



"Normale Zeiten" wird es im Bevölkerungsschutz nach Meinung der Experten in den nächsten Jahren und Jahrzehnten nicht mehr geben. Verantwortlich hierfür ist der drohende Anstieg dramatischer Schadensereignisse. Wie sehen die Gefahren aus? Naturkatastrophen in Folge des Klimawandels und der damit einhergehenden Wetterextreme könnten zunehmen; die Globalisierung und die damit verbundene hohe Mobilität lassen die Wahrscheinlichkeit von Epidemien steigen; es drohen Anschläge auf unsere Sicherheit.
Um den erreichten hohen Sicherheitsstandard halten zu können, sind große Anstrengungen erforderlich. Die Bayerische Staatsregierung hat deshalb – beginnend mit dem Doppelhaushalt 2009/2010 – für die nächsten 10 Jahre ein Bayerisches Investitionsprogramm für den Katastrophenschutz mit einem Gesamtvolumen von 40 Mio. € beschlossen.
Für die Feuerwehren wird daraus schon im Doppelhaushalt 2009/2010 die Beschaffung von acht Mehrzweckbooten zur Ölwehr, drei Einsatzleitwagen für örtliche Einsatzleitungen sowie ergänzende Ölwehrausstattung und Ersatzbeschaffungen von Löschwasseraußenlastbehältern ermöglicht. Des Weiteren werden derzeit zwölf Strahlenschutzfahrzeuge europaweit ausgeschrieben, die für die Notfallstationen im Bereich der Kernkraftwerke vorgesehen sind. Ab dem nächsten Doppelhaushalt soll mit der Beschaffung von insgesamt neun Wasserförderkomponenten zur Förderung großer Wassermengen (z.B. zur Wald- oder, Industriebrandbekämpfung) begonnen werden.
Ebenfalls aus diesem Programm finanziert das Bayerischen Innenministerium nunmehr auch 30 hochmoderne Krankentransportwagen für den Katastrophenschutz, der Bund stellt darüber hinaus weitere 18 baugleiche Fahrzeuge zur Verfügung. "Wir stehen angesichts bestehender und künftiger Bedrohungsszenarien vor gewaltigen Herausforderungen. Vom bayerischen Selbstverständnis her ist Sicherheit ein eminent wichtiges Gut und hat für mich auch in Zeiten knapper Kassen oberste Priorität! ", bekräftigte Innenminister Joachim Herrmann bei der Übergabe der insgesamt 48 Fahrzeuge an die bayerischen Hilfsorganisationen am 20. März 2010 in Eichstätt.
Die für die Beschaffung der Fahrzeuge zur Verfügung gestellten Mittel von mehr 2,5 Millionen Euro bedeuten die größte Einzelinvestition im Katastrophenschutz in den letzten Jahrzehnten und ist Bestandteil der gezielten Abwehrstrategie gegenüber den aktuellen Bedrohungslagen. Die Fahrzeuge sind in die tägliche Arbeit der Schnelleinsatzgruppen und im Sanitätsdienst eingebunden. Mit an Bord sind alle medizinischen Komponenten für lebensrettende Maßnahmen; bei einem großen Schadensereignis mit einer Vielzahl von Verletzten gewährleistet diese Flotte effiziente Hilfe und den schnellstmöglichen Abtransport in umliegende Krankenhäuser. Die Hilfsorganisationen spenden allgemein großes Lob für die Fahrzeuge; sie seien wegweisend in Ausstattung, Einsatzwert und Qualität.
Im Rahmen eines Festaktes - im Beisein der Spitzen der bayerischen Hilfsorganisationen und führender Repräsentanten von Feuerwehr, THW, Bundeswehr und Polizei - wurden die Krankentransportwagen von den bayerischen Hilfsorganisationen Arbeiter-Samariter-Bund, Bayerisches Rotes Kreuz, Johanniter-Unfallhilfe und Malteser Hilfsdienst offiziell in Empfang genommen. Das bayerische Innenministerium versteht die Beschaffung der Fahrzeuge bewusst nicht nur als "gute Tat" gegenüber den bedachten Hilfsorganisationen, sondern als gezielten Ausbau der Leistungsfähigkeit und Stärkung der gesamten bayerischen Gefahrenabwehr.
Bayern verfügt in der nichtpolizeilichen Gefahrenabwehr über mehr als 470.000 Einsatzkräfte. Davon ist der überwiegende Teil, nämlich rund 440.000 Bürgerinnen und Bürger, ehrenamtlich tätig. Kein anderes Land der Bundesrepublik kann eine ähnlich hohe Ehrenamtsquote vorweisen, kein anderes Land kann diese integrative Kraft für die Gesellschaft erreichen. Das gehört zur Identität und zum Zusammengehörigkeitsgefühl in Bayern. Mitmenschliche Solidarität und ehrenamtlicher Einsatz für die Allgemeinheit müssen weiterhin einen festen Platz in unserer Gesellschaft einnehmen. Dies zu erhalten und möglichst auszubauen, ist eine unserer wichtigsten Aufgaben.