112 Newsletter: Einsatz des Rettungsdienstes
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112 Newsletter vom 19. April 2020

Liebe Leserinnen und Leser,

Stand heute, Sonntag, 10:00 Uhr, haben wir in Bayern 37.786 bestätigte Corona-Infektionen zu verzeichnen (+ 532 im Vergleich zum Vortag, + 1,4 Prozent). Wiedergenesen sind amtlich ausgewiesen 21.620 Personen, das sind 740 mehr als gestern (+ 3,5 Prozent). Damit liegt die Anzahl der innerhalb von 24 Stunden Genesenen (740) stabil und deutlich über der Anzahl der neu Infizierten (532), wenn auch nicht mehr so deutlich überschießend wie gestern. Ohnedies müssen diese sehr günstigen Zahlen mit einem gewissen Vorbehalt versehen werden. Denn wie wir aus den letzten Wochen wissen, liegen die an Sonntagen ausgewiesenen Zahlen im Vergleich der Wochentage stets am unteren Ende der Bandbreite. Dieser als „Sonntagsdelle“ zu bezeichnende Effekt dürfte mit einer über das Wochenende bei einigen Laboren eingeschränkten Untersuchungstätigkeit zusammenhängen. Rückblickend haben sich die Sonntagszahlen stets hinreichend so valide gezeigt, dass sie jedenfalls als Lageindikator taugen. Und danach kann eindeutig festgehalten werden, dass sich die Pandemie in Bayern derzeit innerhalb des in den letzten Wochen entstandenen Korridors von etwa 500 bis 1.500 Neuerkrankungen pro Tag linear bewegt. Eine exponentiell steigende Infektionswelle ist derzeit nicht zu verzeichnen. Dies ist eindeutig die Folge des weitgehenden Shutdowns, der nach wie vor für weite Teile der Gesellschaft und der Wirtschaft gilt.

An einer Corona-Infektion sind weitere 45 Patienten (+ 3,7 Prozent) verstorben (gestern + 62), sodass sich in Bayern nun die Gesamtzahl auf 1.272 Todesfälle beläuft.

Die Reproduktionszahl R, die angibt, wie viele weitere Personen ein Infizierter statistisch ansteckt, ehe er selbst gesundet oder verstirbt, liegt tagesaktuell bei R=0,6. Dieser Wert, der heute ca. einen Zehntelpunkt günstiger liegt als gestern und den für Bayern das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) zusammen mit der Ludwig-Maximilians-Universität München berechnet hat, liefert bedeutsame Indizien für die Einschätzung des Verlaufs der Pandemie. Ich bleibe bei meiner vorsichtigen Einschätzung: Wir dürfen uns von den aktuell günstig erscheinenden Zahlen nicht blenden lassen. Die Pandemie ist nicht vorbei, sie ist lediglich unter den Wirkungen der bisher ergriffenen Maßnahmen eingehegt. Deshalb müssen wir weiterhin höchst wachsam beobachten, wie sich die Zahlen entwickeln, sobald die beschlossenen Lockerungen tatsächlich wirksam werden.

Betrachtet man die Verteilung der Infektions- und Todesfälle nach Geschlechtern und Alterskohorten, so ergibt sich folgendes Bild:

Stand heute haben sich in Bayern amtlich bestätigt 37.786 Menschen mit dem Corona-Virus infiziert. Davon sind 17.760 männlichen und 19.841 weiblichen Geschlechts. Bei 185 Infizierten wurde das Geschlecht statistisch nicht erfasst.

Bei den Alterskategorien verhält es sich wie folgt:

0 bis 59 Jahre: 26.276, davon 12.334 männlich, 13.796 weiblich, 146 unbekannt;
60 +: 11.510, davon 5.426 männlich, 6.045 weiblich, 39 unbekannt.

Stellt man diesen Infiziertenzahlen die Sterbefallzahlen gegenüber, so wird die Ungleichverteilung über die Alterskohorten sofort deutlich:

0 bis 59 Jahre: 42
60 +: 1.229, davon 816 Verstorbene >79.

Mit Blick auf die Geschlechterverteilung verhalten sich die Todesfälle männlicher und weiblicher Personen etwa 7:6.

Hauptgefährdet, an Corona zu versterben, sind insoweit Männer über dem 60. Lebensjahr. Dies wird noch augenfälliger, wenn man bedenkt, dass der Anteil der Männer an der Gesamtbevölkerung mit zunehmendem Alter deutlich sinkt. Denn laut Statistischem Bundesamt (2018) bilden Frauen in den Altersgruppen ab 60 die Mehrheit (60 bis 69: 51,4 Prozent; 70 bis 79: 54,9 Prozent; 80 bis 84: 62,3 Prozent; 85 +: 72,8 Prozent).

Angesichts dieser statistischen Werte erschließt sich leicht, warum das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) den Alten- und Pflegeheimen besondere Aufmerksamkeit widmet, nachdem dort die besonders gefährdeten Menschen geballt und in absoluter räumlicher Nähe zusammenleben. Eine der zentralen Maßnahmen des LGL war die Aufstellung einer Task Force, die mittlerweile auf 70 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Personal aufgestockt wurde, das im Hauptamt für den Medizinischen Dienst der Krankenkassen arbeitet und insoweit mit der Situation in den Altenheimen professionell vertraut ist.

Möglichst schon beim ersten Auftreten eines positiven Corona-Falles in einem Heim kommen Mitglieder der Task Force vor Ort, um die Heimbetreiber beim Umgang mit der Situation intensiv zu beraten. Im Kern geht es hierbei in der Regel um Fragen der Ausgestaltung einer Quarantäne, die Verlegung von Heimbewohnern bis hin zur temporären Schließung von Abteilungen oder ganzen Einrichtungen.

Das Frühjahr generell und der Monat Mai im Besonderen gelten vielen Menschen als klassische Zeit im Jahr zum Heiraten. Kirchliche Trauungen finden momentan so gut wie nicht statt, weil insbesondere die großen christlichen Kirchen keine öffentlichen Gottesdienste abhalten.

Anders ist die Situation bei standesamtlichen Trauungen. Diese sind Amtshandlungen im staatlichen Aufgabenbereich und natürlich muss die öffentliche Hand auch auf diesem wichtigen Feld trotz Corona-Krise voll funktionsfähig sein, zumal mit einer standesamtlichen Eheschließung für die Brautleute und sich ggf. bereits ankündigendem Nachwuchs wichtige Rechtsfolgen verbunden sind. Ich hätte deshalb kein Verständnis, würden Standesämter Eheschließungswünsche auf die sprichwörtliche lange Bank schieben.

Die Trauung als solche ist eine Amtshandlung und unterfällt somit nicht dem Veranstaltungsverbot der Zweiten Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung. Damit dürfen an der Trauung alle Personen teilnehmen, die nach den rechtlichen Regularien für eine rechtswirksame Eheschließung zwingend erforderlich sind. Das sind die Brautleute und der Standesbeamte bzw. die Standesbeamtin. Trauzeugen sind seit einer Gesetzesänderung Ende der 1990er Jahre nicht mehr zwingend erforderlich, wenngleich üblich. Unter Infektionsschutzgesichtspunkten wäre es somit am günstigsten, es wären allein die drei zwingend erforderlichen Personen im Raum.

ABER: Den Bund fürs Leben zu schließen ist im Leben zweier Menschen ein ganz entscheidender und auch emotionaler Schritt, bei dem es zumindest den Eltern der Brautleute und einigen wenigen sehr engen Angehörigen möglich sein sollte, der Zeremonie beizuwohnen. Deshalb habe ich die zuständige Fachabteilung meines Hauses gebeten, der Regierung von Mittelfranken, die für das Standesamtswesen als obere Fachaufsichtsbehörde für ganz Bayern fungiert, mitzuteilen, dass ich die Anwesenheit einer kleinen Hochzeitsgesellschaft bei der standesamtlichen Trauung, aber nicht für eine anschließende Feier, für vertretbar halte, wenn die Gesamtzahl der Anwesenden – einschließlich Brautleute und Standesbeamter – zehn Personen möglichst nicht überschreitet und die einschlägigen infektionsschutzrechtlichen Vorgaben wie der Mindestabstand eingehalten werden.

Mit Blick auf die Einhaltung der Ausgangsbeschränkungen werden wir über die Zahlen dieses Wochenendes erst zu Anfang der neuen Woche verfügen. Deshalb will ich es an dieser Stelle bei einem kurzen Blitzlicht belassen.

Am Samstag war ein sehr reges Ausflugsgeschehen zu verzeichnen, das in Quantität und Intensität deutlich stärker war als am Osterwochenende. Leider waren verschiedene „klassische“ Ausflugsgebiete im Voralpenland zu stark frequentiert und es ist zu dichteren Personenansammlungen gekommen, die die Polizei auf den Plan gerufen haben.

Am heutigen Sonntag war das Geschehen deutlich ruhiger und gerade in den großen Parks und Grünanlagen unserer Städte haben die Menschen ganz offensichtlich darauf geachtet, den geforderten Mindestabstand einzuhalten. Zur Entzerrung dürfte heute der starke Fahrradverkehr beigetragen haben, der insbesondere viele Münchner und Nürnberger in das erweiterte Umland ihrer Metropolen geführt hat.

Hinweisen darf ich auf einen Aspekt, der mir in der öffentlichen Wahrnehmung bisher nicht ausreichend Beachtung zu finden scheint. Morgen, Montag, 00:00 Uhr, tritt die Zweite Bayerische Infektionsschutzmaßnahmenverordnung in Kraft. Mit dieser verbindet sich nicht nur die Öffnung von Baumärkten und Gartencentern, sondern – wesentlich weitreichender – das Gebot, in geöffneten Geschäften und im Öffentlichen Personennahverkehr Mund- und Nasenschutz zu tragen. Dies gilt ausdrücklich nicht nur für Ladengeschäfte, die ab morgen oder Montag nächster Woche wieder öffnen dürfen, sondern für alle geöffneten Geschäfte. Also ausdrücklich auch für solche, die in den letzten Wochen geöffnet hatten. Zu nennen sind insbesondere Lebensmittelgeschäfte, Supermärkte, Bäckereien und Metzgereien. Ich kann nur hoffen, dass die Menschen in Bayern sich an diesem Punkt ihrer Verantwortung bewusst sind und umfassend Schutzmasken tragen, denn sonst wird die Staatsregierung kaum umhin kommen, schon bald eine MaskenPFLICHT einzuführen.

Abschließend habe ich noch die traurige Pflicht, Ihnen mitzuteilen, dass die Bayerische Polizei den ersten Todesfall eines an Corona erkrankten und im aktiven Dienst befindlichen Mitarbeiters zu beklagen hat. Gestern ist ein 57-jähriger Polizeihauptkommissar auf der Intensivstation eines oberbayerischen Klinikums seiner Corona-Infektion erlegen, die er sich allem Anschein nach als Kontaktperson der Stufe 1 vor einigen Wochen im Dienst zugezogen hatte. Der Tod des Beamten erfüllt mich mit tiefer Trauer und unser ganzes Mitgefühl gilt den Hinterbliebenen. Möge er in Frieden ruhen!

Bleiben Sie wachsam!

Mit besten Grüßen

Ihr
Joachim Herrmann, MdL
Joachim Herrmann, MdL
Staatsminister


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