Lebendige Erinnerungskultur: Herrmann bei Gedenkveranstaltung an Shlomo Lewin und Frieda Poeschke

Ein Zeichen lebendiger Erinnerungskultur und gegen Rassismus und Antisemitismus: Innenminister Joachim Herrmann hat gemeinsam mit dem Erlanger Oberbürgermeister Dr. Florian Janik an den Erlanger Rabbiner Shlomo Lewin und seine Lebensgefährtin Frieda Poeschke erinnert. Beide fielen am 19. Dezember 1980 einem schrecklichen Attentat zum Opfer.

Innenminister Joachim Herrmann betonte in seiner Rede anlässlich der Gedenkveranstaltung an Shlomo Lewin und Frieda Poeschke: „Das brutale Attentat macht uns alle – auch 45 Jahre danach – tief betroffen. Solchen Hass und solche Gewalt gegen unsere jüdischen Mitbürger werden wir in Bayern niemals dulden.“ © BayStMI / Giulia Iannicelli

Herrmann: Klares Zeichen gegen Antisemitismus

Herrmann betonte in seiner Rede: „Grund für dieses schreckliche Attentat war blanker Antisemitismus. Dieses brutale Verbrechen macht uns alle – auch 45 Jahre danach – tief betroffen. Solchen Hass und solche Gewalt gegen unsere jüdischen Mitbürger werden wir in Bayern niemals dulden“, betonte Herrmann. Mit einer lebendigen Erinnerungskultur setze man ein klares Zeichen gegen Antisemitismus und Rassismus. Die Staatsregierung unternehme alles Menschenmögliche, damit Jüdinnen und Juden in Erlangen und ganz Bayern sicher und in Frieden leben können. „Das sind wir gerade auch den Opfern von Antisemitismus schuldig“, so Herrmann.

Lewin und Poeschke: Gemeinsames Engagement für Toleranz

Shlomo Lewin wurde in Jerusalem geboren, kam mit sechs Jahren nach Deutschland und wanderte 1938 nach Palästina aus, ehe er 1960 nach Deutschland zurückkehrte. 1964 lernte er in Erlangen Frida Poeschke, Witwe des ehemaligen Oberbürgermeisters, kennen. Gemeinsam engagierten sie sich für Toleranz, den christlich-jüdischen Dialog und den Wiederaufbau des jüdischen Lebens in Bayern, zudem war Lewin bis 1979 Erster Vorsitzender der Israeltischen Kultusgemeinde Nürnberg. Dabei hat Lewin immer wieder öffentlich vor der neonazistischen Szene in Deutschland gewarnt. „Shlomo Lewin hat die Zeichen seiner Zeit völlig richtig gedeutet, indem er Antisemitismus und Extremismus als große Gefährdungen sah. Und beschämenderweise hat diese Einschätzung nichts an Aktualität verloren“, so Herrmann, der darauf verwies, dass seit dem Angriff der Hamas am 7. Oktober 2023 auf Israel an vielen Orten der Welt Antisemitismus und Hass gegenüber Israel und Menschen jüdischen Glaubens offen bekundet werde.

Bewerbungsphase bis zum 27. Januar 2026

Zudem riefen der Innenminister und der Erlanger Oberbürgermeister zur Bewerbung für den neuen, vom bayerischen Innenministerium und der Stadt Erlangen ausgelobten Shlomo-Lewin & Frida-Poeschke-Gedächtnispreis auf. Bis zum 27. Januar 2026 können sich ab sofort Einzelpersonen, Initiativen und Vereine bewerben, die sich beispielsweise gegen Antisemitismus, Rassismus oder gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit sowie für die Entfaltung jüdischen Lebens einsetzen oder die den interkulturellen und interreligiösen Dialog mit den jüdischen Organisationen fördern. „Der Preis steht für eine Gesellschaft, in der alle Menschen unabhängig von ihrer Herkunft und ihrem Glauben in Frieden leben können“, betonte Innenminister Herrmann. Oberbürgermeister Dr. Janik erklärte: „Das Engagement von Shlomo Lewin und Frida Poeschke für Dialog und gegen Antisemitismus, Ausgrenzung und Hass wirkt bis heute nach – gerade weil sie für ihre Überzeugungen mit dem Leben bezahlen mussten. Der Gedächtnispreis hält ihre Namen und ihr Wirken lebendig und soll zugleich klar machen: Demokratie und Menschenwürde sind keine Selbstverständlichkeiten, sondern müssen täglich verteidigt werden.“ Der mit 15.000 Euro dotierte Preis wird Ende 2026 zum ersten Mal und zukünftig im dreijährigen Rhythmus verliehen. Bewerbungen können unter gedaechtnispreis@stadt.erlangen.de eingereicht werden, weitere Informationen zum Preis stehen auf der  Webseite der Stadt Erlangen zur Verfügung.