modern gestaltetes Tunnelportal Tunnel Aubing im Zuge der Bundesautobahn A 99
© Stefan Müller-Naumann; Autobahndirektion Südbayern

Tunnelbau

In der Vergangenheit wurden Tunnel fast ausschließlich aus topographischen Gründen (Durchfahrung von Gebirgsstöcken, Unterfahrung von Flussläufen) gebaut. Heute werden Tunnellösungen und überdeckte Tieflagen bei Straßenprojekten zunehmend aus ökologischen und gesellschaftspolitischen Gründen gefordert. Dabei stehen folgende Ziele im Vordergrund:

  • Vermeidung der Trennwirkung durch Straßen im Siedlungs- und Naturraum
  • Immissionsschutz (Lärm, Abgas)

Der "Preis" für diese Vorteile eines Tunnelbauwerkes sind:

  • vergleichsweise hohe Investitionskosten
  • großer Energieverbrauch im Betrieb für Beleuchtung und Lüftung
  • hohe sonstige Betriebs- und Unterhaltungskosten
  • lange Bauzeiten

Bei der Planung ist es deshalb erforderlich, die Vor- und Nachteile einer Tunnellösung im Vergleich zu einer offenen Trassenführung zu ermitteln und gegeneinander abzuwägen. Dabei müssen alle Aspekte einbezogen werden. Wesentliche Kriterien sind vor allem die Baukosten, aber auch die Betriebs- und die Unterhaltungskosten.

Tunnel Aubing im Zuge der Bundesautobahn A 99, zwei Röhren mit je einer Länge von 1.956 Meter und sechs Fluchtstollen, 2005 fertiggestellt. Er unterquert drei Straßen und zwei Bahnlinien und erhält die Verbindung des Stadtteils München-Aubing mit dem Naherholungsgebiet Aubinger Lohe.
© Luftbildverlag Hans Bertram

Wegen der stark variierenden Randbedingungen (geologische Verhältnisse, Grundwasser und so weiter) und der oftmals eingeschränkten Möglichkeiten der Vorerkundung (zum Beispiel in Naturschutzgebieten oder in bebautem Gebiet) ist die Bandbreite bei den Rohbaukosten sehr groß. Außerdem bestehen höhere Risiken, von den Kostenschätzungen abzuweichen.

Im Zuständigkeitsbereich der Bayerischen Straßenbauverwaltung sind derzeit (Stand März 2015) 61 Straßentunnel mit einer Gesamtlänge von etwa 40 Kilometer in Betrieb. Nicht berücksichtigt sind hierbei die Tunnel der Gemeinden und Städte, die von diesen selbst verwaltet werden (zum Beispiel die Tunnel der Landeshauptstadt München).

Zu den größeren bayerischen Straßentunneln zählen der "Grenztunnel Füssen" mit einer Röhrenlänge von etwa 1,3 Kilometern (A 7) und der "Tunnel Allach" mit einer Länge von rund 1,0 Kilometer (A 99). Im ersten Fall handelt es sich um einen Gebirgstunnel, der bergmännisch in Spritzbetonbauweise aufgefahren wurde, im zweiten Fall um einen mit geringer Überdeckung im Gelände liegenden Tunnel, der in offener Bauweise hergestellt wurde. Der Tunnel Allach liegt auf ganzer Länge im Grundwasser der Münchner Schotterebene.

Tunnelsicherheit

Tunnel sind besonders kritische Straßenabschnitte, die hohe Anforderungen an die Verkehrs- und Betriebssicherheit erfüllen müssen. Die Sicherheitsanforderungen an Tunnel wurden nicht zuletzt infolge einiger schwerer Tunnelunfälle - Mont-Blanc-Tunnel (1999), Tauerntunnel (1999), Gotthard-Tunnel (2001) - in den letzten Jahren stetig erhöht und sind in den "Richtlinien für die Ausstattung von Straßentunneln" (RABT) geregelt.

Blick in den Tunnel Aubing im Zuge der Bundesautobahn A 99 mit umfangreicher betriebstechnischer Ausstattung (Verkehrszeichen, Beleuchtung, Belüftung, Notausstiegswegweiser)
© Stefan Müller-Naumann

Die geänderten Sicherheitsanforderungen führten dazu, dass zahlreiche bestehende Tunnel nachgerüstet werden mussten beziehungsweise noch nachgerüstet werden (bundesweites Nachrüstprogramm). Durch die umfangreiche bau- und betriebstechnische Ausstattung steigen die Investitionskosten, aber auch die laufenden Betriebs- und Unterhaltungskosten. Da die Platzverhältnisse in Tunneln sehr begrenzt sind, sind bei Nachrüstungs- und auch Wartungsarbeiten massive Verkehrsbehinderungen meist nicht vermeidbar.

Die technische Ausstattung eines Straßentunnels soll dem Verkehrsteilnehmer hohe Sicherheit bieten. Die Gefährdung von Personen und Fahrzeugen bei Störungen soll durch eine frühzeitige, möglichst automatische Warnung so klein wie möglich gehalten werden. Zu den Betriebseinrichtungen eines Tunnels, die im technischen Regelwerk genau festgelegt sind, gehören unter anderem:

  • Beleuchtung
  • Belüftung mit teils sehr aufwändigen Lüftungssystemen und -bauwerken
  • sicherheitstechnische Anlagen wie Pannenbuchten, Fluchtstollen, Fluchtwegbeleuchtung
  • Kommunikationseinrichtungen (Notruf, Funk, Videoüberwachung)
  • Brandmelde- und Löscheinrichtungen
  • zentrale Anlagen wie Betriebsräume, Entwässerungsanlagen, Stromversorgung

Grundsätzlich steigt der Aufwand für Sicherheitseinrichtungen mit zunehmender Tunnellänge.