Elektrobetriebszug 440 auf der Strecke Würzburg - Nürnberg auf der Mainbrücke in Kitzingen
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Schienenpersonennahverkehr

Der Freistaat Bayern ist seit der Regionalisierung 1996 als Aufgabenträger für die Planung, Finanzierung und Kontrolle des Schienenpersonennahverkehrs verantwortlich. Die Staatsregierung hat diese Gestaltungsmöglichkeiten genutzt: Die angebotenen Zugleistungen wurden seit Anfang der Neunziger Jahre um rund 48 Prozent ausgeweitet. Ein bedeutender Schritt nach vorn war die Einführung des landesweiten Bayern-Takts: Die Nahverkehrszüge fahren fast überall im Freistaat mindestens einmal pro Stunde. In den Knotenbahnhöfen gibt es kurze Umsteigezeiten. Diese attraktive Alternative zum Individualverkehr nutzen immer mehr Menschen in Bayern. Die Fahrgastzahlen in den Regionalzügen und der S-Bahn Nürnberg sind in einem Jahrzehnt um 70 Prozent gestiegen. Der Bayern-Takt ist zum Markenzeichen für ein attraktives Verkehrsangebot auf der Schiene geworden.

Bayerische Eisenbahngesellschaft

Die Bayerische Eisenbahngesellschaft wurde 1995 im Zuge der Regionalisierung des Schienenpersonennahverkehrs gegründet. Damals wurde die Aufgaben- und Finanzverantwortung vom Bund auf die Länder übertragen. Im Auftrag des Staatsministeriums des Innern, für Bau und Verkehr plant, finanziert und kontrolliert die Bayerische Eisenbahngesellschaft den gesamten Schienenpersonennahverkehr für Bayern.

Die Bayerische Eisenbahngesellschaft engagiert sich für ein hohes Qualitätsniveau. Sie wertet regelmäßig Qualitätsberichte von Verkehrsunternehmen aus, überprüft die Einhaltung der von ihr vorgegebenen Qualitätsstandards und achtet auf eine gleichbleibend gute Leistungsqualität.

Reaktivierung von Schienenstrecken

In verschiedenen Regionen Bayerns besteht der Wunsch, Bahnlinien für den Schienenpersonennahverkehr zu reaktivieren. Der Freistaat Bayern ist gemäß den gesetzlichen Regelungen für die Bestellung der Verkehrsleistungen zuständig, nicht jedoch für die Bereitstellung der Infrastruktur. Wenn folgende Rahmenbedingungen erfüllt sind, prüft der Freistaat, ob er ein Verkehrsunternehmen beauftragt:

  1. Eine Prognose, die vom Freistaat Bayern anerkannt wird, ergab, dass eine Nachfrage von mehr als 1.000 Reisenden pro Werktag zu erwarten ist (1.000 Reisenden-Kilometer pro Kilometer betriebener Strecke).
  2. Die Infrastruktur wird ohne Zuschuss des Freistaats in einen Zustand versetzt, die einen attraktiven Zugverkehr ermöglicht.
  3. Ein Eisenbahninfrastrukturunternehmen ist bereit, die Strecke und die Stationen dauerhaft zu betreiben und berechnet hierfür Infrastrukturkosten, die das Niveau vergleichbarer Infrastruktur der Deutschen Bahn nicht übersteigen.
  4. Die ÖPNV-Aufgabenträger müssen sich vertraglich verpflichten, ein mit dem Freistaat Bayern abgestimmtes Buskonzept im Bereich der Reaktivierungsstrecke umzusetzen.

Unter Beachtung der genannten Kriterien hat der Freistaat eine Bestellung auf den Reaktivierungsstrecken von Senden nach Weißenhorn (Betriebsaufnahme im Dezember 2013) und von Selb-Plößberg ins tschechische Aš (Betriebsaufnahme im Dezember 2015) vorgenommen.