112 Newsletter: Einsatz des Rettungsdienstes
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112 Newsletter vom 27. April 2020

Liebe Leserinnen und Leser, 

auch heute darf ich Ihnen am Anfang dieses Newsletters einen kurzen statistischen Überblick zur Corona-Lage in Bayern geben. Stand heute, Montag, 10:00 Uhr, haben wir in Bayern 41.415 bestätigte Corona-Infektionen zu verzeichnen (+ 120 im Vergleich zum Vortag, + 0,3 Prozent). Dieser Wert ist außerordentlich gering und insoweit sehr erfreulich. Auch wenn dieser Wert in Teilen einer dem Wochenende geschuldeten Test- und Erfassungsdelle geschuldet sein mag, so stimmt jedenfalls die Tendenz. Denn ausgehend von Freitag, + 653 Neuinfektionen, über den Samstag, + 478, über den Sonntag, + 344 bis zum heutigen Montag mit seinen 120 registrierten Neuinfektionen befindet sich deren Wert in einer klar degressiven Entwicklung.

Diese erfreuliche Tendenz wird auch von einem anderen Parameter gestützt, der sog. „Sieben-Tage-Inzidenz“. Das ist bekanntlich die Zahl der innerhalb von sieben Tagen registrierten Neuinfektionen, bezogen auf 100.000 Einwohner, mithin eine statistische Größe, die über alle unterschiedlich großen Landkreise und kreisfreien Städte hinweg eine gewisse Vergleichbarkeit herstellt. Für Bayern liegt der ermittelte Wert heute wieder bei 33 Fällen. Das ist für sich genommen noch wenig spektakulär, der positive Grundtrend bestätigt sich vielmehr aus dem Blick auf die am stärksten betroffenen Landkreise und kreisfreien Städte Bayerns. In diesem Ranking liegt nach wie vor die Stadt Straubing vorne, jetzt aber mit einem Wert von 127,6. Gestern lag dieser noch bei 136,0, vorgestern bei 144,4 und vor knapp einer Woche bei 150,7. Die Entwicklung dieses Wertes über die letzten Tage zeigt glücklicherweise auch für den derzeitigen Top-Brennpunkt eine jetzt deutliche Entspannung der Lage an. Ganz ähnlich die Situation für die auf Platz 2 liegende Stadt Rosenheim. Für diese ist heute eine Sieben-Tage-Inzidenz von 113,7 Fällen ausgewiesen, gestern lag der entsprechende Wert bei 127,9 und vorgestern bei 123,2.

Wieder genesen sind amtlich ausgewiesen 28.900 Personen, das sind 600 mehr als gestern (+ 2,1 Prozent).

An bzw. mit der Corona-Infektion verstorben sind mittlerweile 1.636 Personen, das sind im Vergleich zum Vortag + 23 oder + 1,4 Prozent mehr.

Die Reproduktionszahl R, die angibt, wie viele weitere Personen ein Infizierter statistisch ansteckt, ehe er selbst gesundet oder verstirbt, liegt nach den Berechnungen des Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) vom Wochenende nun bei R=0,57. Das entspricht nahezu dem Wert der Vorwoche von R=0,6. Es zeigt sich derzeit also auch die Reproduktionszahl stabil.

In der Zusammenschau dieser Werte bestätigt sich einmal mehr das positive Bild der letzten beiden Wochen.

Der heutige Montag bildet die Nahtstelle zweier herausfordernder Anlässe. Hinter uns liegt das Wochenende mit sehr gutem Ausflugswetter, das die Menschen geradezu „naturgemäß“ an die Flüsse, Seen, in die Parks, Grünanlagen und zu anderen Naturschönheiten gelockt und dabei zur Bewegung im Freien an der frischen Luft animiert hat. Und vor uns liegt nach dem erfolgreich umgesetzten weitgehenden Shutdown, der die Pandemie in Bayern und Deutschland in verträgliche Bahnen gelenkt hat, eine zweite, ebenso entscheidende Phase. Diese bringt mit einer teilweisen Wiederaufnahme des Schulbetriebs, vor allem aber der Wiedereröffnung zahlreicher Einzelhandelsgeschäfte – insgesamt dürfen immerhin etwa 80 Prozent der Ladenlokale wieder öffnen – eine moderate Wiederbelebung des öffentlichen Lebens, die den Alltag der Menschen ein Stück weit abwechslungsreicher machen, aber auch pandemische Herausforderungen auslösen wird.

Zunächst der Blick zurück auf das Wochenende. Ich muss den Menschen in Bayern ein großes Kompliment machen. Denn sie haben sich wieder einmal sehr diszipliniert gezeigt und bewiesen, dass sie sich und die anderen Menschen nicht nur deshalb vor dem Virus schützen, weil sie es von Gesetzes wegen müssen, sondern weil sie es wollen. Das ist die beste Voraussetzung, um auch in Zukunft bei der Bekämpfung des Corona-Virus erfolgreich zu sein. Denn das wird letztlich nur mit den Menschen gelingen, nicht aber ohne sie oder gar gegen sie.

Die großen bayerischen Naherholungsgebiete waren moderat besucht und nicht übervölkert, vor allem die Münchner und Nürnberger sind also unserer Bitte gefolgt, sich in erster Linie in der näheren Umgebung der eigenen Wohnung ins Freie zu begeben.

Folglich war es entlang der innerstädtischen Flussläufe, in den Parks und auf den großen Grünflächen ziemlich stark belebt, aber auch hier haben sich die Menschen sehr verantwortungsbewusst gezeigt. Sie waren erkennbar sehr bemüht, sich gegenseitig nicht zu nahe zu kommen und den Mindestabstand von 1,5 Metern in alle Richtungen einzuhalten.

Dies hat einen deutlich positiven Niederschlag bei den polizeilichen Kontrollen gefunden. Denn obwohl die Bayerische Polizei mit ca. 4.000 Beamtinnen und Beamten jeweils an beiden Tagen einen ähnlich hohen Kräfteansatz wie an den vergangenen Wochenenden hatte, mussten im Vergleich am Samstag mit ca. 1.300 Ordnungswidrigkeitenanzeigen nur etwa halb so viele Betroffene den Bußgeldbehörden gemeldet werden. Noch besser war es am gestrigen Sonntag, an dem die Polizei lediglich knapp 800 Ordnungswidrigkeitenanzeigen fertigen musste.

Und nun der Blick nach vorne: Maskenzwang. Leserinnen und Leser meiner Generation und vielleicht auch noch einige Jahre jüngere Menschen werden diesem Begriff in jungen Jahren in ganz anderem Kontext begegnet sein. Man erhielt zu einem Faschingsball mit Maskenzwang nur dann Einlass, wenn man „maskiert“ kam. Ganz ähnlich verhält es sich seit heute – wenngleich auch aus ganz und gar nicht lustigen Umständen – für alle, die den Öffentlichen Personennahverkehr nutzen oder geöffnete Geschäfte betreten wollen. Denn heute ist um 00:00 Uhr die Verpflichtung in Kraft getreten, als Mitarbeiter oder Kunde der genannten Geschäftsbereiche eine Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen.

Eine gesicherte Statistik zur Einhaltung dieser Pflicht liegt mir aufgrund der Kürze der Zeit noch nicht vor. Nach vielen individuellen Wahrnehmungen, die mir berichtet wurden, hat sich aber im Vergleich zu vergangener Woche heute das Bild stark zum Guten entwickelt. Trugen letzte Woche unter dem Eindruck des TrageGEBOTES vielleicht die Hälfte der U-Bahnnutzer eine Mund-Nasen-Bedeckung, so sind es heute beinahe 100 Prozent. Das macht mich für alles Weitere optimistisch. Denn die strikte Einhaltung der flankierenden Hygienemaßnahmen ist unabdingbare Voraussetzung dafür, dass die jüngsten Lockerungen bestehen bleiben und diesen weitere folgen können. Denn viele namhafte Virologen sagen uns, dass ohne ergänzende Hygienemaßnahmen die Infektionszahlen rasch deutlich steigen könnten, nachdem seit heute wieder deutlich mehr Menschen und damit anteilig auch deutlich mehr Virusträger im öffentlichen Raum unterwegs sind.

Heute sollte auch eine Regelung in Kraft treten, die es den Ladengeschäften, die nicht schon bisher öffnen durften, etwa weil sie der Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln dienten, eine Öffnung erlaubt, soweit sie bis zu 800 qm Verkaufsfläche besitzen. Die Zweite Bayerische Infektionsschutzmaßnahmenverordnung sieht vor, dass es Betreibern von Ladengeschäften mit einer Verkaufsfläche von mehr als 800 qm untersagt ist zu öffnen. Die Unterscheidung begründet sich sich damit, dass insbesondere Großkaufhäuser mit oft mehreren 1.000 qm Verkaufsfläche mehr Menschen in die Innenstädte bringen, als infektiologisch vertretbar. Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof hat nun heute u. a. entschieden, dass es den Betreibern von Ladengeschäften mit einer Verkaufsfläche von mehr als 800 qm gestattet sein muss, diese Fläche abzugrenzen und nur dort den Geschäftsbetrieb abzuwickeln. Die Staatsregierung hat umgehend reagiert und gestattet ab sofort im Vollzug eine entsprechende Anpassung der Verkaufsfläche. Das Bayerische Kabinett wird sich zudem morgen mit weiteren Fragen befassen, die die Entscheidung des Verwaltungsgerichtshofs heute aufgeworfen hat.

Abschließend darf ich noch eine Bitte des Landwirtschaftsministeriums weitergeben. Durch den auf den Freitag fallenden Tag der Arbeit ergibt sich ein „verlängertes Wochenende“. Erfahrungsgemäß führt dies am Samstag zu einer deutlich gesteigerten Frequentierung des Einzelhandels. Dies macht es umso schwieriger, in den Geschäften die nötigen Abstände zwischen den Kunden einzuhalten. Es wäre deshalb vorteilhaft, wenn möglichst viele Menschen ihre Einkäufe bereits für die Tage vor dem Feiertag einplanen und so helfen, die Lage am Samstag zu entspannen.

Mit besten Grüßen

Ihr
Joachim Herrmann, MdL
Joachim Herrmann, MdL
Staatsminister


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