Berufliche Perspektiven für ausländische Studenten und Absolventen deutscher Hochschulen
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Fachkräftezuwanderung

Der demografische Wandel wird dazu führen, dass in Deutschland künftig weniger Fachkräfte zur Verfügung stehen. Die Unternehmen am Wirtschaftsstandort Bayern sind jedoch auf Fachkräfte angewiesen. Nur dann können sie im internationalen Wettbewerb bestehen. Deshalb kommt es zunehmend darauf an, insbesondere ältere Arbeitnehmer, Teilzeitbeschäftigte und Arbeitslose in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Dies gilt auch für Ausländer, die bei uns bereits mit Aufenthaltstitel leben. Darüber hinaus kann auch die Zuwanderung von Fachkräften dem drohenden Fachkräftemangel entgegen wirken.

EU-Bürger

Für die Zuwanderung von Fachkräften steht der EU-Binnenmarkt offen. EU-Bürger benötigen für die Einreise nach Deutschland kein Visum. Sie können in Deutschland jederzeit eine Arbeit aufnehmen. Sie benötigen auch keine Aufenthalts- oder Arbeitserlaubnis. Das gleiche gilt für Staatsangehörige Norwegens, Islands, Liechtensteins und der Schweiz.

Andere Ausländer

Daneben wurde auch die Zuwanderung von qualifizierten Arbeitskräften von Nicht-EU-Bürgern in den vergangenen Jahren mehrfach erleichtert.

Drittstaatsangehörige Ausländer benötigen zur Arbeitsaufnahme in Deutschland in der Regel einen Aufenthaltstitel, der ausdrücklich auch die Ausübung einer Erwerbstätigkeit erlaubt. Hierfür ist oftmals die Zustimmung der Bundesagentur für Arbeit erforderlich. Sie wird abhängig von der konkreten Tätigkeit nach einer Arbeitsmarktprüfung erteilt. Dazu prüft die Bundesagentur, ob auf dem deutschen Arbeitsmarkt bereits andere Arbeitnehmer zur Verfügung stehen (Vorrangprüfung) und ob die Arbeitsbedingungen den in Deutschland üblichen entsprechen (Vergleichbarkeitsprüfung). Grundsätzlich gilt: Je weniger qualifiziert die Tätigkeit ist, desto geringer sind die Möglichkeiten, eine Aufenthaltserlaubnis zur Beschäftigung zu erhalten.

Hochqualifizierte, Wissenschaftler und Forscher haben in der Regel keine Schwierigkeiten, einen Aufenthaltstitel zur Beschäftigung zu erhalten. Für sie gelten einige Sonderregelungen:

  • Bestimmten Hochqualifizierten kann unmittelbar eine Niederlassungserlaubnis (unbefristeter Aufenthaltstitel) erteilt werden.
  • Wer sein Studium in Deutschland abgeschlossen hat, kann bereits nach zwei Jahren eine Niederlassungserlaubnis erhalten, wenn er eine dem Studienabschluss angemessene Beschäftigung innehat.
  • Forschern kann eine Aufenthaltserlaubnis zum Zweck der Forschung an einer Forschungseinrichtung erteilt werden; die Forschungseinrichtung muss dafür vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge zugelassen worden sein.

Aber auch qualifizierte Fachkräfte in Ausbildungsberufen können ohne Weiteres eine Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis in Deutschland erhalten, wenn in der entsprechenden Branche ein Mangel von der Bundesagentur für Arbeit festgestellt wurde (siehe sog. Positivliste - umfasst über 50 Berufe, insbesondere in Gesundheits- und Pflegeberufen sowie Mechatronik- und Elektroberufen) oder eine Vermittlungsabsprache der Bundesagentur für Arbeit mit einem Herkunftsstaat getroffen wurde. Neben einem Arbeitsvertrag ist lediglich erforderlich, dass die Gleichwertigkeit mit einer inländischen qualifizierten Ausbildung festgestellt wird und das Gehalt dem von Deutschen entspricht. Eine Vorrangprüfung erfolgt nicht. 

Darüber hinaus bestehen weitere Möglichkeiten zur Zuwanderung von Fachkräften.

Für Beschäftigte aus bestimmten Staaten (Andorra, Australien, Israel, Japan, Kanada, Republik Korea, Monaco, Neuseeland, San Marino, USA) kann die Bundesagentur für Arbeit im Übrigen die Zustimmung zur Ausübung jeder Beschäftigung erteilen. Dies gilt, wenn der Antrag auf Aufenthaltstitel bei der jeweils zuständigen Auslandsvertretung im Heimatland gestellt wurde, in den Jahren 2016 bis einschließlich 2020 unter bestimmten Voraussetzungen auch für Staatsangehörige von Albanien, Bosnien und Herzegowina, Kosovo, Mazedonien, Montenegro und Serbien.

Blaue Karte EU

Als Hauptinstrument für die Zuwanderung hochqualifizierter Fachkräfte ermöglicht zudem die Blaue Karte EU den Zuzug für Menschen aus Drittstaaten, die ihre Fähigkeiten in Deutschland einbringen wollen. Diese kann ein Ausländer erhalten, wenn er

  • einen deutschen Hochschulabschluss,
  • einen ausländischen anerkannten Hochschulabschluss, oder
  • einen ausländischen, mit einem deutschen Hochschulabschluss vergleichbaren, Hochschulabschluss

besitzt. Außerdem muss er ein bestimmtes Mindesteinkommen erhalten. Die aktuell gültigen Gehaltsgrenzen finden Sie hier. Liegen die Voraussetzungen für die Blaue Karte EU nicht vor, kann nach den allgemeinen Vorschriften eine Aufenthaltserlaubnis zur Beschäftigung erteilt werden.

Abhängig von der Dauer des Arbeitsvertrags wird die Blaue Karte EU zunächst auf höchstens vier Jahre befristet. Bereits nach 33 Monaten, bei ausreichenden deutschen Sprachkenntnissen bereits nach 21 Monaten, ist es möglich, eine Niederlassungserlaubnis zu beantragen.
 

Vor der Einreise

Ein Ausländer aus einem Nicht-EU-Mitgliedsstaat, der in Deutschland arbeiten möchte, benötigt für die Einreise in der Regel ein Visum, das bei der deutschen Auslandsvertretung (Botschaft, Generalkonsulat)  im Heimatland beantragt werden kann.

Bei Beantragung des Visums sollte bereits ein konkretes Arbeitsplatzangebot vorliegen. Für Hochschulabsolventen gilt eine Ausnahme: Sie können auch ein Visum zur Arbeitsplatzsuche für bis zu sechs Monate erhalten.

Kein Visum benötigen zum Beispiel Staatsangehörige der folgenden Länder:

  • Australien
  • Israel
  • Japan,
  • Kanada
  • Neuseeland
  • USA

Diese können sich direkt an die für sie zuständige Ausländerbehörde wenden. 

Nach der Ankunft in Deutschland muss bei der örtlichen Ausländerbehörde ein Aufenthaltstitel, zum Beispiel eine Aufenthaltserlaubnis oder eine Blaue Karte EU, beantragt werden. Die Ausländerbehörde kümmert sich um die Zustimmung der Bundesagentur für Arbeit. Es genügt also, sich an die Ausländerbehörde zu wenden.

Weitere Informationen finden Sie auf den Internetseiten der jeweils zuständigen Auslandsvertretung der Bundesrepublik Deutschland und beim Auswärtigen Amt. Dort finden auch Sie allgemeine Hinweise zu den Visabestimmungen.

Wer bereits weiß, in welcher deutschen Stadt oder Gemeinde er leben möchte, kann sich direkt an die zuständige Ausländerbehörde wenden.

Einen ersten Anhaltspunkt, um herauszufinden, ob man problemlos zum Arbeiten nach Bayern kommen kann, bietet der Migration-Check der Bundesagentur für Arbeit.