Überführung der Kreisstraße LIF2 im Zuge der Bundesautobahn A 73 bei Lichtenfels
© Rolf Döring, Autobahndirektion Nordbayern

Brückenbau

Aufgabe der Bayerischen Straßenbauverwaltungen ist es, dafür zu sorgen, dass unser Straßennetz sicher und leistungsfähig ist. Da das Güterverkehrsaufkommen weiter stark anwachsen wird, muss unser Straßennetz auch zukunftsfähig sein. Eine Schlüsselrolle kommt den Brückenbauwerken zu, die unter dem Aspekt der Befahrbarkeit durch den Schwerverkehr die kritischen Punkte im Straßennetz darstellen. Die Bayerische Straßenbauverwaltung ist für die Planung und den Bau von neuen Brücken im Zuge von Autobahnen, Bundesstraßen und Staatsstraßen und für die Erhaltung des Bestandes von rund 14.500 Brückenbauwerken in Bayern zuständig.

Brückenerhaltung

Erste Bauwerkshauptprüfung nach DIN 1076 am Ersatzneubau der Talbrücke Bergen im Zuge der Bundesautobahn A 8
© Autobahndirektion Südbayern

Um die ständige Funktionsfähigkeit und Verkehrssicherheit der Ingenieurbauwerke zu gewährleisten, werden diese einer regelmäßigen, fachkundigen Überwachung und Prüfung unterzogen. Grundlage für die Bauwerksprüfung ist die Norm DIN 1076 "Ingenieurbauwerke im Zuge von Straßen und Wegen; Überwachung und Prüfung" (Ausgabe November 1999). Danach wird zwischen Hauptprüfungen, Einfachen Prüfungen, Prüfungen aus besonderem Anlass (Sonderprüfung), Besichtigungen und den laufenden Beobachtungen unterschieden.

Ein Großteil der Brücken in Bayern wurde in den Zeiten des wirtschaftlichen Aufschwungs in den 1960er, 1970er und 1980er Jahren gebaut. Für diese Brücken stehen jetzt altersbedingt die ersten größeren Grundinstandsetzungsmaßnahmen an. Gleichzeitig entsprechen viele dieser Bauwerke hinsichtlich der Tragfähigkeit oft nicht mehr den heutigen Anforderungen. Bei der Planung dieser Bauwerke war die Vervielfachung des Schwerverkehrs im Lauf der letzten Jahrzehnte nicht vorauszusehen. Verschärft wird das Problem zusätzlich durch die überproportionale Zunahme der Großraum- und Schwertransporte.

Brückenertüchtigung

Ersatzneubau der Haseltalbrücke im Zuge der Bundesautobahn A 3 bei Rohrbrunn. Länge 678 Meter, Höhe 70 Meter
© Autobahndirektion Nordbayern

Mit der Einführung der "Nachrechnungsrichtlinie" hat das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) die Bundesländer aufgefordert bei den in einer von der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) erstellten Liste aufgeführten Bauwerken die Tragfähigkeit nach den neusten Erkenntnissen zu überprüfen und Konzepte für die Ertüchtigung des Bauwerksbestandes zu entwickeln. Die Bayerische Straßenbauverwaltung hat ein Gesamtkonzept erarbeitet, das neben der laufenden Brückenunterhaltung und Instandsetzung auch die Ertüchtigung und soweit zweckmäßig und wirtschaftlich die Erneuerung des Brückenbestandes beinhaltet.

Regelwerke

Normen und Technische Regelwerke für die Planung, den Bau, den Betrieb sowie die Erhaltung von Ingenieurbauwerken und Brücken stellen sicher, dass die Bauten unter Beachtung der Wirtschaftlichkeit technisch und verkehrlich einwandfrei geplant, hergestellt und unterhalten werden und den gesetzlichen Anforderungen für Sicherheit und Ordnung entsprechen. Bereits mit der Einführung der DIN-Fachberichte im Jahre 2003 fanden die Eurocodes basierend auf der Vornormfassung (DIN ENV) Eingang in das Regelwerk. Mit seinem Allgemeinen Rundschreiben vom 26. November 2012 hat das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) die Eurocodes für Brücken als Technische Baustimmungen Brücken - und Ingenieurbau verbindlich eingeführt.

Bauwerksgestaltung

Das Thema "Baukultur" rückt seit einigen Jahren wieder verstärkt in das Bewusstsein der Öffentlichkeit. Ingenieurbauwerke, insbesondere Brücken, sind ein wesentlicher Bestandteil unserer Infrastruktur. Sie prägen unsere Umwelt und können das Bild unserer Städte und unserer Kulturlandschaft aufwerten und bereichern.

Ersatzneubau der Brücke im Zuge der Bundesstraße 16 über die Donau bei Günzburg
© Bernhard Weizenegger

Der Schlüssel für gut gestaltete Brücken liegt im interdisziplinären Handeln. Ingenieure, Architekten und Landschaftsplaner sind gefordert, gemeinsam Lösungen zu erarbeiten, die den Ansprüchen an die Baukultur gerecht werden. Hier hat die Bayerische Staatsbauverwaltung mit der Zusammenlegung der Hochbauämter mit den Straßenbauämtern im Rahmen der Verwaltungsreform 21 gute Voraussetzungen geschaffen, können sich doch nun die Straßenplaner oder Brückenbauer auf kurzem Wege mit den Architekten und Landschaftsplanern austauschen. Daneben wollen wir bei den Ingenieurbauwerken vermehrt Gestaltungswettbewerbe durchführen. Die neue Richtlinie für Planungswettbewerbe (RPW 2008), in der der interdisziplinäre Ansatz ein ganz besonderes Gewicht hat, ist hier das geeignete Instrument.