112 Newsletter: Einsatz des Rettungsdienstes
© BRK Kreisverband Berchtesgadener Land

112 Newsletter vom 08. April 2020

Liebe Leserinnen und Leser,

Stand heute, Mittwoch, 10:00 Uhr, haben wir in Bayern 28.053 Corona-Infektionen (+ 1.486 im Vergleich zum Vortag, + 5,6 Prozent) zu verzeichnen. Wiedergenesen sind amtlich ausgewiesen 7.900 Personen, das sind 1.240 mehr als gestern. Damit nähern sich die jeweilige Anzahl der neu Infizierten (1.486) und die der Genesenen (1.240) deutlich an. Es ist zu hoffen, dass bald pro Tag mehr Menschen gesund werden, als neu erkranken, denn mit dieser Entwicklung wird mittelfristig eine deutliche Entlastung des Gesundheitssystems einhergehen. Positiv bewerten wir auch die Belegung der Intensivbetten mit Corona-Patienten. Hier stellen wir seit einigen Tagen auf einem Niveau von ca. 900 Intensivpatienten eine sich stabilisierende Seitwärtsentwicklung fest. Ebenfalls sehr positiv zu bewerten ist die ansteigende Verdoppelungszeit bei Neuinfektionen. Kommen wir ursprünglich von 2,8 Tagen Verdoppelungszeit, so dauert es aktuell 9,9 Tage, bis sich die Zahl der neu Infizierten statistisch verdoppelt. Dieser Wert nähert sich langsam der stabil erforderlichen Zielmarke von 10 bis 12 Tagen an, bei der die Experten von einer relevanten Abflachung der Infektionswelle sprechen.

Diese Werte bilden die Zahlen für ganz Bayern ab. Wie Sie wissen, haben wir gerade bei der Auslastung der Kliniken deutliche regionale Unterschiede. Zuversichtlich stimmt, dass selbst dort, wo als Folge eines infektionsbezogenen Hotspot-Geschehens Kliniken an die Totalauslastung kamen, diese sich langsam wieder Luft verschaffen können.

Leider muss ich aber auch Wasser in den Wein gießen. So wurden uns heute 94 neue Corona-Todesfälle gemeldet, sodass sich die Gesamtzahl auf 589 erhöht. Brennpunkte bilden hier immer wieder Alten- und Pflegeheime. Dies ist ein Umstand, dem sich das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit mit seiner Task Force Infektiologie verstärkt vor Ort in den Einrichtungen widmen wird. Deren Einsatzmöglichkeiten reichen von der reinen Hygieneberatung bis zur Anordnung von Quarantänemaßnahmen.

Das Zwischenfazit lautet: Nach der Einschätzung zahlreicher Fachleute haben wir die Spitze des Infektionsgeschehens noch nicht erreicht, diese haben wir hoffentlich bald erreicht. Insgesamt scheint sich die Infektionslage aber einigermaßen günstig zu entwickeln.

Mit dem morgigen Gründonnerstag beginnen die Ostertage im engeren Sinne. Karfreitag und Ostermontag sind zwei gesetzliche Feiertage, die denen, die sich derzeit nicht im Urlaub befinden, zumindest ein ordentlich verlängertes Wochenende bescheren. Glaubt man den Wetterfröschen, dann werden die kommenden Tage durchweg gutes Wetter bringen, das zum Aufenthalt im Freien einladen wird. Gerade unter dem Eindruck der Ausgangsbeschränkungen, die natürlich die sozialen Kontakte stark reduzieren, angesichts umfangreich eingerichteter Homeoffices, das zahlreiche Menschen weit mehr in den eigenen vier Wänden halten als sonst, und als Folge eines merkbar stärker werdenden sozialen Drucks in den Familien, wo sich Kinder hauptsächlich in der Wohnung aufhalten und deshalb die Familienmitglieder viel stärker „aufeinander hocken“ als sonst, wird der Drang noch größer sein, ins Freie zu gehen. Damit stehen wir neuerlich und verstärkt vor der Herausforderung, die rechte Balance zu finden, nach der die Menschen ihren Freiheitsdrang bestmöglich ausleben können, ohne dass darüber die gesundheits- und lebensschützenden Ge- und Verbote aus den Augen verloren werden.

Diese widerstreitenden Anforderungen in die Waage zu bringen wird allen ein großes Maß an Selbstdisziplin abverlangen. Ich weiß, dass es schlicht nervt, sich so stark beschränken zu müssen. Und wahrscheinlich nerve auch ich Sie mit meinen täglichen Appellen. Aber es hilft nichts. Wir müssen die Corona-Verordnung umsetzen und mit Leben erfüllen. Dies ist kein Selbstzweck und ist auch keine Schikane, sondern hat gute Gründe. Denn es geht um die Gesundheit und das Leben vieler Menschen.

Gerade nach den Erfahrungen des vergangenen Wochenendes bin ich sehr zuversichtlich, dass wir alle die Aufgabe gemeinsam bewältigen. Die größte Herausforderung wird wohl darin bestehen, vor allem an touristischen Sehenswürdigkeiten, in beliebten Ausflugs- und Wanderregionen, an Bayerns Seen und malerischen Flussabschnitten sowie in innerstädtischen Parks und Plätzen dafür zu sorgen, dass keine unangemessenen Menschenansammlungen entstehen. Denn dort, wo es am Schönsten ist, da zieht es die Leute am stärksten hin und dort kann es dann im sprichwörtlichen Sinne eng werden.

Nach der Verordnungslage ist es nicht ausdrücklich verboten, sich an die attraktivsten Örtlichkeiten Bayerns zu begeben, auch wenn dies eine Anreise mit dem Kraftfahrzeug bedeutet.  

ABER: Kein Mensch und keine Behörde kann im Vorhinein prognostizieren oder gar steuern, ob sich ausreichend wenige Menschen auf den Weg machen und dadurch die unerwünschten Phänomene von Menschenansammlungen tatsächlich ausbleiben. Deshalb ist die Gefahr konkret, dass es zu viele werden.

DESHALB: Überlassen wir auch an diesem langen Wochenende das Tegernseer Tal, Garmisch-Partenkirchen mit dem Werdenfelser Land, das Berchtesgadener Land, das Fränkische Seenland und all die anderen touristischen Zentren in Bayern den Einheimischen und verschaffen wir uns die nötige Bewegung in unserem jeweiligen regionalen Umfeld unserer eigenen Wohnung. Je näher, desto besser!

Und auch wenn das für dieses Wochenende ein schwacher Trost ist: Tegernseer Tal, Fränkisches Seenland und Co. sollen ja nicht für immer tabu sein. Es geht nur um ein paar Wochen. Je mehr wir uns jetzt am Riemen reißen, umso schneller werden die Ausgangsbeschränkungen überflüssig und umso eher können wir ohne schlechtes Gewissen wieder in die Berge. Und dass die Mittelgebirge, die Seen und die Bayerischen Alpen dann noch da sein werden, wenn die Ausgangsbeschränkungen wieder aufgehoben sind, da bin ich mir absolut sicher.

Das sind die generellen Maßgaben, die, wie ich immer wieder höre, vergleichsweise leicht zu vermitteln sind. Schwieriger wird es, wenn im Einzelfall konkrete Betroffenheiten entstehen. Hierzu erreichen das Innenministerium eine Unzahl von Fragen. Darf ich dieses, darf ich jenes? Meine „Lieblingsfrage“ ist nach wie vor die nach der Zulässigkeit einer Fahrt in die Kreisstadt, um in einer Zoohandlung einen Wellensittich zu erwerben, nachdem in einer Wellensittich-WG plötzlich und unerwartet ein Tier eingegangen ist und aus Gründen des Tierwohls der „hinterbliebene“ Wellensittich unbedingt noch am selben Tag einen neuen Partner bekommen sollte. Auch wenn sich die meisten Fragen auf alltagsnähere und gravierendere Situationen beziehen, so spricht aus dem vielfachen Informationsbedarf, wie stark Corona die Menschen verunsichert. Sie möchten auch im Corona-Alltag nach Möglichkeit alles das tun, was sie in normalen Zeiten tun, wissen aber nicht, wie weit sie sich vorwagen dürfen. Dabei könnten die meisten Fragen vom Petenten selbst beantwortet werden, wenn sie sich die zentralen Botschaften der vorläufigen Ausgangsbeschränkung ins Gedächtnis rufen.

Zu aller erst gilt: Wir haben KEINE Ausgangssperre, sondern eine Ausgangsbeschränkung.

Deshalb zielt die erste Frage darauf, OB und nach welchen Maßgaben jemand die Wohnung verlassen darf. Das ist dann der Fall, wenn triftige Gründe vorliegen, etwa das Aufsuchen der Arbeitsstätte, der Arztbesuch, oder um sich an der frischen Luft zu bewegen oder Sport zu treiben. Die gesamte Liste der Regelbeispiele finden sich in § 4 der Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung.

Die zweite Frage zielt darauf, WIE man sich im Freien regelkonform verhalten muss. Hier lautet der Grundsatz „so, dass das Virus keine Chance hat, auf mich oder andere überzuspringen“. Dies gewährleistet zu aller erst der gesetzlich vorgegebene Mindestabstand von 1,5 Meter zu Personen, mit denen man nicht im selben Hausstand lebt. Aber natürlich ist jede weitere Verhaltensweise hilfreich, die dem Virus den Weg abschneidet. Also: im Stadtpark keine spontanen Ballspielgruppen bilden, auch wenn die Mitspieler weiter als 1,5 Meter auseinander bleiben, nicht die Kleidungsstücke mehrerer Personen auf einen Haufen werfen etc. Umgekehrt ist ein persönliches Verhalten so lange unbedenklich, wie das Infektionsrisiko gering ist. Deshalb ist das Sitzen auf einer Parkbank auch nicht per se verboten, sondern nur dann, wenn sich dort gleichzeitig so viele Menschen niederlassen, dass der Mindestabstand nicht eingehalten werden kann. Ob der Parkbanksitzer dann ziellos in den Himmel starrt, ein Buch liest oder eine Semmel verzehrt, ist nachrangig. Und auch das Sitzen auf einer Decke im Park ist nicht per se verboten, sondern nur dann ordnungswidrig, wenn die Leute zu nahe beieinander lagern.

Deshalb werbe ich bei der Beurteilung der Frage, was erlaubt ist und was nicht geht, für eine pragmatische Herangehensweise, die aber nie das Ziel aus dem Auge verliert, ein Ansteckungsrisiko möglichst auszuschließen. Wer so verfährt, wird weder mit den anderen Menschen Schwierigkeiten bekommen, noch mit der örtlich zuständigen Polizei. Diese wird auch dieses Wochenende durch die Bereitschaftspolizei massiv verstärkt und für eine Einhaltung der Beschränkungen sorgen.

Krankenschwestern, Krankenpfleger und das pflegende Personal in Alten- und Pflegeheimen sowie der ambulanten Pflege leisten in der aktuellen Krise mit ihren besonderen Belastungen Herausragendes. Dafür kann man gar nicht oft genug DANKE! sagen. Deshalb hat der Ministerrat beschlossen, sich bei diesen tapferen Menschen nicht nur mit Worten, sondern auch mit Taten zu bedanken und jedem professionell Pflegenden eine einmalige Bonuszahlung zu gewähren. Wer mehr als 25 Stunden pro Woche arbeitet, erhält 500 Euro, alle anderen 300 Euro. Als der für den Rettungsdienst zuständige Minister freue ich mich sehr, dass in gleicher Weise auch die im Rettungsdienst tätigen Menschen in den Genuss der Prämie kommen. Namentlich sind dies Notfallsanitäter, Rettungsassistenten und Rettungssanitäter.  

Mit besten Grüßen

Ihr
Joachim Herrmann, MdL
Joachim Herrmann, MdL
Staatsminister


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