112 Newsletter: Einsatz des Rettungsdienstes
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112 Newsletter vom 1. Juni 2020

Liebe Leserinnen und Leser,

auch am heutigen Pfingstmontag darf das Update nicht ohne einen kurzen statistischen Überblick zur Corona-Lage in Bayern bleiben. Stand heute 10:00 Uhr, haben wir 47.269 bestätigte Corona-Infektionen zu verzeichnen. Das sind im Vergleich zum Vortag + 91 mehr (vorgestern auf gestern + 63) oder + 0,2 Prozent.

Wieder genesen sind amtlich ausgewiesen 43.000 Personen oder 80 mehr als gestern
(+ 0,2 Prozent). Aktuell sind rund 1.800 Personen an COVID 19 erkrankt. Damit sind bezogen auf 100.000 Einwohner aktuell noch 14 Bewohner Bayerns erkrankt.

An bzw. mit einer Corona-Infektion verstorben sind mittlerweile 2.468 Personen. Das sind heute lediglich zwei mehr als am gestrigen Pfingstsonntag, an dem kein einziger neuer Corona-Todesfall zu verzeichnen war. In diesem gerade für die emotionale Wahrnehmung der Pandemie besonders wichtigen und sensiblen Bereich besteht somit die herausragend günstige Situation der letzten Tage fort.

Die über sieben Tage statistisch geglättete Reproduktionszahl R, die angibt, wie viele weitere Personen ein Infizierter statistisch ansteckt, ehe er selbst gesundet oder verstirbt, bemisst sich entsprechend der mathematischen Betrachtungen des Robert Koch-Instituts (RKI) für Bayern heute auf R=0,83 (gestern R=0,85) und die allein auf den Tag abstellende Reproduktionszahl auf R=0,88. Wir bleiben damit weiterhin stabil unterhalb der magischen Marke von R=1. Das ist sehr erfreulich, da ein Wert kleiner 1 bedeutet, dass die Welle sich weiter abflacht.

Auch heute sollen die 7-Tage-Inzidenzen für die am stärksten betroffenen Kreise und kreisfreien Städte Bayerns nicht fehlen, illustrieren doch diese Werte, ob, und wenn ja, wo es Hotspots gibt.

Nach bald einer Woche, in der sich das Spitzentrio stets aus denselben drei Gebietskörperschaften gebildet hatte, ist nun der schon erwartete Wechsel eingetreten. Aus dem Trio an der Spitze herausgefallen ist der Stadtkreis Regensburg. Die Stadt liegt nunmehr auf Platz 4 mit einer kumulierten 7-Tage-Inzidenz von nunmehr 15,07 (gestern noch 43,3).

Mancher mag sich fragen, ob so ein starker Rückgang von einem Tag auf den anderen mit rechten Dingen zugehen kann. Die Antwort lautet eindeutig „JA“. Dies liegt an der Systematik, nach der die 7-Tage-Inzidenz ermittelt wird. Sie erfasst und kumuliert fortlaufend die Tageswerte der letzten sieben Tage in Bezug auf Neuinfektionen. Aus der Summe wird dann täglich auf 100.000 Einwohner bezogen der Inzidenzwert mathematisch hergeleitet. In der Systematik bedeutet dies, dass morgen derjenige Tageswert aus der Betrachtung herausfallen wird, der heute für den siebten zurückliegenden Tag erfasst war. Mit fortlaufender Zeit werden damit Tag für Tag die Tageseinzelwerte „durchgereicht“ und schließlich gestrichen, mithin fallen nach und nach auch herausragend hohe Werte wieder aus der Betrachtung. Im Falle von Regensburg war das heute so, dass der letzte der schlimmen Einzelwerte die relevante Zeitleiste verlassen hat, ohne dass heute ein neuer Wert von vergleichbarer Größenordnung dazugekommen wäre.

Neu auf Platz 1 findet sich der Landkreis Coburg mit 43,73 (gestern 40,3). Auf Platz 2 liegt der Landkreis Lichtenfels mit einer kumulierten 7-Tage-Inzidenz von nun 23,94 (gestern 22,4) Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern binnen 7 Tagen. Den 3. Platz nimmt nun die Stadt Coburg ein mit einer 7-Tage-Inzidenz von nunmehr 19,39.

Das sieht alles schon wesentlich besser aus als noch vor ein paar Tagen. Noch erfreulicher ist aber, dass mittlerweile 16 der 96 Stadt- bzw. Landkreise eine 7-Tage-Inzidenz von 0 aufweisen, mithin in den letzten sieben Tagen keinen einzigen Fall einer Neuinfektion verzeichnet haben.

Ebenso positiv stellt sich die Lage in den Kliniken dar. Mussten in der schlimmsten Zeit
ca. 800 Patientinnen und Patienten auf Intensivstationen behandelt und beatmet werden, sind es aktuell nur noch 163. Das ist für jeden einzelnen Betroffenen schlimm genug, in der Gesamtschau der verfügbaren Kapazitäten aber ausgesprochen gut. Denn derzeit liegen überhaupt nur noch
643 Personen wegen einer COVID-19-Infektion in einem Krankenhaus, davon 465 auf einer Normalstation.

Wie stark die Corona-Pandemie gerade auf ihrem Höhepunkt in wirklich nahezu alle Lebensbereiche bis hin zum Sterben und zum Tod hineingewirkt hat und vielfach noch hineinwirkt, habe ich im Laufe der letzten Wochen an dieser Stelle bereits mehrfach ausgeführt. Einzelthemen waren etwa die Belegung von Palliativstationen und Hospizen, das Abschiednehmen von sterbenden Angehörigen und die Durchführung von Trauergottesdiensten und Beerdigungen. Auf diese öffentlich über Traueranzeigen in Tageszeitungen und deren Online-Ausgaben hinzuweisen, ist in Bayern weit verbreitet und von großem Interesse bei den Lesern. Ja, es ist sogar so, dass nicht wenige Menschen die Zeitung „von hinten her“ lesen, also zuerst die Todesanzeigen aufschlagen, die üblicherweise auf den letzten Seiten abgedruckt sind, ehe sie sich der Politik, dem Lokalteil oder dem Vermischten zuwenden. 

Und weil als Folge dieses Interesses viele Bekannte eines Verstorbenen diesen auf dem letzten irdischen Weg begleiten wollen, sind die Daten zu Ort und Zeit eines Seelengottesdienstes oder der Beerdigung wesentlicher Bestandteil einer Traueranzeige. Um den Zulauf zu solchen Anlässen von Personen einzuschränken, die nicht zur Kernfamilie oder der unmittelbaren Verwandtschaft des Verstorbenen zählen, wurde es den Zeitungsverlagen in der besonders heiklen Phase der Pandemie behördlich untersagt, die in Rede stehenden Daten in den Traueranzeigen bekanntzumachen.

Nachdem sich die pandemische Situation in Bayern zwischenzeitlich wesentlich entspannt hat, Gottesdienste – wenn auch unter erheblichen Auflagen – in Kirchen oder unter freiem Himmel wieder stattfinden dürfen und deshalb auch zu Beerdigungen wieder mehr Menschen zugelassen werden können als nur die Angehörigen des engsten Familienkreises, habe ich mich bei Gesundheitsministerin Melanie Huml dafür eingesetzt, ab sofort das oben beschriebene Bekanntmachungsverbot aufzuheben. Dem hat die Kollegin zugestimmt, sodass es nunmehr wieder gestattet ist, Bestattungstermine bekanntzugeben.

Auch diese Woche lohnt der Blick auf das ZDF-Politbarometer, vermittelt er doch einen guten Eindruck davon, wie die Menschen in Deutschland mittlerweile auf die Corona-Pandemie, die gegen diese ergriffenen Maßnahmen und die zu erwartenden Folge schauen.

Zunächst zu den politischen Dimensionen. Demnach beurteilen die meisten Befragten, nämlich
56 Prozent, die jetzt geltenden Lockerungen bei den Corona-Maßnahmen als gerade richtig.
32 Prozent gehen die Lockerungen zu weit und 11 Prozent gehen sie nicht weit genug.

Ich finde, dieses Ergebnis kann sich aus Sicht der verantwortlichen Politikerinnen und Politiker mehr als sehen lassen. Denn speziell in der jetzigen Phase der Pandemie, in der sich die Welle der Neuinfektionen ganz erheblich abgeflacht hat, das Schlimmste fürs Erste überstanden zu sein scheint und so etwas wie eine „neue Normalität“ langsam Einzug hält, für einschränkende Maßnahmen immer noch eine satte absolute Mehrheit an Zustimmung zu bekommen, zeigt, dass wir die Mehrzahl der Menschen bei unserem Vorgehen mitnehmen konnten.

Die Zahlen des ZDF-Politbarometers lassen auch noch weitere Schlüsse zu. Dass fast 100 Prozent der Befragten eine dezidierte Meinung geäußert haben, belegt ganz generell den reflektierten Umgang der Menschen in Deutschland und Bayern mit ihrer Situation. Besonders bemerkenswert finde ich den Wert von 11 Prozent Zustimmung für die Ansicht, die aktuellen Lockerungen gingen nicht weit genug. Denn geht man davon aus, dass sich allein in diesem Segment der Umfrage bestimmte Kreise wie Corona-Leugner, kritische Esoteriker, Reichsbürger, Verschwörungstheoretiker, Rechtsextreme, militante Impfgegner oder geistigen Brandstifter und Fakenews- sowie Stimmungsmacher widerspiegeln, dann scheint deren politischer Einfluss derzeit deutlich limitiert zu sein. Dies gilt umso mehr, wenn man bedenkt, dass längst nicht jeder, der stärkere Lockerungen will, den genannten obskuren Kreisen zuzurechnen ist, sondern die Allermeisten eindeutig auf dem Boden der freiheitlich-demokratischen Grundordnung stehen werden. Womöglich hat auch die Welle der Corona-bedingten Wutbürger ihren Scheitelpunkt bereits überschritten. Darauf könnte auch der Umstand hindeuten, dass es am Samstag mehreren Veranstaltern von mittleren und großen Kundgebungen nicht gelungen ist, die zuvor bei den Versammlungsbehörden angemeldete Zahl an Teilnehmern tatsächlich zu mobilisieren.

Insofern besteht – jenseits der fachlich überzeugenden Argumente – auch aus parteipolitischem Kalkül nicht der geringste Anlass, Corona-Leugnern und ihren Gesinnungsgenossen nach dem Munde zu reden. Das sollte auch der thüringische Ministerpräsident beherzigen, dessen Vorschlag, mit Ausnahme der Maskenpflicht künftig auf verpflichtende Corona-Maßnahmen weitgehend zu verzichten zu wollen, von fast dreiviertel der Befragten abgelehnt wird (72 Prozent) und den nur
25 Prozent unterstützen.

Zum Zweiten nun ein Blick auf die Ergebnisse der repräsentativen Befragung hinsichtlich der eigenen, persönlichen Situation der Menschen in Deutschland. Ähnlich wie in den letzten Wochen halten 44 Prozent ihre Gesundheit durch das Coronavirus für gefährdet, für 54 Prozent ist das nicht der Fall. Ich hoffe, dass bei den 54 Prozent, die um ihre Gesundheit nicht besorgt sind, daraus keine Sorglosigkeit erwächst, die sodann in einen leichtfertigen Umgang mit den nach wie vor geltenden Beschränkungen der Fünften Infektionsschutzmaßnahmenverordnung mündet. Denn die Einhaltung des Mindestabstandes von 1,5 Metern gerade im öffentlichen Bereich, die Einhaltung der Maskenpflicht in Geschäften, im Öffentlichen Personennahverkehr sowie die Einhaltung der für den Gaststättenbesuch, den Sportbetrieb und viele weitere Lebensbereiche geforderten Hygienekonzepte ist zwingende Voraussetzung dafür, dass die Infektionslage ihr derzeit niedriges Niveau beibehält. 

Der dritte Fragenkomplex befasst sich mit der Lage Deutschlands. Demnach machen sich derzeit 61 Prozent der Befragten die größten Sorgen um Deutschland wegen der wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise und „nur“ 33 Prozent sind hauptsächlich wegen gesundheitlicher Folgen besorgt (sechs Prozent der Befragten hatten keine Meinung).

71 Prozent und Mehrheiten in allen Parteianhängergruppen erwarten, dass sich die Wirtschaftslage in Deutschland stark verschlechtern wird, 28 Prozent glauben das nicht. Sehr negative Auswirkungen auf die eigene finanzielle Lage befürchten dagegen nur 12 Prozent, 86 Prozent gehen von einer nicht so starken oder keiner Verschlechterung ihrer eigenen Situation aus.

Mit Blick auf die Antworten wäre es falsch, Heinrich Heine zu zitieren, der Mitte des
19. Jahrhunderts in seinen „Nachtgedanken“ dichtete: „Denk` ich an Deutschland in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht.“ Die Deutschen sind also mit Blick auf die Corona-Folgen für ihr Land nicht panisch, aber durchaus punktuell besorgt um die wirtschaftliche Entwicklung.

Diese Besorgnis teilt auch die Staatsregierung und hat deshalb bereits – ebenso wie der Bund – kraftvolle Maßnahmen ergriffen, die die negativen wirtschaftlichen Wirkungen des Shutdown abmildern sollen und werden. Ich denke hier insbesondere an das „Soforthilfeprogramm Corona“, Förderprogramme für Künstler und mögliche Programme zur Überbrückungshilfe. Es nützt nichts, wenn derlei Programme auf dem Papier stehen und im Haushalt mit Milliardensummen hinterlegt sind, es am Ende aber am Personal fehlt, das die Anträge prüft, darüber entscheidet und die Gelder im Einzelfall anweist. Die Hauptlast tragen in dieser Hinsicht die sieben Bezirksregierungen. Diese bieten bereits durch weitreichende interne Aufgabenumschichtungen zu Lasten anderer Bereiche „Mann und Maus“ auf und leisten zahlreiche Mehrarbeitsstunden, damit die Anträge schnellstmöglich entschieden und die Gelder an die Empfänger ausbezahlt werden können. Bis jetzt sind bereits knapp 420.000 Anträge abgeschlossen, über 2 Milliarden Euro haben allein bayerische Stellen ausbezahlt. Das ist eine grandiose Leistung und ich sage all denen von Herzen Dank, die dazu ihren persönlichen Beitrag geleistet haben.

Es geht aber noch weiter. Zu den laufenden Programmen gehen nach wie vor werktäglich
ca. 4.000 Neuanträge ein und es deutet sich an, dass jedenfalls weitere Bundeshilfen kommen, die die Länder zu administrieren haben werden. Deshalb hat die Staatsregierung beschlossen, die Bezirksregierungen durch insgesamt 450 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verschiedener Geschäftsbereiche zu entlasten. Die Verstärkung wird u.a. aus der Finanzverwaltung und von den Landwirtschaftsämtern kommen.     

Einen guten Start in die kurze Arbeitswoche!

Mit besten Grüßen

Ihr
Joachim Herrmann, MdL
Joachim Herrmann, MdL
Staatsminister


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