112 Newsletter: Einsatz des Rettungsdienstes
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112 Newsletter vom 11. April 2020

Liebe Leserinnen und Leser,

Stand heute, Karsamstag, 10:00 Uhr, haben wir in Bayern 31.773 Corona-Infektionen (+ 911 im Vergleich zum Vortag) zu verzeichnen. Dieser niedrige Wert mag einer „Feiertagsdelle“ geschuldet sein, weil einzelne Labore am gestrigen Karfreitag nicht gearbeitet haben, ist aber gleichwohl erfreulich. Wiedergenesen sind amtlich ausgewiesen 11.970 Personen, das sind 1.250 mehr als gestern. Damit hat die Anzahl der an innerhalb von 24 Stunden Genesenen (1.250) die Anzahl der neu Infizierten (911) zum zweiten Mal wieder unterschritten, nachdem diese Werte sich gestern leider umgekehrt zueinander verhalten hatten. Es ist zu hoffen, dass sich der positive Effekt stabilisiert und verstärkt, denn er würde ein sukzessives Abnehmen der Gesamtzahl der aktuell erkrankten Personen und damit eine Reduzierung des coronabedingten Belastungsdrucks aus dem Gesundheitssystem bedeuten. 

Ausgesprochen positiv zu sehen ist auch die sog. Verdoppelungszeit, also die Zeitspanne, innerhalb derer sich die Zahl der Infizierten verdoppelt. Die Verdoppelungszeit liegt heute bei 15,1 Tagen und hält sich damit im Umfeld der von den Fachleuten als günstig bewerteten Zielmarke 12 bis 14 Tagen.   

An einer Corona-Infektion sind weitere 39 Patienten verstorben (gestern + 68), sodass sich in Bayern nun die Gesamtzahl auf 760 Todesfälle beläuft.

Ein Blick auf die Altersstruktur der Erkrankten und der Verstorbenen zeigt einmal mehr das besondere Gefährdungspotential des Corona-Virus für unsere Senioren. In der Alterskategorie 15. bis 59. Lebensjahr haben sich in Bayern bisher knapp 23.300 Personen nachgewiesen infiziert. An COVID-19 verstorben sind aus dieser Kohorte bisher 31 Personen.

Demgegenüber stehen in der Altersgruppe 60. Lebensjahr und älter „lediglich“ gut 9.300 Infizierte zu Buche, von denen aber sage und schreibe 729 verstorben sind. Dieser weit überdurchschnittlichen Belastung der Seniorinnen und Senioren wird auch weiterhin größte Aufmerksamkeit zu widmen sein und ein besonders starkes Augenmerk wird vor allem der Situation in Alten- und Pflegeheimen gelten müssen.

Auch wenn sich also wichtige Entwicklungen und die sie kennzeichnenden Parameter als sehr deutlich Hoffnung gebend darstellen, so ist doch insgesamt noch nichts gewonnen, aber es kann noch alles verspielt werden. Dies dann, wenn wir die Geduld verlieren und uns zu früh wieder zu sorglos verhalten würden. Ich will hier gerne einmal mehr ein Bild aus dem Sport gebrauchen. Das Fußballspiel ist erst dann aus, wenn der Schiedsrichter dreimal gepfiffen hat, nicht vorher. Auch wenn dieses Beispiel speziell Anhängern des FC Bayern München, der ich auch einer bin, weh tun mag, so verwende ich es doch:  Es hilft gar nichts, wenn man bis zur 87. Minute im Championsleague-Finale führt, dann aber aufgrund verständlicher Freude, es fast geschafft zu haben, unkonzentriert wird, die Führung verspielt und am Ende das Spiel verliert.

Das darf uns nicht passieren. Deshalb bin ich sehr froh, dass sich nach den ersten Berichten der Polizei auch heute die Menschen im Freistaat in ihrer weit überwiegenden Zahl wieder ausgesprochen vernünftig verhalten. In den Haupttourismusgebieten sind fast nur Einheimische, Menschenansammlungen, die die Polizei zum Einschreiten veranlassen müssen, finden dort kaum statt. In den großstädtischen Parks tummeln sich zahlreiche Menschen, die aber sehr darauf achten, den Mindestabstand einzuhalten. Diese Lage am heutigen Tage stimmt mich hoffnungsfroh, dass wir auch morgen und am Montag gut durchkommen werden.

Die derzeit geltenden Einreiseregelungen hatten u.a. dazu geführt, dass im Gegensatz zu der seit Jahrzehnten geübten Praxis die in der Landwirtschaft und im Gartenbau tätigen Erntehelferinnen und Erntehelfer, die oft auch als Saisonarbeitskräfte bezeichnet werden, heuer nicht nach Deutschland kommen konnten. Betroffen hatte dies insbesondere Frauen und Männer aus Osteuropa, vor allem aus Rumänien, die meist für sechs Wochen bis zu drei Monate nach Deutschland kamen, um hier auf Spargelfeldern, in Weinbergen oder in Gemüsegärten Helfertätigkeiten auszuüben. Dass dies unter dem Eindruck der Corona-Restriktionen nun nicht mehr möglich war, hatte zu großen Besorgnissen und tatsächlichen Problemen in der Landwirtschaft und im Gartenbau geführt. Denn die unter pandemischen Gesichtspunkten vermeintlich günstigere Ersatzlösung, an Stelle der Saisonarbeitskräfte einheimischen Arbeitslosen oder Kurzarbeitern bzw. bereits im Land befindlichen Asylbewerbern eine Beschäftigungsaufnahme in der Urproduktion anzubieten, war nicht im erwarteten Maße von Erfolg gekrönt. In der Folge war die Gefahr von massiven Ernteausfällen in der heimischen Lebensmittelproduktion aufgrund Arbeitskräftemangels erheblich gestiegen.

Daraufhin hatte die Bundesregierung ein Maßnahmenbündel geschnürt, das es einerseits den Betrieben erlauben sollte, in begrenztem Umfang nach einem fest definierten Verfahren doch wieder ausländische Erntehelfer ins Land zu holen, ohne dadurch andererseits unkalkulierbare epidemische Risiken einzugehen.

Zentrales Element des Verfahrens ist es, dass den Saisonarbeitskräften eine Individualanreise und eine Anfahrt auf dem Landweg ausdrücklich untersagt sind. Vielmehr ist allein eine von den Bauernverbänden zu organisierende Anreise per Flugzeug gestattet, die ausschließlich über fest vorgegebene Flughäfen zu bestimmten Zeiten und nach rechtzeitiger vorheriger Übermittlung der Passagierlisten erfolgen kann. Für Bayern hat der an das Fränkische Knoblauchsland angrenzende und nahe zu den bayerischen Spargelanbaugebieten liegende Flughafen Nürnberg – Albrecht Dürer – den Zuschlag für die Abfertigung der Erntehelfer-Charterflüge erhalten.

Gestern am Karfreitag war es dann soweit. Die ersten 350 EU-Bürger aus Rumänien sind mit zwei Sondermaschinen in Nürnberg gelandet und haben sich sogleich dem strengen Einreiseprocedere unterzogen. Nach der grenzpolizeilichen Einreisekontrolle durch die Grenzpolizeiinspektion Nürnberg ging es zum Medizincheck, den der Bayerische Bauernverband organisieren und bezahlen muss. Einreisende, die beide Hürden genommen hatten, wurden mit einem von den aufnehmenden Betrieben organisierten Shuttledienst unmittelbar zum Betrieb des jeweiligen Arbeitgebers verbracht. Dort werden die ausländischen Arbeitskräfte während ihres Ernteeinsatzes wohnen. Die Erntehelfer unterliegen zunächst einer 14-tägigen Quarantäne. Diese erlaubt es zwar, auf dem Betrieb und den dazugehörigen Feldern und Gärten zu arbeiten, ansonsten frei bewegen dürfen sich die Saisonarbeiter aber in den ersten zwei Wochen nicht. Dies bedeutet u.a., dass sie weder in eine nahe Ortschaft zum Einkaufen, noch in der Freizeit außerhalb des Betriebsgeländes spazieren gehen dürfen. Die Restriktionen entfallen erst nach dem Ende der 14-tägigen Karenzzeit, sofern diese komplikationslos verlaufen ist.

Abweichend von den für die vergangenen Wochenenden unter dem Eindruck der Corona-Krise gelockerten Ladenöffnungszeiten an Sonn- und Feiertagen bleiben Ostersonntag und Ostermontag die Geschäfte im Lebensmitteleinzelhandel geschlossen. Faktisch gelten die hergebrachten Regelungen, wie sie „in normalen Zeiten“ maßgeblich sind. Dies schließt ausdrücklich die spezifischen Ladenöffnungszeiten an Sonn- und Feiertagen für Cafès mit Ladenverkauf, Bäckereien, Bahnhofsgeschäften und Tankstellen ein, sodass hier business as usual gilt.

Die Staatsregierung hat aus Gründen der Versorgungssicherheit keine Notwendigkeit gesehen, den Lebensmitteleinzelhandel an den Osterfeiertagen öffnen zu lassen. Denn der Verkauf von Speisen und Getränken „über die Straße“ aus den Gaststätten heraus geht ohnehin uneingeschränkt weiter. Zudem haben sich die Menschen heute mit frischem Obst und Gemüse eindecken können und bereits am Dienstag haben die Lebensmittelhändler wieder regulär geöffnet. Verhungern muss also niemand. Und lassen Sie mich noch eines sagen: Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Supermärkten und Geschäften des täglichen Bedarfs haben sich eine kleine Verschnaufpause über die Feiertage mehr als verdient. Sie haben in den zurückliegenden Wochen Enormes geleistet und mit ihrer Arbeit dazu beigetragen, dass stets ein ausreichendes, meist sogar ein üppiges Sortiment in den Regalen lag. Dies hat den Menschen die Angst vor einer coronabedingten Notlage genommen und die „Hamsterwellen“ abebben lassen. Diese Leistung ist für die Akzeptanz der Beschränkungen und die Stimmung im Lande gar nicht hoch genug einzuschätzen, hierfür sage ich ein herzliches Vergelt`s Gott!

Allen, die über die Feiertage in Sachen Corona in den Kliniken, den Führungsgruppen Katastrophenschutz oder andernorts arbeiten müssen oder aber generell für die Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung aktiv sind, denen danke ich sehr für ihren großartigen Dienst an der Allgemeinheit.

Ihnen allen und den in der Freizeit befindlichen Leserinnen und Lesern wünsche ich von Herzen frohe und gesegnete Ostern!

Mit besten Grüßen

Ihr
Joachim Herrmann, MdL
Joachim Herrmann, MdL
Staatsminister


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