112 Newsletter: Einsatz des Rettungsdienstes
© BRK Kreisverband Berchtesgadener Land

112 Newsletter vom 7. Mai 2020

Liebe Leserinnen und Leser,

wie immer leite ich auch diesen Newsletter mit einem kurzen statistischen Überblick zur Corona-Lage in Bayern ein: Stand heute, Donnerstag, 10:00 Uhr, haben wir in Bayern 44.064 bestätigte Corona-Infektionen zu verzeichnen. Das sind + 257 im Vergleich zum Vortag oder + 0,6 Prozent.

Wieder genesen sind laut LGL rund 36.420 Personen, das sind 620 mehr als gestern
(+ 1,7 Prozent). Setzt man diesen Wert in Beziehung zu den Neuinfektionen (+ 257), dann liegt die Zahl der Genesenen um den Faktor 2,4 über dem Wert für die Neuinfektionen. Das ist ein sehr gutes Ergebnis. An bzw. mit der Corona-Infektion verstorben sind in Bayern mittlerweile
2.071 Personen, das sind im Vergleich zum Vortag + 28 oder insgesamt + 1,4 Prozent mehr.

Aktuell an Corona erkrankt sind derzeit ca. 5573. Diese Zahl geht damit weiter nach unten – allein im Vergleich zu gestern sind es 391 aktiv Erkrankte weniger. Im Moment sind 1.791 COVID-19-Patienten hospitalisiert. Von diesen liegen 1.310 auf einer Normalstation, nur mehr 481 befinden sich auf einer Intensivstation. Letztere differenzieren sich nach einer Behandlung im Intensivbett mit Beatmungsgerät. Das trifft auf 428 Fälle zu; wohingegen 53 Patienten im Intensivbett ohne Beatmungsgerät behandelt werden.

Die Reproduktionszahl R, die angibt, wie viele weitere Personen ein Infizierter statistisch ansteckt, ehe er selbst gesundet oder verstirbt, liegt nach den Berechnungen des Robert-Koch-Instituts bei R=0,71. Dieser Wert ist im Vergleich zu den zurückliegenden Tagen stabil.

Zur Bekämpfung der Corona-Pandemie ist nach wie vor der Aufgabenbereich Material, Logistik und Transport von herausragender Bedeutung. Hier kann ich von der Führungsgruppe Katastrophenschutz Bayern (FüGK) ausgesprochen positive Ergebnisse berichten:

Zum einen feierte die FüGK am letzten Montag ihren 50. „Geburts-Tag“ und hat seither durch das gemeinsame Zusammenwirken mit dem Gesundheitsministerium, dem Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit und zahlreichen Stellen des Landes und des Bundes enorm viel vorangebracht. Zum anderen ist es ihr auch gelungen, das in der Gesundheitsverwaltung seit jeher zur Beschaffung medizinischer Geräte und Ausstattungsgegenstände vorhandene Know-how so mit unterstützendem Personal und logistischer Kompetenz zu unterfüttern, dass man gemeinsam der besonderen Herausforderungen dieses in der Bundesrepublik beispiellosen pandemischen Geschehens Herr werden konnte.

Kernelemente sind hierbei ein zentrales Beschaffungs- und ein zentrales Verteilmanagement. Der Markt für nahezu alles, was in der Anfangsphase der Pandemie in Deutschland an Schutzausstattung gebraucht wurde, war von einer völlig überbordenden Nachfrage geprägt. OP-, FFP2- und FFP3-Masken, Schutzkittel, -handschuhe, und -brillen sowie vor allem Desinfektionsmittel und Beatmungsgeräte waren nicht mehr zu bekommen. Die jeweiligen Märkte waren völlig leergefegt.

Dazu kam ein teilweise irrationales Einkaufverhalten auf Nachfrageseite. Wenn tatsächlich mal Material am Weltmarkt vorhanden war, haben die gerade am Zug befindlichen Akteure gleichsam hamsternd alles aufgekauft, was nicht niet- und nagelfest war. Teilweise wurden geradezu irrwitzige Preise gefordert und vielfach auch bezahlt. Für OP-Masken, im Grunde ein Cent-Artikel, waren teilweise mehrere Euro aufgerufen – pro Stück wohlgemerkt.

Der völlig überhitzte Markt hat natürlich auch sehr schnell Ganoven aller Art wie das sprichwörtliche Licht die Motten angezogen. Damit wurde das Beschaffungsgeschehen noch unübersichtlicher, als es ohnehin durch die überbordende Nachfrage wurde und das war alles in seinen Abläufen sehr weit weg von dem, was die Beschaffung in Normalzeiten ausmacht.

Wir haben auf diese schwierige Lage kurzfristig mit der Gründung einer Unterstützungseinheit Beschaffung reagiert. Sie ist bei der Staatlichen Feuerwehrschule Geretsried angesiedelt und setzt sich in ungefähr gleicher Zahl aus technisch und kaufmännisch qualifizierten Ehrenamtlichen des THW und aus im Beschaffungswesen der Bayerischen Polizei tätigen Verwaltungs- und Vollzugsbeamten zusammen. Auch Bedienstete der Feuerwehrschule helfen, insbesondere durch die Bereitstellung gebündelter Informationen und der für ein stabsmäßiges Arbeiten nötigen Infrastruktur mit. Fallweise treten Spezialisten der Messe München hinzu, die über belastbare internationale Kontakte vor allem in den asiatischen Raum verfügen. Die Stelle steht in der Verantwortung des Gesundheitsministeriums. Ihr gehören insgesamt knapp 30 Beschäftigte an. Die Leitung obliegt einem sehr erfahrenen höheren Führungsbeamten der Bayerischen Polizei.

Die Unterstützungseinheit filtert aus der Flut der Zuschriften – es sind permanent zwischen 500 und 600 Vorgänge in Bearbeitung – die von seriösen Anbietern zu angemessenen preislichen Vorstellungen abgegebenen Angebote heraus und bereitet die annahmefähigen Vorgänge bis zur Entscheidungsreife vor. Die rechtlich verbindliche Bestellung geben dann entweder das LGL oder das Gesundheitsministerium ab.

Gerade dieses konzertierte Vorgehen von Beschaffern und den Entscheidern/Bestellern hat zu einer außerordentlichen Steigerung der Effizienz im Umgang bei einem zunächst kaum mehr zu durchdringenden Marktgeschehen geführt. Diese zentrale Beschaffung hat die Versorgung in Bayern mit vormals vielfach extrem knapper Schutzausstattung deutlich entspannt.

Auch Desinfektionsmittel sind mittlerweile flächendeckend so auskömmlich vorhanden, dass die Beendigung der zentralen Beschaffung ins Auge gefasst werden kann. Der Einkauf wurde bereits reduziert, nachdem die weit überwiegende Zahl der Kreisverwaltungsbehörden mittlerweile genügend Vorräte hat.

Bei OP- und FFP2-Masken konnten mittlerweile so große Mengen beschafft werden, dass die Lagerbestände eine logistische Reichweite von 11 bis 13 Wochen haben. Hier sind wir somit ebenfalls auf der sicheren Seite.

Schwieriger verhält es sich mit Einweghandschuhen. Diese sind nach wie vor in guter Qualität und zu akzeptablen Preisen nicht ganz leicht zu beschaffen, sodass wir hier über Bestände für den Bedarf von etwa vier Wochen verfügen.

Als nach wie vor angespannt zu bezeichnen ist hingegen die Beschaffungslage bei FFP3-Masken, Schutzkitteln, Schutzanzügen und Schutzbrillen. Diesbezüglich haben wir aktuell nur genügend Vorräte für ein paar Tage.

Diese enormen Mengen an Material zu beschaffen ist das eine. Es in die Fläche zu den Landratsämtern bzw. Verwaltungen der kreisfreien Städte und den dort angesiedelten
96 Führungsgruppen Katastrophenschutz (FüGK) zu bringen, ist das andere. Dort wiederum kann es anschließend an die Bedarfsträger –  Kliniken, Alten- und Pflegeheimen, Ärzte und viele mehr – verteilt werden.

Diese logistische Herausforderung meistert der Landesverband Bayern des Technischen Hilfswerks von Beginn an mustergültig. Er managt seit vielen Wochen das in der Nähe von München befindliche Zentrallager, über das sämtliche für Bayern bestimmte Lieferungen an Schutzausrüstung eingehen. Zunächst überprüfen dort Mitarbeiter des LGL die Qualität der Ware. Das THW erledigt die Erfassung des Bestandes, die Kommissionierung und sodann den Transport in die Fläche. Für das Lagermanagement sind täglich rund 40 Helferinnen und Helfer vor Ort. Weitere ehrenamtliche Einsatzkräfte aus ganz Bayern kommen an den sogenannten „Transporttagen“ mit eigenen LKWs dazu. Um all diese Aufgaben zu erfüllen, hat das THW täglich bis zu 350 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Einsatz. Den bis dato volumenmäßig größten Flächentransport hat es Anfang dieser Woche abgewickelt: Binnen eines Tages wurden gut 900 Palletten verladen und zu den Empfängern verbracht. Diese erhielten insgesamt mehr als 10 Millionen OP-Masken, 1,4 Millionen FFP2-Masken, 40.000 Liter Desinfektionsmittel und größere Mengen Schutzanzüge und Schutzkittel.

Jenseits solcher Großtransporte hilft das THW aber auch, wenn etwa aus unvorhersehbaren Umständen kurzfristig in einer Klinik oder einem Pflegeheim ein akuter Mangel an einer Ressource auftritt. So hatten wir an einigen Hotspots immer wieder den Fall, dass Kliniken binnen weniger Stunden mit einer derart großen Anzahl an neu infizierten Patienten konfrontiert waren und deshalb alles verfügbare Personal aus der Freizeit holen mussten, dass in kurzer Frist einzelne Schutzmittel bedenklich knapp wurden. In solchen Fällen fährt kurzfristig ein Kleintransporter des THW von München aus los, um z. B. einige hundert Schutzmasken auszuliefern. Das verschafft dem unter Druck geratenen Bedarfsträger genügend Zeit, um sich auf regulärem Wege wieder zu versorgen und die Bestände aufzufüllen.

Gemeinsam bringen wir was weiter!

Mit besten Grüßen

Ihr
Joachim Herrmann, MdL
Joachim Herrmann, MdL
Staatsminister


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