Bundesautobahn A 9 nördlich von München mit Streckenbeeinflussungsanlage in Fahrtrichtung Süden
© Siemens AG

Verkehrsbeeinflussungsanlagen

Die weitere Zunahme des Güter- und Personenverkehrs kann alleine mit den herkömmlichen Konzepten wie dem Bau neuer Verkehrsinfrastrukturen weder finanziell noch ökologisch vertretbar bewältigt werden. Aus diesem Grund setzt die Bayerische Straßenbauverwaltung bereits seit vielen Jahren erfolgreich auf ein modernes Verkehrsmanagement. Hierbei setzen wir auf  "intelligente Verkehrssysteme" (IVS). Das sind Informations- und Kommunikationstechnologien im Verkehrsbereich, die den Verkehrsablauf effizienter, umweltverträglicher und sicherer gestalten.

Zu den IVS gehören die dynamischen Verkehrsbeeinflussungsanlagen, die in Bayern bereits seit Anfang der 1990er Jahre im Einsatz sind. Je nach Einsatzzweck gibt es unterschiedliche Verkehrsbeeinflussungsanlagen. Hierzu gehören:

Streckenbeeinflussungsanlagen

achtstreifig ausgebaute Bundesautobahn A 9 nördlich von München mit Streckenbeeinflussungsanlage und dynamischen Wegweisern
© Siemens AG

Diese Anlagen werden vorwiegend auf den hochbelasteten Autobahnstrecken installiert, wo sie den Verkehrsfluss regulieren. Bei hohem Verkehrsaufkommen erfolgt eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf maximal 120 Kilometer pro Stunde. Überhöhte Geschwindigkeiten sollen so vermieden werden, da bei dichtem Verkehr mit einer homogenen Geschwindigkeit weniger Bremsmanöver entstehen. Damit wird die Verkehrssicherheit erhöht und die Leistungsfähigkeit verbessert. Streckenbeeinflussungsanlagen warnen auch vorausschauend vor Staus. Dadurch können Auffahrunfälle und weitere Behinderungen vermieden werden. Mit einer Streckenbeeinflussungsanlage lassen sich die Unfallzahlen bis zu einem Drittel senken.

Temporäre Seitenstreifenfreigabe

zweispurige Bundesautobahn A 73 nördlich Erlangen mit Streckenbeeinflussungsanalage und frei gegebenem Seitenstreifen als dritter Fahrstreifen in Fahrtrichtung Süden
© Siemens AG

Die temporäre Seitenstreifenfreigabe erfolgt in aller Regel in Kombination mit Streckenbeeinflussungsanlagen. Sie wird dort eingesetzt, wo ein notwendiger Autobahnausbau kurz- beziehungsweise mittelfristig nicht möglich ist. Sie kostet etwa 10 Prozent eines Autobahnausbaus. Für eine temporäre Seitenstreifenfreigabe sind Wechselverkehrszeichen, der Bau von Nothaltebuchten, die Ummarkierung der Fahrbahn, Videoüberwachung, die Erweiterung der Aus- und Einfahrtsbereiche an den Anschlussstellen, die Anpassung der wegweisenden Beschilderung, zusätzlicher Anprallschutz und ggf. straßenbauliche Sanierungsarbeiten notwendig. Mit einer temporären Seitenstreifenfreigabe kann eine Leistungssteigerung um bis zu 25 Prozent und einer Reduzierung der Unfälle und Stauzeiten um bis zu 50 Prozent erreicht werden.

Netzbeeinflussungsanlagen

dynamischer Wegweiser mit LED-Display auf der Bundesautobahn A8 in Fahrtrichtung Süden Richtung Inntaldreieck
© Autobahndirektion Südbayern

Netzbeeinflussungsanlagen mit dynamischen Wegweisungen werden eingerichtet, um das Straßennetz in seiner Gesamtheit optimal zu nutzen. Mit Hilfe einer Netzbeeinflussungsanlage kann auf eine Sperrung oder auf eine Behinderung zum Beispiel durch eine Baustelle in einem bestimmten Streckenabschnitt hingewiesen werden. Treten Verkehrsbehinderungen auf, kann daraufhin auf einen anderen Streckenabschnitt umgelenkt werden. Hierzu werden vor den Umlenkpunkten - das sind im Allgemeinen bei den Autobahnen die Autobahnkreuze oder Autobahndreiecke - dynamische Wegweiser aufgebaut. Diese können über die Behinderung informieren und bei einer Störung eine Umleitungsempfehlung geben.

In den nächsten Jahren sollen an allen wichtigen Knotenpunkten des bayerischen Autobahnnetzes dynamische Wegweiser - sogenannte dWiSta-Tafeln (dynamische Wegweiser mit integrierter Stauinformation) - installiert werden, um mit großräumigen Umleitungsempfehlungen vorhandene Kapazitätsreserven im Autobahnnetz bestmöglich ausschöpfen zu können. Die Möglichkeiten der Netzbeeinflussung werden auch Länder übergreifend mit Hessen und Baden-Württemberg sowie international mit Österreich und Italien praktiziert.

Netzbeeinflussungsanlagen mit dynamischen Wegweisern werden nicht nur auf den Autobahnen eingesetzt. In den Ballungsräumen München und Nürnberg werden Netzbeeinflussungsanlagen in Kooperation mit den Städten betrieben. Mit dem Verkehrsleitsystem Nürnberg können die Autobahndirektion Nordbayern, die Stadt Nürnberg und die Messegesellschaft eine gezielte Verteilung von Fernverkehr und städtischen Pendler- und Besucherverkehr bereits auf der Autobahn erreichen. Mit flexiblen Prismenwendern werden dazu die blauen Fernziele sowie die innerstädtischen Ziele "Zentrum, Messe, Stadion, Flughafen und Hafen" der jeweiligen Situation angepasst. Zusätzlich können mit Freitextanzeigen ergänzende Hinweise angezeigt werden. Das Verkehrsleitsystem umfasst rund 70 Kilometer Bundesautobahnen und 33 Kilometer innerstädtische Straßen. Ein vergleichbares Verkehrsleitsystem zur ARENA München wurde als Gemeinschaftsprojekt der Autobahndirektion Südbayern und der Landeshauptstadt München zur Fußball WM 2006 fertig gestellt.

Zuflussregelungsanlagen

Zuflussregelungsanlagen werden an hoch belasteten Autobahnen angeordnet. Durch entsprechende Signalisierung wird an der Autobahneinfahrt der zufließende Verkehr dosiert auf die Autobahn geführt. Verkehrszusammenbrüche auf der Autobahn und zusätzliche Rückstauungen auf der Autobahneinfahrt bis ins nachgeordnete Straßennetz lassen sich so vermeiden.