112 Newsletter: Einsatz des Rettungsdienstes
© BRK Kreisverband Berchtesgadener Land

112 Newsletter vom 3. Juni 2020

Liebe Leserinnen und Leser,

wie jeden Tag beginne ich auch das heutige Update mit einem kurzen statistischen Überblick zur Corona-Lage in Bayern. Stand heute, Mittwoch, 10:00 Uhr, haben wir 47.345 bestätigte Corona-Infektionen zu verzeichnen. Das sind im Vergleich zum Vortag + 47 mehr (vorgestern auf gestern + 29) oder + 0,1 Prozent.

Wieder genesen sind amtlich ausgewiesen 43.310 Personen oder 170 mehr als gestern
(+ 0,4 Prozent). Aktuell sind in Bayern 1.560 Personen an COVID-19 erkrankt. Damit sind bezogen auf 100.000 Einwohner aktuell noch 12 Bewohner Bayerns an Corona erkrankt (gestern 13).

An bzw. mit einer Corona-Infektion verstorben sind mittlerweile 2.479 Personen. Das sind im Vergleich zu gestern 7 mehr. Auch wenn natürlich jeder einzelne Todesfall einer zu viel ist, so belegt auch dieser in der Gesamtschau der letzten Monate niedrige Wert den günstigen Trend der letzten Tage, der die Corona-bedingten Todesfälle bei einstelligen Tagesraten sieht. Zusammen mit der stabil niedrigen Zahl der Neuinfektionen belegen die weiterhin sehr wenigen Todesfälle eindrucksvoll die Beruhigung der Lage.

Die über sieben Tage statistisch geglättete Reproduktionszahl R, die angibt, wie viele weitere Personen ein Infizierter statistisch ansteckt, ehe er gesundet oder verstirbt, bemisst sich entsprechend der mathematischen Betrachtungen des Robert Koch-Instituts (RKI) für Bayern heute auf R=0,81 (gestern R=0,91).

Auch heute sollen die 7-Tage-Inzidenzen für die am stärksten betroffenen Kreise und kreisfreien Städte Bayerns nicht fehlen, illustrieren doch diese Werte, ob, und wenn ja, wo es Hotspots gibt.

Die drei Erstplatzierten von heute sind dieselben wie gestern, allerdings steht dieser Befund unter völlig veränderten, sehr positiven Vorzeichen. Im Grunde kann man gar nicht mehr von Hotspots sprechen. Zutreffender wäre – auch wenn dies wenig spektakulär klingt und gar nicht ins Ohr gehen mag – von Lukewarmspots (engl.: lukewarm – lauwarm) zu sprechen. Denn das gesamte Spitzentrio liegt nunmehr deutlich unterhalb der Vorwarnstufe, die bei einem Wert von 35 liegt. Auf Platz 1 findet sich weiterhin der Landkreis Coburg mit 28,8 (gestern 40,3). Auf Platz 2 liegt der Landkreis Lichtenfels mit einer kumulierten 7-Tage-Inzidenz von nun 15,0 (gestern 25,4) Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern binnen 7 Tagen. Den 3. Platz nimmt nun die Stadt Coburg ein mit einer 7-Tage-Inzidenz von nunmehr 14,6 (gestern 17,0).

Besonders erfreulich sind auch die Entwicklungen in den hinteren Bereichen der Liste. Nunmehr sind es bayernweit 20 Gebietskörperschaften auf Ebene der kreisfreien Städte und Landkreise ohne einen einzigen Fall einer Neuinfektion binnen sieben Tagen und jenseits dieser Cold poles (engl.: Kältepole) liegt in weiteren 17 Stadt- bzw. Landkreisen die 7-Tage-Inzidenz bei kleiner gleich 1.

Ich darf zu einem anderen Thema kommen. Die Bewältigung eines Katastrophenfalles ist die originäre Aufgabe der Katastrophenschutzbehörden. Dies sind die Kreisverwaltungsbehörden, die Regierungen und das Staatsministerium des Innern, für Sport und Integration. So steht es im Gesetz. An dieser Stelle die Betrachtung zu beenden, ergäbe ein schiefes Bild, denn alle, die sich in diesen Behörden professionell mit Fragen des Katastrophenschutzes befassen, wissen, dass so gut wie kein Katastrophenfall allein mit den eigenen Bordmitteln der Katastrophenschutzbehörden zu bewältigen wäre.

Um sich gerade in solchermaßen dramatischen Situationen unbändigen Naturgewalten entgegenstemmen und schwere Schadensereignisse wirksam eindämmen zu können, braucht es weit mehr Personal, weit mehr Fachkenntnisse und weit mehr Gerätschaften als es die Katastrophenschutzbehörden selbst je aufbieten könnten. Das war auch dem Gesetzgeber klar, er hat deshalb Regelungen zur Katastrophenhilfe erlassen. Zu dieser sind all diejenigen Behörden, Stellen und Organisationen verpflichtet, die ausgehend von ihren Fähigkeiten, Fertigkeiten, Strukturen und ihrer Ausrüstung und Ausstattung her Katastrophenhilfe leisten können. Welche Organisationen hier zu aller erst in der Pflicht stehen, ist gesetzlich definiert. Es sind die Behörden und Dienststellen des Freistaates Bayern, die Gemeinden, die Landkreise und die Bezirke als kommunale Gebietskörperschaften, die sonstigen der Aufsicht des Freistaates Bayern unterstehenden Körperschaften, Anstalten und Stiftungen des öffentlichen Rechts, die Feuerwehren, die freiwilligen Hilfsorganisationen im Sinn des Art. 2 Abs. 13 des Bayerischen Rettungsdienstgesetzes (BayRDG) sowie die Verbände der Freien Wohlfahrtspflege.

Insoweit findet sich eine Mischung aus Organisationen, die stets mit hauptamtlichem Personal arbeiten, etwa andere Behörden wie z.B. Wasserwirtschaftsämter, und solchen, die neben einer schlanken Kernstruktur aus hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und dem hauptamtlichen Personal des Rettungsdienstes auch auf viele tausend freiwillige und ehrenamtlich tätige Menschen setzen. So etwa das Bayerische Rote Kreuz (BRK) als Körperschaft des öffentlichen Rechts, die freiwilligen Hilfsorganisationen wie der Malteser Hilfsdienst, die Johanniter Unfallhilfe und der Arbeiter Samariterbund. Gleiches gilt natürlich auch für die meist freiwilligen Feuerwehren, die auch in der Krise überall Brandschutz und technische Hilfeleistung sichergestellt und daneben unzählige „helfende Hände“ vor Ort, etwas bei Materialverteilungen, zur Verfügung gestellt haben.

Dass all diese Organisationen von Gesetzes wegen zur Katastrophenhilfe verpflichtet sind, ist das eine. Das andere und eigentlich Entscheidende ist aber, dass sich der Einsatzwert und die Wirkmacht dieser Organisationen aus der starken Motivation ihrer ehrenamtlichen Mitglieder speist, die zu tausenden und aus vollster Überzeugung die Hilfe für den Nächsten zu ihrer ureigensten Angelegenheit gemacht haben. Deshalb war es mir ein großes Anliegen, dass ich mich heute mit Spitzenvertretern des Bayerischen Roten Kreuzes treffen konnte, um mit ihnen Fragen der Einsatzabwicklung unter den Bedingungen der Corona-Pandemie zu erörtern.

Zum einen wollte ich die Gelegenheit des heutigen Treffens nutzen, um dem BRK auch stellvertretend für alle anderen an der Pandemiebewältigung beteiligten Hilfsorganisationen und Feuerwehren von Herzen für den großartigen Dienst zum Wohle der Menschen in Bayern zu danken. Ich bin mir sehr bewusst, dass eine solchermaßen ungewöhnliche Lage mit einer lautlos und für das bloße menschliche Auge unsichtbar daherkommenden Bedrohung, die noch dazu jetzt schon viele Wochen andauert, eine enorme physische und psychische Belastung für alle haupt- und ehrenamtlichen Einsatzkräfte darstellt. Gerade die emotionale Herausforderung darf man nicht kleinreden. Nicht nur, dass in den Ohren der Helferinnen und Helfer auf ihrem Weg zum Dienst die eindringlichen Ratschläge der zu Hause verbliebenen Angehörigen, man möge nur ja auf sich aufpassen, noch deutlicher nachhallen werden, als das bei „konventionellen“ Katastrophen der Fall sein dürfte. Es ist auch die latent vorhandene Angst, sich beim Dienst am Nächsten womöglich selbst mit COVID-19-Viren anzustecken und daran vielleicht sogar schwer zu erkranken. All das nehmen die zahlreichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ebenso wie die Helferinnen und Helfer auf sich, ihnen allen zolle ich deshalb meinen größten Respekt.

Zum anderen wollte ich mir im Gedankenaustausch mit dem Präsidenten des BRK, Theo Zellner, dem Landesgeschäftsführer, Leonhard Stärk, und dem Leiter des Krisenstabes, Daniel Pröbstl, ein eigenes Bild von der Lage verschaffen, wie sie sich über das BRK als die größte Organisation hinaus auch bei den anderen freiwilligen Hilfsorganisationen in Bayern darstellt. Denn um einen berühmten Spruch von Sepp Herberger abzuwandeln: „Nach dem Einsatz ist vor dem Einsatz!“ Man ist deshalb gut beraten, idealerweise noch im laufenden Einsatz mit dessen Auswertung und Nachbereitung zu beginnen.

Einmal mehr hat sich der Eindruck bestätigt, dass man sich auf Katastrophen bestmöglich vorbereiten kann, aber jede einzelne Lage ihre eigenen Charakteristika und Herausforderungen mit sich bringt. Katastrophenbewältigung ist somit immer auch ein Test des Improvisationsvermögens der handelnden Personen. Zum Beleg dieser These möchte ich Ihnen ein Beispiel von vielen möglichen nennen.

In der heißesten Phase der Pandemie in Bayern kamen einige besonders stark betroffene Kliniken beim Pflegepersonal an ihre personellen Grenzen. Demgegenüber gab es aber viele pflegerisch ausgebildete Menschen, die zwischenzeitlich in anderen Berufen tätig sind, sich in der Elternzeit befinden oder aus anderen Gründen anderen Tätigkeiten nachgehen. Diese Menschen fühlten, dass sie in der Notsituation gebraucht werden und wollten helfen, allein es fehlte an ihrer organisatorischen Anbindung. Gelöst wurde die Aufgabe dadurch, dass das Gesundheitsministerium einen Aufruf startete und diejenigen hilfswilligen Pflegekräfte, die sich darauf gemeldet haben, Mitglied in der Rotkreuz-Gemeinschaft Wohlfahrts- und Sozialarbeit des BRK in Verbindung mit einer freiwilligen Registrierung im Pflegepool Bayern wurden. Damit waren diese hilfsbereiten Menschen insbesondere versicherungsrechtlich abgesichert und in klare organisatorische Strukturen eingebunden, die einen heimatnahen und sachgerechten Einsatz des einzelnen Helfers und der einzelnen Helferin gewährleistet haben.

Meine Gesprächspartner und ich waren uns einig, dass die Corona-Pandemie längst noch nicht unumkehrbar eingedämmt ist. Für eine abschließende Bewertung der Katastrophenbewältigung ist es somit noch zu früh. Wir waren uns aber auch einig, dass wir in Bayern auf die bisher erreichten Ergebnisse bei der Eindämmung von COVID-19 stolz sein können. Mit vereinten Kräften haben es alle staatlichen und nichtstaatlichen Beteiligten geschafft, die schlimmen Folgen der Krankheit in wesentlich engeren Grenzen zu halten, als das in anderen Staaten gelungen ist oder derzeit gelingt. Möge ein gütiges Schicksal dafür sorgen, dass uns eine zweite Corona-Welle am besten ganz erspart bleibt. Sollte sie aber kommen, dann werden wir auf die bisher gewonnenen Erfahrungen zurückgreifen können und auf die Gewissheit, dass die Katastrophenschutzbehörden auch unter den besonderen Bedingungen einer pandemischen Katastrophe gerade in den freiwilligen Hilfsorganisationen ganz starke, lösungsorientierte und innovative Partner an ihrer Seite haben.

Zum Schluss darf ich Sie noch über eine ganz aktuelle Entwicklung informieren. Wie mir die Bundespolizei gerade im Zuge unserer täglichen Sitzung der Führungsgruppe Katastrophenschutz berichtete, hat das Bundesministerium für Inneres Wien auf Anfrage bestätigt, dass Österreich seine personenbezogenen Grenzkontrollen gegenüber fast allen seinen Schengen-Nachbarstaaten mit Wirkung heute 24:00 Uhr beendet. Dies gilt demnach auch für alle Quarantänevorschriften und das Erfordernis, unter bestimmten Umständen einen nicht länger als vier Tage zurückliegenden negativen Corona-Test nachzuweisen.

Ausgenommen von der Aufhebung der Grenzkontrollen ist die österreichisch-italienische Grenze. Ob sich hieraus Änderungen am Transitregime für mit einem KFZ von Deutschland nach Italien und zurückreisende Personen ergeben – bisher waren selbst Tanken und Toilettenpausen auf österreichischen Rastanlagen verboten –, ist noch offen.    

Zusammen sind wir stark!

Mit besten Grüßen

Ihr
Joachim Herrmann, MdL
Joachim Herrmann, MdL
Staatsminister


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