112 Newsletter: Einsatz des Rettungsdienstes
© BRK Kreisverband Berchtesgadener Land

112 Newsletter vom 07. April 2020

Liebe Leserinnen und Leser,

Stand heute, Dienstag, 10:00 Uhr, haben wir in Bayern 26.567 Corona-Infektionen (+ 1.212, im Vergleich zum Vortag + 4,8 Prozent) zu verzeichnen. Dieser Wert ist insoweit erfreulich, als der sonst übliche Dienstags-Peak, der sich aus nachholenden Erfassungen vom vorangegangenen Wochenende ergibt, augenscheinlich ausgeblieben ist. Der heute zu verzeichnende Wert liegt am unteren Ende des statistischen Korridors der letzten Tage. Die Anzahl der amtlich ausgewiesenen Genesenen beläuft sich auf 6.660 und ist im Vergleich zum Vortag um 850 gestiegen. Leider müssen wir weitere 51 (Vortag: + 33) Corona-Tote beklagen, sodass sich deren Gesamtzahl auf 495 erhöht. Insgesamt gilt also: Der zarte Silberstreif am Horizont kräftigt sich ein wenig, aber den Gipfel der pandemischen Welle haben wir noch nicht überwunden.

Eine der zentralen Aufgaben im aktuellen Krisenmanagement ist die Bereitstellung einer ausreichenden Anzahl an Klinikbetten, um alle Patienten, die einer stationären Behandlung bedürfen, qualitativ hochwertig versorgen zu können. Dieser Anspruch gilt für regel- und intensivmedizinische Kapazitäten gleichermaßen. Über alle Kategorien hinweg stellt sich die Lage bayernweit wie folgt dar:

Insgesamt sind derzeit knapp 80.000 Krankenhausbetten verfügbar. Diese teilen sich in knapp 75.500 Allgemein- und knapp 4.500 Intensivbetten auf. In gut 2.300 Allgemein- und in knapp 870 Intensivbetten liegen derzeit Corona-Patienten.

Frei sind derzeit insgesamt gut 38.000 Betten, davon knapp 36.700 Allgemein- und knapp 1.500 Intensivbetten. Die übrigen zur jeweiligen Gesamtsumme fehlenden Kapazitäten belegen Patienten mit Corona-unabhängigen Krankheitsbildern. Denn was man in diesen vor allem medial Corona-dominierten Zeiten leicht vergisst: Die sonstigen Krankheiten haben sich nicht abgemeldet, sondern belasten eine Vielzahl von Menschen und binden nach wie vor weit überwiegend die Kapazitäten der Kliniken.

Die in ihrem Umfang durchaus beachtlichen verfügbaren Kapazitäten sind weitgehend das Resultat der steuernden Maßnahmen der Staatsregierung. So wurden zum einen an den Klinika Zusatzkapazitäten neu geschaffen. Zum anderen – und das ist der überwiegende Teil – räumen die Kliniken auf unsere Weisung hin Stationen und schieben hierfür alle medizinisch nicht auf den Tag erforderlichen Operationen auf. Für die Gesamtschau gilt damit: Auch über Ostern sind wir uns sicher, selbst eine kurzfristig auftretende pandemische Welle oder längere Verweildauern von Patienten mit einem gehäuft auftretenden schweren Krankheitsverlauf kapazitätsmäßig abfedern zu können.  

Freilich darf man dabei nicht aus dem Auge verlieren, dass die bayerischen Kliniken mit Corona-Patienten höchst unterschiedlich ausgelastet sind. Gerade im südlichen und südöstlichen Oberbayern, in einzelnen Regionen Niederbayerns und in der nördlichen Oberpfalz bestehen Hotspots, die vereinzelt Kliniken an die absolute Belastungsgrenze heranführen. Ich bin den bei den einzelnen Rettungszweckverbänden angesiedelten ärztlichen Leitern Führungsgruppe Katastrophenschutz (FüGK) sehr dankbar, dass sie mittlerweile ein gut eingespieltes System etabliert haben, das es erlaubt, im Zusammenspiel mit dem Rettungsdienst neue Patienten von vorne herein in ein weniger belastetes Krankenhaus umzuleiten. Dies verhindert eine Überlast am wohnortnächsten Klinikum und erspart Patienten die zumindest emotional belastende Verlegung aus der erstaufnehmenden in eine andere Klinik.

Pflegepersonal ist in diesen schwierigen Zeiten eine sehr knappe Ressource, fähige helfende Hände werden dringend gebraucht. Deshalb hatte kürzlich Gesundheitsministerin Huml einen Aufruf gestartet, es möchten sich Menschen, die eine pflegerische Ausbildung absolviert haben, derzeit aber nicht in ihrem Beruf tätig sind, für die Bildung eines „Pflegepools“ melden. Mit dessen Kräften sollen die im aktiven Dienst befindlichen Kolleginnen und Kollegen unterstützt werden. Der Aufruf hat aus meiner Sicht eine phänomenale Resonanz gefunden, denn es haben sich binnen kürzester Zeit etwa 2.300 Menschen mit pflegerischem Hintergrund gefunden, die auf freiwilliger Basis mithelfen wollen, die Folgen der Pandemie zu mildern und den Erkrankten beizustehen.

Diese große Hilfsbereitschaft erfordert ein rechtlich wie tatsächlich tragfähiges organisatorisches Fundament. Denn keinem und keiner der Freiwilligen soll aus dem vorbildlichen Dienst am Menschen ein haftungsrechtliches Risiko oder sonst ein wirtschaftlicher Nachteil erwachsen. Eine sehr pragmatische und gleichermaßen rechtssichere Lösung konnte unter Einbeziehung des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) gefunden werden. Denn dieses hat alle freiwilligen Helferinnen und Helfer beitragsfrei als Mitglieder in seine ehrenamtliche Gemeinschaft Wohlfahrts- und Sozialarbeit aufgenommen. Damit sind die Betreffenden nicht nur gesetzlich unfallversichert, sondern sind auch durch eine Betriebshaftpflichtversicherung geschützt, falls fremde Sachen im Einsatz beschädigt werden. Des Weiteren gelten die Helferinnen und Helfer über den Eintritt in das BRK als Mitglied einer freiwilligen Hilfsorganisation im Sinne des Bayerischen Katastrophenschutzgesetzes. Nach dessen Regularien können im Einsatzfall Freistellungs-, Entgeltfortzahlungs- und Erstattungsansprüche nach Art. 17 BayKatSchG geltend gemacht werden.

Wann und wo die Helfer zum Einsatz kommen, wird über die örtlichen Führungsgruppen Katastrophenschutz (FüGK) gesteuert, die bei den Landratsämtern und den Verwaltungen der Kreisfreien Städte eingerichtet sind. Diese Verfahrensweise stellt zum einen sicher, dass die Unterstützung dort ankommt, wo sie tatsächlich gebraucht wird und zum anderen, dass die Freiwilligen wohnortnah verwendet werden.

Ich darf mich an dieser Stelle, auch im Namen der Kollegin Huml und der gesamten Staatsregierung, ganz herzlich bei den zahlreichen Hilfswilligen für Ihre Bereitschaft zum Dienst am Nächsten bedanken. Mein besonderer Dank gilt aber auch dem BRK, das erst durch seine unbürokratische Mithilfe die zügige praktische Umsetzung der Helfermobilisierung ganz maßgeblich ermöglicht hat.  

Heute durfte ich – selbstverständlich ohne Handschlag, dafür mit Mundschutz und immer unter Wahrung des Sicherheitsabstandes von mindestens 1,5 Metern – sehr hohen Besuch im Innenministerium empfangen. Der Erzbischof von München und Freising, S.E. Reinhard Kardinal Marx, hatte sich angesagt, um sich aus erster Hand über die Aufgaben und Probleme der seit der Ausrufung des Katastrophenfalles rund um die Uhr arbeitenden Führungsgruppe Katastrophenschutz Bayern und der mit ihr in ganz Bayern eng kooperierenden Katastrophenschutzstrukturen zu informieren.

Der diensthabende Leiter der FüGK Bayern erläuterte dem Gast die Notwendigkeit einer behörden- und spartenübergreifenden Koordination. Im Laufe eines Tages kämen zahlreiche Fragen und Probleme auf, die in ihrer Komplexität regelmäßig mehrere Zuständigkeiten beträfen und nur im unmittelbaren Zusammenwirken aller zuständigen Stellen schnell und sachgerecht gelöst werden könnten. Dies beginnt bei der Beantwortung von Bürgeranfragen, geht über die Auslegung der Rechtsverordnung durch das Gesundheitsministerium, den Vollzug durch die mir unterstehende Polizei, die Erarbeitung von Konzepten für die Beschaffung dringend benötigten Materials, setzt sich fort über die tägliche Feststellung von freien Krankenhauskapazitäten durch die Kreisverwaltungsbehörden und endet bei der Polizeibegleitung von Transporten mit Schutzausstattung, um nur einige Themenfelder zu nennen. Der Kardinal zeigte großes Interesse vor allem an der Situation in den Kliniken und der Verfügbarkeit intensivmedizinischer Behandlungskapazitäten und ließ sich die pandemischen Entwicklungen der letzten Wochen im Detail erklären.

Kardinal Marx zeigte sich sehr beeindruckt von der Vielfalt der Aufgaben, aber auch der Bandbreite der hier in einem großen Lageraum an zahlreichen hochmodernen Arbeitsplätzen zusammenarbeitenden Organisationen. Denn neben den auch im Hauptamt mit Angelegenheiten des Katastrophenschutzes befassten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Innenministeriums wirken hier u.a. Vertreter des Gesundheitsministeriums, der Polizei, der Bundeswehr, der Rettungsdienste, des Technischen Hilfswerks und der Bundespolizei – jedenfalls im übertragenen Sinne – eng zusammen. Der Kardinal sagte allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Vergelt`s Gott für ihren schweren Dienst, der auch über die Osterfeiertage gehen wird und wünschte allen frohe Ostern.

Den Abschluss des Besuches bildeten ein gemeinsam gesprochenes „Vater unser“ und der bischöfliche Segen. Ich danke Kardinal Marx sehr für seine anerkennenden Worte, für seinen Dank an alle im Lande, die sich der Pandemie entgegenstemmen und seine Segensworte. 

Mit besten Grüßen

Ihr
Joachim Herrmann, MdL
Joachim Herrmann, MdL
Staatsminister


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