112 Newsletter: Einsatz des Rettungsdienstes
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112 Newsletter vom 1. Mai 2020

Liebe Leserinnen und Leser, 

wie immer darf ich auch diesen Newsletter mit einem kurzen statistischen Überblick zur Corona-Lage in Bayern beginnen. Stand heute, Freitag, 10:00 Uhr, haben wir in Bayern 42.916 bestätigte Corona-Infektionen zu verzeichnen. Das sind + 421 im Vergleich zum Vortag oder + 1,0 Prozent.

Wieder genesen sind amtlich ausgewiesen 32.580 Personen, das sind 980 mehr als gestern
(+ 3,1 Prozent). Setzt man diesen Wert in Beziehung zur Zahl der Neuinfektionen (+ 421), dann liegt die Zahl der Genesenen etwa um den Faktor 2,3 höher. Dies bleibt hinter dem Spitzenwert dieser Woche (Faktor 3,8) deutlich zurück, gibt aber keinen unmittelbaren Anlass zur Sorge, nachdem sich der heutige Wert innerhalb des Korridors bewegt, der sich in den letzten zwei Wochen gebildet hat. Der heutige Wert zeigt also für sich genommen keine Trendwende an.

An bzw. mit der Corona-Infektion verstorben sind mittlerweile 1.886 Personen, das sind im Vergleich zum Vortag + 70 oder insgesamt + 3,9 Prozent mehr. Auch an dieser Stelle zeigt sich also, dass man sich von den niedrigen Werten, wie wir sie gestern mit lediglich 36 Todesfällen und damit etwa nur der Hälfte von heute hatten, nicht blenden lassen darf. Nach wie vor sind es vor allem Senioren und Menschen mit schweren Vorerkrankungen, die einer Infektion mit dem COVID-19-Virus zum Opfer fallen. Sie haben dem Virus naturgemäß nicht annähernd so viele Abwehrkräfte entgegenzusetzen, wie das ein 30 oder 40 Jahre „junger“ gesunder Mensch kann und deshalb werden wir auch in Zukunft im Zusammenhang mit Corona vor allem das Ableben von Angehörigen der Eltern- und Großelterngeneration zu beklagen haben.

Erlauben Sie mir an dieser Stelle eine Erläuterung, nachdem die Begriffe „Mortalität“ und „Letalität“ immer wieder fälschlicherweise synonym verwendet werden. Beides sind Begriffe aus der Demografie und setzen eine bestimmte Anzahl Verstorbener mit einer Bezugsgruppe sowie einer bestimmten Zeitspanne ins Verhältnis.

Von Mortalität oder Mortalitätsrate sprechen die Mediziner immer dann, wenn sie zum Ausdruck bringen wollen, wie viele Menschen in Bezug auf die Gesamtbevölkerung innerhalb einer bestimmten Zeitspanne verstorben sind. Konkret ginge es dann z.B. um die Zahl der Corona-Toten im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung Bayerns oder Deutschlands in einem Monat, Quartal oder Jahr.

Von Letalität oder Letalitätsrate sprechen die Mediziner, wenn sie etwa in Bezug auf COVID-19 ausdrücken wollen, wie viele Personen aus der Gruppe der Corona-Infizierten an der Krankheit innerhalb einer bestimmten Zeitspanne verstorben sind.

Die Reproduktionszahl R, die angibt, wie viele weitere Personen ein Infizierter statistisch ansteckt, ehe er selbst gesundet oder verstirbt, liegt nach den Berechnungen des Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) von heute nun bei R=0,52 und entspricht damit exakt dem Wert von Anfang dieser Woche (0,52).

Sicherlich haben Sie den Medien entnommen, dass sich gestern die Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten der Länder mit der Bundeskanzlerin teils persönlich getroffen haben, teils per Videokonferenz dazu geschaltet waren, um über das weitere Vorgehen bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie zu beraten. Hierzu hatte ich Ihnen bereits im Newsletter von gestern einige Schlaglichter zu den Kernaussagen von Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel und von Ministerpräsident Dr. Markus Söder gegeben.

Obwohl das Treffen des gestrigen Tages von vorne herein nicht als grundlegend beschließendes, sondern als erörterndes und beratendes Format angelegt war, so sind doch einige wegweisende Aspekte zu vermelden, die ich Ihnen hier kurz vorstellen darf.

In Vertretung der Gesamtkonferenz sind die Bundeskanzlerin, Ministerpräsident Dr. Markus Söder als amtierender Vorsitzender der Ministerpräsidentenkonferenz und dessen Vorgänger, Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher, der als Sprecher der SPD-geführten Länder fungiert, vor die Presse getreten. Diese haben den Ausführungen zu einzelnen konkreten Themenfeldern zunächst Leitlinien vorangestellt, die die gestrigen Beratungen geprägt haben.

Dies betraf zuallererst den fortwährenden Appell, geduldig zu sein und nicht die bereits erzielten Erfolge durch vorschnelles Aufheben der Beschränkungen und unvernünftiges Handeln zu gefährden. So warnte Bundeskanzlerin Merkel vor einem Rückfall und forderte eine weitere Senkung der Zahl der Infizierten. Ministerpräsident Söder mahnte Geduld und Konsequenz an. Des Weiteren lehnte er es ab, Experimente mit der Gesundheit der Menschen zu machen. Erster Bürgermeister Tschentscher wiederum verteidigte die Wissenschaft gegen ungerechtfertigte Kritik und hob hervor, dass Deutschland angesichts der stark verbesserten Lage ganz offenkundig mit der Befolgung des Rates führender Virologen sehr gut gefahren sei.

Nun darf ich zu einzelnen Themen kommen, die für mich als Innen- und Sportminister von besonderer Bedeutung sind.

Auch wenn das Prinzip der Ausgangsbeschränkungen, von dem nur bei Vorliegen triftiger Gründe abgewichen werden darf, unter dem Eindruck der deutlich verbesserten Pandemielage längst nicht mehr so strikt umgesetzt wird wie zu Beginn des Eingreifens der Länder und des Bundes, so bleibt es nach den gestrigen Beschlüssen doch bis auf Weiteres beim Prinzip der Ausgangsbeschränkungen. Für Bayern gilt dies nach den schon Anfang der Woche gefassten Beschlüssen der Staatsregierung zunächst bis zum 10. Mai. Die anderen Länder synchronisieren sich nun insoweit mit Bayern und befristen ihre einschlägigen Regelungen ebenfalls bis zu diesem Datum. Wie es danach weitergehen soll, werden die Regierungschefinnen und Regierungschefs der Länder und die Bundeskanzlerin am kommenden Mittwoch, den 6. Mai 2020, beraten. 

Auch an anderer Stelle zeichnet die Mehrzahl der Länder nun die bayerische Regelungslage nach. Konkret gilt dies für die Durchführung von Gottesdiensten sowie religiösen Feiern, die unter strengen Infektionsschutz- und Hygieneauflagen erfolgen können. Die diesbezüglichen Maßgaben hatte ich bereits im Newsletter vom Mittwoch beschrieben. Wie in Bayern, wo für kommenden Montag, den 4. Mai, nach mehreren Wochen der Unterbrechung nun wieder die ersten Gottesdienste terminiert sind – ich selbst werde an einer ökumenischen Feier teilnehmen –, wird dies nach den gestrigen Beschlüssen nun zum selben Datum auch in den anderen Bundesländern möglich sein.

Das von mir geleitete Ministerium ist auch für den Sport zuständig, insoweit richte ich natürlich auch auf diese Thematik ein besonderes Augenmerk. Dies umso mehr, als die Sportministerkonferenz in den vergangenen beiden Wochen bereits mehrfach per Telefonschaltkonferenz über das weitere Vorgehen beraten und die Ergebnisse den Regierungschefs und der Bundeskanzlerin für deren weitere Überlegungen zugeleitet hat. Konkrete Entscheidungen für den Sport sind nun für den
6. Mai zu erwarten. Dies gilt ebenso für den Leistungs- und den Berufssport, hier u.a., ob und unter welchen Bedingungen etwa die drei Profifußballliegen in Deutschland wieder den Spielbetrieb aufnehmen, aber ebenso für den Breiten- und Freizeitsport, dessen Sportanlagen aktuell noch geschlossen sind.

Großveranstaltungen bleiben weiterhin mindestens bis zum 31. August 2020 untersagt. Das Münchner Oktoberfest 2020 ist bereits abgesagt. Dass es sich bei diesem mehr als zwei Wochen dauernden Event mit mehreren Millionen Besuchern aus der ganzen Welt um eine Großveranstaltung handelt, war stets unstreitig. Weniger klar lag und liegt die Abgrenzung zu Kleinveranstaltungen und somit für viele im Laufe eines Jahres stattfindende private oder organisierte öffentliche Feste. Vor diesem Hintergrund erhofften sich viele Betroffene – vom Vereinsvorstand, der das jährliche Sommerfest planen möchte, bis zum Brautpaar, das seine Hochzeit „ganz groß“ feiern möchte, von den gestrigen Beratungen Klarheit. Aber die Spezifika in den einzelnen Ländern und die jeweiligen Umstände von derlei Festivitäten sind augenscheinlich zu unterschiedlich, als dass es den Regierungschefinnen und Regierungschefs ratsam erschienen wäre, sich auf eine konkrete Mindestteilnehmerzahl zu verständigen, ab der eine Veranstaltung zur Großveranstaltung wird. Deshalb haben sich die Regierungschefs der Aufgabe rein qualitativ genähert und eine Aufzählung von Veranstaltungen vorgelegt, die regelmäßig als Großveranstaltungen zu bewerten sein werden. Genannt sind u.a. Volksfeste, größere Sportveranstaltungen mit Zuschauern, größere Konzerte, Festivals, Dorf-, Stadt-, Straßen-, Wein- und Schützenfeste. Diese Aufzählung bedeutet nicht, dass im Gegenschluss kleinere Ausgaben der genannten Festivitäten automatisch auf eine baldige Erlaubnis hoffen dürften. Denn wegen der besonders hohen Infektionsgefahr, die damit einhergeht, wenn Menschen in Feierlaune sind, womöglich im Verlaufe einer Festivität verstärkt unter den Einfluss berauschender Getränke geraten und dann nicht mehr Willens oder in der Lage sind, den Mindestabstand einzuhalten, ist derzeit nicht abzusehen, ab wann Kleinveranstaltungen wieder möglich sein werden. Dies wird nicht zuletzt vom weiteren Verlauf der Pandemie in Deutschland abhängen, so die Regierungschefinnen und Regierungschefs.    

Arbeiten wir weiter!

Mit besten Grüßen

Ihr
Joachim Herrmann, MdL
Joachim Herrmann, MdL
Staatsminister


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