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Ludwigsplatz in Rosenheim: Städtebauliche Aufwertung des öffentlichen Raumes in Rosenheim, Ludwigsplatz © SEP Bauer & Deby, München

Ludwigsplatz in Rosenheim: Städtebauliche Aufwertung des öffentlichen Raumes in Rosenheim, Ludwigsplatz

Barrierefreiheit in Städtebau und Städtebauförderung

Unser Ziel ist es, allen Menschen die umfassende und selbstbestimmte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen - unabhängig von Alter, Art oder Umfang eines Handicaps. Dem öffentlichen Raum kommt dabei eine besonders wichtige Aufgabe zu. Deshalb unterstützen wir die bayerischen Städte und Gemeinden, wenn sie ihre Straßen, Plätze und Gebäude für alle Menschen zugänglich und nutzbar machen.

Aufgrund der demografischen Veränderungen unserer Gesellschaft gewinnt das Thema Barrierefreiheit zusätzliche Bedeutung. Insbesondere ältere Menschen sind auf geeignete Rahmenbedingungen angewiesen, um möglichst lange selbständig leben und ihre alltäglichen Bedürfnisse erfüllen zu können.

Zur Planung von barrierefreien Wegen, Straßen und Plätzen sowie von öffentlichen Verkehrs- und Grünanlagen wurde im Dezember 2014 eine neue Norm zur Barrierefreiheit im öffentlichen Verkehrs- und Freiraum veröffentlicht. Sie stellt den dritten und letzten Teil der neuen DIN-Reihe 18040 'Barrierefreies Bauen – Planungsgrundlagen' dar. Neben Regelungen zur barrierefreien Gestaltung des Straßenraums, beinhaltet sie auch Anforderungen an Grün- und Naturraum sowie den Öffentlichen Personennahverkehr.

Zu den wesentlichen Neuerungen der DIN 18040 Teil 3 gegenüber der Vorgängernorm zählt die Einführung des bereits in den beiden ersten Teilen der DIN-Familie umgesetzten sogenannten Zwei-Sinne-Prinzips als grundlegendes, stets zu beachtendes Planungsprinzip. Alle Informationen sind so zu übermitteln, dass immer mindestens zwei der drei Sinne 'Sehen', 'Hören' und 'Fühlen' (Tasten)  angesprochen werden. Daneben werden die zu betrachtenden Sinne um den Bereich der 'kognitiven Beeinträchtigungen' erweitert. Dies ist von besonderer Bedeutung im Hinblick auf die älter werdende Gesellschaft mit einer steigenden Zahl an demenzkranken Menschen.

Hilfreich ist die weitere Neuerung in Form des sogenannten Performance-Konzepts: Statt einer feststehenden Regelung ist an vielen Stellen der DIN ein Schutzziel formuliert. Eine beigeordnete Beispiellösung veranschaulicht eine mögliche Umsetzung, die dem Ziel gerecht wird. Dies ermöglicht auf den Einzelfall angepasste Lösungen, welche die Anforderungen von Menschen mit Behinderungen umfassend berücksichtigen und gleichzeitig den spezifischen Problemen des jeweiligen Ortes gerecht werden.

Die Umsetzung der Barrierefreiheit im öffentlichen Raum ist insbesondere für die Städte und Gemeinden eine große Herausforderung. Das Bayerische Staatsministerium des Innern, für Bau und Verkehr hat deshalb im Jahr 2014 das Modellvorhaben 'Die barrierefreie Gemeinde' auf den Weg gebracht. Sechzehn Städte und Gemeinden wurden mit Mitteln des Freistaates für modellhafte städtebauliche Planungen und Forschungen gefördert und fachlich unterstützt. Weitere Informationen zu den Planungszuschüssen des Freistaates für modellhafte städtebauliche Planungen und Forschungen finden Sie hier.

Die sechzehn am Modellvorhaben 'Die barrierefreie Gemeinde' teilnehmenden Städte und Gemeinden haben bis Anfang 2015 sogenannte gemeindliche Aktionspläne erarbeitet. Diese stellen den roten Faden während der späteren Schaffung von Barrierefreiheit in den Gemeinden dar. Dabei handelt es sich um städtebauliche Konzepte, die den örtlichen Handlungsbedarf abbilden. Sie umfassen keine Detailplanungen von Einzelmaßnahmen. Sie stellen jedoch sicher, dass im Rahmen einer sukzessiven Umsetzung alle späteren Einzelprojekte sinnvoll ineinandergreifen und ein möglichst durchgängiger Abbau von Barrieren im öffentlichen Raum geschaffen werden kann. Isoliert liegende, punktförmige Ideallösungen sind für Betroffene oftmals keine Hilfe, da sie nur selten erreicht werden können. Barrieren sollten zudem vorrangig in Bereichen abgebaut werden, wo hohe Frequenzen vorliegen oder Wahlmöglichkeiten zur Nutzung anderer Angebote fehlen.

Erfolg und Akzeptanz eines Projekts zur Verbesserung der Barrierefreiheit hängen wesentlich von einem gelungenen Dialog ab. Häufig treffen unterschiedliche Sichtweisen und Interessen aufeinander. Aus diesem Grund lag von Anfang an besonderes Augenmerk auf der Information und Beteiligung der Betroffenen, der Verbände, aller Bürgerinnen und Bürger einer Gemeinde sowie sonstiger bedeutsamer Akteure, wie zum Beispiel Einzelhandel, Gastronomie oder ÖPNV. Lösungsansätze müssen von Anfang an konstruktiv gemeinsam entwickelt werden. Nur so lassen sich alle Belange möglichst weitgehend berücksichtigen.

Die Ergebnisse und Erkenntnisse des Modellvorhabens 'Die barrierefreie Gemeinde' wurden in einem Leitfaden und einem Werkbericht für allen bayerischen Städte und Gemeinden zusammengefasst.

Cover des Leitfadens 'Die barrierefreie Gemeinde' © Bayerisches Staatsministerium des Innern, für Bau und Verkehr

Der Leitfaden gibt den Städten und Gemeinden eine Hilfestellung, systematisch örtliche Barrieren abzubauen. Er gibt Hinweise zur fachlichen Erarbeitung und stellt übertragbare Ansätze für häufige Fragestellungen zur Verfügung. In praktischen Übersichten sind mögliche Beteiligungsformen in den verschiedenen Phasen des Planungsprozesses und der Umsetzung sowie eine beispielhafte Liste der  zu beteiligenden örtlichen Akteure zusammengestellt. Alle Aktionspläne der Modellgemeinden werden im Werkbericht dokumentiert. Dieser stellt die wesentlichen Aspekte der sechzehn Arbeiten, die individuellen Schwerpunktsetzungen und Besonderheiten vor. Er soll Gemeinden und Planern bei ähnlichen Problemstellungen als Beispiel und Impulsgeber dienen. Der Leitfaden kann über das Broschüren-Bestellportal der Bayerischen Staatsregierung kostenlos bezogen werden. Zudem stehen barrierefreie PDF-Dateien zum Download bereit.

Cover des Werkberichts 'Die barrierefreie Gemeinde' © Bayerisches Staatsministerium des Innern, für Bau und Verkehr

Der Werkbericht zum Modellvorhaben 'Die barrierefreie Gemeinde' wurde am 8. Oktober 2015 in Starnberg veröffentlicht. Er dokumentiert die Aktionspläne der Modellgemeinden mit ihren jeweiligen Schwerpunkten und Besonderheiten. Der Werkbericht zeigt exemplarisch Maßnahmen und kreative Lösungsansätze, die auf Gemeinden mit ähnlichen Fragestellungen übertragbar sind oder als Impulsgeber dienen können. Der Werkbericht zum Modellvorhaben 'Die barrierefreie Gemeinde' kann über das Broschüren-Bestellportal der Bayerischen Staatsregierung kostenlos bezogen werden. Zudem stehen barrierefreie PDF-Dateien zum Download bereit.

Cover der Ausstellung 'Die barrierefreie Gemeinde' © Bayerisches Staatsministerium des Innern, für Bau und Verkehr

In der Ausstellung 'Die barrierefreie Gemeinde' der Obersten Baubehörde werden die Erkenntnisse des Modellvorhabens zusammengefasst. Die wesentlichen Inhalte des Leitfadens und des Werkberichts werden allgemeinverständlich und übersichtlich dargestellt. Um das Thema 'Barrierefreiheit im öffentlichen Raum' allgemein bewusst zu machen, ist ein hoher Grad an aktiver Öffentlichkeitsbeteiligung und Bürgerinformation notwendig. Aus diesem Grund kann die Ausstellung für Veranstaltungen oder zur Unterstützung im Rahmen der örtlichen Öffentlichkeitsarbeit kostenfrei ausgeliehen werden. Die Ausstellung ist als Modulsystem angelegt und besteht aus 18 Bannern zum Aktionsplan 'Die barrierefreie Gemeinde', 33 Bannern zum Modellvorhaben sowie 3 einleitenden Informationsbannern. Dargestellt ist das schrittweise Vorgehen bei der Erarbeitung eines gemeindlichen Aktionsplans beziehungsweise auf je zwei Bannern ein Modellprojekt. Bedarfsweise können die Themen- und Projektbanner individuell zusammengestellt und ausgeliehen werden. Bei der Zusammenstellung des Ausstellungspaketes beraten wir Sie gern.

Informationen zu den einzelnen Themen- und Projektbannern finden Sie in der Titelliste. Die Ausstellungsbanner (Breite circa ein Meter, Höhe circa zwei Meter, Roll Up System) können mit einem PKW transportiert und von einer Person schnell und unkompliziert aufgebaut werden. Nähere Informationen zum Ausstellungssystem, zu den Raumanforderungen, Transport- und Ausleihbedingungen sind in einer Informationsbroschüre zusammengestellt. Einen ersten Eindruck von den Themen- und Projektbannern können Sie sich in unserer Bildergalerie unten auf dieser Seite verschaffen. Die Ausstellung kann für eine Dauer von maximal vier Wochen aus­geliehen werden. Der nächstmögliche Termin für eine Bestellung ist dem Ausstellungskalender zu entnehmen.

Gerade in historischen Stadtbereichen oder bei alter Bausubstanz stellt Barrierefreiheit eine besondere Herausforderung dar. Die Städtebauförderung wird die bayerischen Kommunen bei dieser wichtigen Zukunftsaufgabe weiterhin unterstützen. Für alle Fördergemeinden gilt, dass bauliche Maßnahmen zur Beseitigung von Barrieren grundsätzlich im Rahmen der verfügbaren Haushaltsmittel mit Mitteln der Städtebauförderung unterstützt werden können - vorausgesetzt, die Maßnahmen liegen in einem städtebaulichen Erneuerungsgebiet und dienen den städtebaulichen Erneuerungszielen. Weitere Informationen sowie fachlich kompetente Ansprechpartner mit langjähriger Erfahrung und Kenntnis der Situation vor Ort erhalten Städte und Gemeinden an den sieben Bezirksregierungen (Sachgebiet 34 – Städtebau). Aufgrund der Bündelungsfunktion als staatliche Mittelbehörden können die Regierungen umfassend und ressortübergreifend zu den verschiedenen Fördermöglichkeiten beraten.