzepte und Strategien für junge Verkehrsteilnehmer entwickelt. Beckstein prämierte die unter rund 30 Ideen und Konzepten als besonders herausragend ausgewählten folgenden sieben Vorschläge mit jeweils 500 Euro:
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Video Lego-Männchen |
Adelina Schröder und Marcus Kämpf |
(FH Würzburg-Schweinfurt)
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Leitplanken-Geschwindigkeitsanzeige |
Timo Eusemann |
(FH Würzburg-Schweinfurt)
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Poster sieben Särge |
Marc Kohler, Cornelia Maisel, Tanja Quisinsky, Stefanie Schießl
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(FH Nürnberg) |
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Poster Reflexzone |
Tatjana Triebelhorn |
(FH Würzburg-Schweinfurt)
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"Me not"-Köfferchen |
Stefanie de Mey |
(FH München)
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Aufkleber Schattenmann |
Tobias Bauer |
(FH Würzburg-Schweinfurt)
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Lebensgroße schwarze Standfigur |
Marlene Schlund |
(FH Würzburg-Schweinfurt) |