112 Newsletter: Einsatz des Rettungsdienstes
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112 Newsletter vom 22. April 2020

Liebe Leserinnen und Leser, 

wie immer darf ich Ihnen am Anfang dieses Newsletters einen kurzen statistischen Überblick zur Corona-Lage in Bayern geben. Stand heute, Mittwoch, 10:00 Uhr, haben wir in Bayern 39.190 bestätigte Corona-Infektionen zu verzeichnen (+ 572 im Vergleich zum Vortag, + 1,5 Prozent). Wiedergenesen sind amtlich ausgewiesen 20.290 Personen, das sind 1.440 mehr als gestern (+ 7,6 Prozent).

An einer Corona-Infektion sind weitere 89 Patienten (+ 4,2 Prozent) verstorben (gestern +55), sodass sich in Bayern nun die Gesamtzahl auf 1.443 Todesfälle beläuft.

Die Reproduktionszahl R, die angibt, wie viele weitere Personen ein Infizierter statistisch ansteckt, ehe er selbst gesundet oder verstirbt, liegt nach den Berechnungen des Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) weiter bei R=0,6.

Die sog. „Sieben-Tage-Inzidenz“, das ist die Zahl der innerhalb von sieben Tagen registrierten Neuinfektionen, bezogen auf 100.000 Einwohner, mithin eine statistische Größe, die über alle unterschiedlich großen Landkreise und kreisfreien Städte hinweg eine gewisse Vergleichbarkeit herstellt, liegt heute bei guten 34 Fällen. Dass sich aber die Lage an den Hotspots erheblich unterscheiden kann, zeigen die Sieben-Tage-Inzidenzen für die derzeit am stärksten betroffenen Landkreise bzw. kreisfreien Städte. So liegt diese Zahl für die Stadt Straubing heute bei 150,7 (gestern 144,4), für den Landkreis Neustadt a.d. Waldnaab bei 106,0 und für die Stadt Weiden i.d.Opf. bei 103,0.

Erst auf den Plätzen 5 und 6 der Hotspotliste folgen die Stadt und der Landkreis Rosenheim, wodurch im Kleinen die Tendenz im Großen belegt ist, dass sich die Lage auch im ursprünglich am Stärksten betroffenen südlichen Oberbayern langsam aber stetig entspannt.

Gestern hatte ich Sie darüber informiert, dass Lockerungen insbesondere der mit der Zweiten Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung verbundenen Einschränkungen regelmäßig mit hygieneförderlichen Kompensationsmaßnahmen einhergehen. Stand gestern aus Gründen der Tagesaktualität und des besonderen medialen Interesses die ab kommenden Montag, 27. April 2020, 00:00 Uhr, geltende Maskentragepflicht im Zentrum meiner Ausführungen, so möchte ich heute den Fokus auf einen weiteren zentralen Ansatz der bayerischen Corona-Bekämpfungsstrategie legen, die sog. Containment- und Tracing-Strategie. Hierzu hatte ich bereits mehrfach berichtet und darf Sie nun auf den neuesten Stand bringen.

Containment bedeutet, erkannte Infektionsquellen einzuhegen, um so die Weiterverbreitung des Virus und damit die Begründung immer neuer Infektionsketten zu unterbinden. Das Mittel der Wahl ist hierbei die Quarantäne.

Tracing meint, ausgehend von erkannten oder zumindest vermuteten Infektionen schnellstmöglich die Spur aufzunehmen und abzuklären, mit welchen Personen der neu Infizierte in jüngster Zeit in Kontakt war. Es geht also um die Rückverfolgung der Infektionskette und die Identifizierung weiterer infektiöser Personen durch Testung, um im „Trefferfall“ auch bei diesen über Quarantänemaßnahmen dem Virus den Weg zum nächsten Opfer abzuschneiden.

Containment und Tracing müssen optimal ineinandergreifen, um bestmögliche Ergebnisse zu erzielen. Dass dieser Ansatz praktikabel ist und auch wirkt, wissen wir bereits seit Beginn der Corona-Krise aus den im Zusammenhang mit den sog. Webasto-Fällen gewonnenen Erfahrungen. In den letzten Wochen haben wir den Ansatz konsequent ausgebaut und die Gesundheitsämter mit zusätzlichem Personal in einer vierstelligen Größenordnung verstärkt. Nunmehr geht es darum, die Maßnahmen zu intensivieren.

Dies bezieht sich zu aller erst auf das Management von Verdachtsfällen und die möglichst frühzeitige Erkennung von Infizierten. Sind in diesem Sinne Betroffene identifiziert, wird bisher eine häusliche Quarantäne nur bei leicht erkrankten Patienten, bei begründeten Verdachtsfällen sowie bei Personen angeordnet, die in engem Kontakt mit erhöhtem Infektionsrisiko zu einem COVID-19-Fall waren. In Zukunft soll diese Aufzählung nun um weitere symptomatische Verdachtsfälle erweitert werden. So sollen dann Personen, die Corona-relevante Erkrankungsanzeichen wie insbesondere trockenen Husten und hartnäckiges Räuspern zeigen, eindringlich angehalten werden, unverzüglich telefonisch den ärztlichen Bereitschaftsdienst oder den Hausarzt zu kontaktieren. Hält dieser nach der beschriebenen Symptomatik eine Testung für angezeigt, ist diese sofort vorzunehmen. Je nach Lage der Dinge folgen ggf. weitere Maßnahmen. Diese können ausdrücklich eine vorläufige häusliche Quarantäne beinhalten, die zunächst bis zum Vorliegen des Testergebnisses befristet ist.

Keine verfahrensbezogenen Änderungen wird es beim Umgang mit positiven Fällen und engen Kontaktpersonen (sog. Kategorie-1-Fälle) geben. Sofern für positiv getestete Personen nicht eine stationäre Behandlung erforderlich ist, werden diese auch weiterhin häuslich isoliert und ambulant betreut.

Das zuständige Gesundheitsamt überwacht die Einhaltung der Quarantäne. Kontaktpersonen kommen auch dann in Quarantäne, wenn sie keine Symptome zeigen.

Intensiviertes Containment und Tracing stehen und fallen in ihrer Wirksamkeit mit der sehr schnellen Laboruntersuchung möglichst vieler Tests. Dies beinhaltet ausdrücklich auch ggf. mehrfach zu wiederholende Reihenuntersuchungen bei Personal und Patienten von Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen, Altenheimen und vergleichbaren Einrichtungen, sofern dort COVID-19-Fälle aufgetreten sind. Um die Intensivierung der Probennahme auch unverzüglich labortechnisch abarbeiten zu können, wird die derzeit für Bayern zur Verfügung stehende Laborkapazität von etwa 15.000 Tests pro Tag auf dauerhaft 25.000 bis 30.000 Tests pro Tag hochgefahren.

Die Rückverfolgung von Infektionsketten wird spezialisierten Teams obliegen. Hierfür ist auf Bundesebene vereinbart, dass in den Ländern pro 20.000 Einwohnern je ein fünfköpfiges sog. Contact Tracing Team (CTT) vorzuhalten ist. Bayern übertrifft diesen Standard. Für diese Aufgabe und die weitere personelle Stärkung der Gesundheitsämter hat die Staatsregierung bereits in den letzten Wochen in mehreren Schritten ca. 4.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Staatsverwaltung den Gesundheitsbehörden zugewiesen. Aus dem Geschäftsbereich des Innenministeriums betrifft dies insbesondere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Landesamtes für Statistik. Weiterhin konnten 220 Medizinstudenten, 20 pensionierte Ärzte, 11 Ärzte des medizinischen Dienstes der Krankenkassen, 14 Ärzte der Bundesagentur für Arbeit und gut 60 befristet angestellte Ärzte für eine Verstärkung der bayerischen Gesundheitsverwaltung gewonnen werden.

Sicherlich haben Sie auch schon von einer in der Entwicklung befindlichen Tracing-App gehört. Diese wird sich auf freiwilliger Basis jedermann auf sein privates Smartphone herunterladen können. Stark vereinfachend dargestellt registriert die App fortlaufend anonymisierte Kennungen von gleichartigen Apps auf anderen Handys, die sich in unmittelbarer Nähe zueinander dann erkennen, wenn sich deren Besitzer in einem potentiell ansteckungsrelevanten Abstand zueinander befinden. Erhält die App eines bestimmten Smartphonebesitzers die Information, dass dieser positiv getestet ist, sendet die App ein Signal an alle anderen relevanten Apps bzw. Smartphones. Deren Besitzer erhalten lediglich die Information, DASS sie sich in der Nähe einer infizierten Person aufgehalten haben, aber nicht, wer das war, und können sich mit diesem Wissen ausgestattet umgehend testen lassen.

Die App soll als europäische Lösung und damit auch in den grenznachbarlichen Regionen etwa zu Österreich auch grenzüberschreitend einsetzbar konzipiert werden und den strengen EU-Datenschutzstandards genügen. Wann die App in den Echtbetrieb gehen wird, steht noch nicht genau fest. Angepeilt ist nunmehr Ende Mai/Anfang Juni.

Das Stichwort „grenznachbarliche Beziehungen“ gibt mir Gelegenheit, wieder einmal aufzuzeigen, wie vielfältig die Auswirkungen der Pandemie und der gegen sie ergriffenen Maßnahmen auf das tägliche Leben der Menschen sind. Als Folge der vom Bund angeordneten und verantworteten Grenzkontrollen zu Österreich ist auch der Grenzübergang Melleck/Steinpass nur unter ganz engen Voraussetzungen passierbar. Damit ist das sog. „Kleine deutsche Eck“, das die kürzeste Landverbindung zwischen der Landeshauptstadt Salzburg und dem salzburgischen Pinzgau bildet, aber über deutsches Hoheitsgebiet führt, grundsätzlich geschlossen. Dies hatte für die weit überwiegende Mehrzahl der täglich auf dieser Strecke von und nach Salzburg fahrenden Berufspendler zur Folge, dass sie einen ca. eineinhalb Stunden längeren innerösterreichischen Umweg in Kauf nehmen mussten – einfache Strecke wohlgemerkt.

Nach einem klärenden Gespräch meinerseits mit Bundesinnenminister Horst Seehofer und mehreren Abstimmungsgesprächen des Landespolizeipräsidenten mit dem zuständigen beamteten Staatssekretär im Bundesinnenministerium in Berlin ist es nun gelungen, mit der Bundespolizei eine wesentlich bürgerfreundlichere Lösung zu verfolgen. Im Kern privilegiert diese nunmehr alle Sparten berufspendelnder Personen und nicht nur, wie bisher, sog. „Schlüsselarbeitskräfte“ in Betrieben der kritischen Infrastruktur. Analog zum Verfahren an anderen bayerisch-österreichischen Grenzübergängen muss der Pendler eine Bescheinigung seines Arbeitgebers mitführen. Der Kontrollvorgang kann durch eine gut sichtbar auf dem Armaturenbrett abgelegte Pendlerbescheinigung beschleunigt werden.

Sehr erfreulich ist auch, dass nun die von Salzburg über Bad Reichenhall nach Zell am See und zurück verkehrende Regionalbuslinie den Betrieb wiederaufnehmen konnte.

Mit besten Grüßen

Ihr
Joachim Herrmann, MdL
Joachim Herrmann, MdL
Staatsminister


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