112 Newsletter: Einsatz des Rettungsdienstes
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112 Newsletter vom 8. April 2021

Liebe Leserinnen und Leser,

beginnen möchte ich auch heute mit den wesentlichen Kerndaten der aktuellen Pandemielage, muss aber gleich darauf hinweisen, dass die Zahlen zu den Neuinfektionen feiertagsbedingt mit gewisser Vorsicht zu genießen sind. Denn augenscheinlich haben sich im Vergleich zu „normalen“ Wochenenden an dem durch zwei Feiertage verlängerten Osterwochenende deutlich weniger Menschen testen lassen. Zudem haben diverse Gesundheitsämter und auch Labore in dieser Zeit nur einen Notbetrieb aufrechterhalten, was dazu führt, dass verschiedentlich die Analyseergebnisse und deren statistische Erfassung mit zeitlicher Verzögerung vorgenommen werden. Das alles hat natürlich einen erheblichen verzerrenden Einfluss auf das Zahlen- und Datenmaterial, mit dem wir bereits Weihnachten zu tun hatten. Im Lichte dessen verzeichnen wir heute, Donnerstag, 8. April, 08:00 Uhr, in Bayern insgesamt 517.517 bestätigte Covid-19-Infektionen. Im Vergleich zum Donnerstag der letzten Woche, bis zu dem 500.077 Infektionen gezählt worden waren, sind dies 17.440 mehr. Für die zurückliegenden sieben Tage ergibt sich daraus ein rechnerischer Schnitt von 2.492 Neuinfektionen. Für die vorangegangenen Wochen lagen die Vergleichswerte bei 2.664 2.305, 1.888, 1.496, 1.320 1.104, 1.093, 1.263, 1.646, 1.909, 2.366, 3.265, 3.143, 3.203, 3.912, 4.172, 3.638, 3.475, 3.606, 3.432, 3.597, 2.918, 2.153, 1.243, 652 bzw. 372. Dies sieht auf den ersten Blick nach einem Rückgang oder womöglich sogar einer Trendumkehr aus, darf aber aus den eingangs beschriebenen Gründen nicht so interpretiert werden. Klarheit wird erst die Entwicklung der nächsten Tage bringen, aber bis dahin müssen wir schon aus Gründen der Vorsicht davon ausgehen, dass das exponentielle Wachstum der dritten Welle noch nicht gebrochen ist. Das gilt in gleicher Weise auch für das Bundeslagebild. Dieses wies in der vergangenen Woche im Schnitt „nur“ 13.946 Neuinfektionen pro Tag aus, nach 16.566, 14.416, 11.332, 8.715, 8.189, 7.725, 7.220, 8.290, 10.450, 12.900, 15.700 und 21.000 in den Vorwochen. Damit wären über Ostern von einer Woche auf die andere die Neuinfektionen um mehr als zweieinhalbtausend pro Tag zurückgegangen. Das scheint mir nicht realistisch, deshalb gilt auch hier die Devise „Vorsicht vor voreiligen Schlussfolgerungen“.

Nun zum Ländervergleich. Bayern liegt heute auf Platz 4 (Vorwochen 5 und 8) des Negativ-Rankings und hat sich damit mit einer 7-Tage-Inzidenz von 119 – nach 142, 114, 96, 77, 68, 58, 55 – um einen weiteren Platz verschlechtert. Insgesamt 11 Länder verzeichnen nun eine 7-Tage-Inzidenz über 100. Den höchsten Wert muss weiterhin Thüringen mit 181 (254) hinnehmen, den günstigsten verbucht wieder Schleswig-Holstein mit 63 (75). Der Durchschnittswert aller Bundesländer liegt heute bei 106, nach 134, 113 und 90 in den Vorwochen. Und auch hier gilt wieder, dass die Gefahr groß ist, wonach die Zahlen feiertagsbedingt besser scheinen, als es die Lage tatsächlich ist.

Darauf deutet ein anderer Parameter hin, nämlich die Positivrate, also die Zahl der laborpositiven Tests im Verhältnis zu deren Gesamtzahl. Dieses Kernelement der Lagebeurteilung lag in Bayern in den zurückliegenden Tagen zwischen 5,0 und 6,3 Prozent (Vorwoche: 4,0 und 5,3) und ist damit deutlich gestiegen. Das mag zum Teil in einer wesentlich geringeren Zahl an Tests begründet liegen, zeigt aber doch auch sehr deutlich, dass das Virus im Lande sehr präsent ist. Das gilt vor allem für die britische Mutation B.1.1.7., die deutlich ansteckender ist als der ursprüngliche Wildtyp oder andere Varianten wie etwa die südafrikanische B.1.351 und nach aktuellen Erhebungen nunmehr in über 90 Prozent der positiven PCR-Tests nachgewiesen wird. Dieser Typ hat somit nahezu alle anderen Arten verdrängt und für ungünstig klare Verhältnisse gesorgt, jedenfalls so lange, wie er nicht selbst einer noch ansteckenderen Mutation weichen muss. Dazu später mehr.

Ich darf nun zum Blick in die bayerischen Regionen kommen, der statistisch gesehen naturgemäß ebenfalls von der feiertagsbedingt geringeren Test- und Labortätigkeit geprägt ist. Deshalb kommt es mir heute auch nicht so sehr auf die letzte Stelle hinter dem Komma einer 7-Tage-Inzidenz an, sondern vor allem auf eine qualitative Betrachtung. Blickt man auf eine nach Landkreisen und kreisfreien Städten gegliederte Bayern-Karte, in der die jeweiligen Infektionsbelastungen nach der 7-Tage-Inzidenz farblich dargestellt sind, dann fällt zunächst auf, dass sich über alle Regierungsbezirke hinweg eine gewisse Angleichung der schwierigen Lage einzustellen scheint. Waren in der Vergangenheit immer wieder einzelne Regionen generell besser dagestanden oder hatten sich auch innerhalb eines großen, stark belasteten Gebietes immer wieder Einsprengsel mit günstigeren Werten etablieren können, so findet sich nun ein von Ost nach West quer durch Bayern verlaufender, geradezu monolithisch wirkender Block, der tiefrot oder gar violett gefärbt ist. Dieser bildet die Gebietskörperschaften mit einer 7-Tage-Inzidenz von mindestens 100 ab. Das sind heute 63 von 96 Landkreisen bzw. kreisfreien Städten und somit zehn weniger als vor einer Woche, aber auch diese Verbesserung ist aus den bereits genannten Gründen mit großer Vorsicht zu genießen.

Nach wie vor die größten Probleme haben im Wesentlichen die bereits in den letzten Wochen besonders gebeutelten Regionen. So die Stadt Hof mit einer 7-Tage-Inzidenz von 430, gefolgt vom Landkreis Kronach mit 366 und dem Landkreis Hof mit 337, die mit diesen Werten leider nicht nur die bayerische, sondern auch die bundesweite Negativrangliste anführen. Im Segment mit 7-Tagesinzidenzen zwischen 200 und 300 liegen vier weitere Gebietskörperschaften. Die große Mehrheit, nämlich 56, reihen sich mit Werten zwischen 100 und 200 ein und stehen damit, soweit dieser Wert mehr als drei Tage hintereinander überschritten bleibt, vor der Aufgabe, mit diversen Einschränkungen des öffentlichen Lebens einschließlich einer nächtlichen Ausgangssperre von 22:00 Uhr bis 05:00 Uhr die Lage schnellstmöglich zu beruhigen. Unter 100, aber über 50 liegen jetzt 33 (Vorwoche 23 nach 37) Gebietskörperschaften und das Segment unter 50 besetzt heute allein die Stadt Aschaffenburg mit einer 7-Tage-Inzidenz von 45,1.

In Bayern sind an oder mit einer Corona-Infektion mittlerweile 13.417 Personen verstorben. Das sind im Vergleich zum vorigen Donnerstag 157 (171) oder pro Tag ca. 22,4 Fälle mehr, nach 24,4, 25,9, 24,0, 26,9, 39,1, 42,0, 73,7, 82,6, 111,7, 117,9, 125,1, 134,4 bzw. 107,7 in den Wochen davor. Insoweit hat sich trotz der über die letzten Wochen stark gestiegenen Neuinfektionen zum Glück bei den Sterbefallzahlen eine gewisse Stabilisierung eingestellt, die Gott sei Dank den Trend der Neuinfektionen nicht nachzeichnen.

Nicht so gut sieht es dagegen in den Kliniken aus. Zwar gibt es mit der Gesamtzahl der hospitalisierten Corona-Patientinnen und -Patienten eine Konstante, die sich über die letzten Wochen bei ca. 3.000 herausgebildet hat. Innerhalb der Gruppe der Hospitalisierten verschieben sich die Gewichte aber nach wie vor in Richtung der Intensivstationen, auf denen heute 779 Personen behandelt werden. Das ist ein Spitzenwert, den wir zuletzt am 21. Januar verzeichnen mussten. Kein gutes Gefühl macht zudem die Geschwindigkeit, mit der dieser Wert ansteigt. Vor genau einer Woche lagen „nur“ 648 Corona-Patienten auf Intensiv. Und anders, als die Zahl der Neuinfektionen sind die Werte zu den Intensivpatienten nicht feiertagsbedingt verzerrt. Denn wer gesundheitlich so schlecht dran ist, dass er ein Intensivbett braucht, der wird dort auch an Sonn- und Feiertagen aufgenommen. Insoweit ist dieser ungünstige Wert im Reigen der heute hier zu betrachtenden Parameter der verlässlichste und gibt den klarsten Blick auf das Geschehen frei.

Liebe Leserinnen und Leser, an den Anfang der heutigen nachösterlichen Betrachtungen möchte ich zunächst einen aufrichtigen Dank an die Menschen in Bayern stellen, die sich am gesamten Osterwochenende ausgesprochen verantwortungsvoll verhalten haben. Ich gebe zu, dass ich im Lichte der während der Karwoche teils sehr schrill geführten Diskussionen um all das, was die Menschen an Zumutungen noch zu ertragen bereit seien, schon gewisse Bedenken hatte, dass es gerade an den touristischen Hotspots zu Massenaufläufen ohne Maskentragen und ohne ausreichende Abstände zwischen den Menschen kommen würde. Aber die Menschen waren auch an den Tagen mit bestem Wetter sehr umsichtig und haben sich gut in der Fläche Bayerns verteilt.

Auch sonst hält sich gerade in Regionen mit einer stabilen 7-Tage-Inzidenz von über 100 die große Mehrheit der Menschen an die geltenden infektionsschutzrechtlichen Regelungen einschließlich einer nächtlichen Ausgangssperre zwischen 22:00 Uhr und 05:00 Uhr. Natürlich stellt die Polizei verschiedentlich Verstöße fest und muss diese ahnden. Aber zum Glück geht es dann selbst in belastenden Kontrollsituationen nicht immer nur verbissen, sondern gelegentlich sogar skurril bis heiter zu. Etwa wenn in der Zeit der nächtlichen Ausgangssperre vermeintliche Hundebesitzer zu ihrer Entschuldigung vorbringen, gerade den Hund Gassi zu führen, dieser aber dummerweise weggelaufen sei. Wenn der „Waldi“ sich dann auch auf hartnäckigstes Rufen von „Frauchen“ oder „Herrchen“ nicht blicken lässt, dann räumt der sich zunächst pfiffig vorkommende Nachtschwärmer meist doch schnell ein, dass seine Ausrede lediglich der Versuch einer „dackelbeinigen“ Notlüge war.

Derlei Einsichtsfähigkeit zeigt aber leider längst nicht jeder, wie man am Karsamstag beim Demonstrationsgeschehen in Stuttgart sowie bei einigen kleineren Aufzügen in Bayern beobachten konnte. Einmal mehr haben die sog. „Querdenker“ unter Beweis gestellt, dass sie sich nicht nur ohne Skrupel in einem politisch zusehends noch fragwürdiger werdenden Umfeld bewegen. Sie werden auch in ihrer Wortwahl und Geisteshaltung immer aggressiver. Einige Führungsfiguren wie ein pensionierter bayerischer Polizeibeamter verlassen zusehends den Boden der freiheitlich-demokratischen Grundordnung und werden deshalb völlig zurecht vom Verfassungsschutz beobachtet. Die Querdenker scheren sich zudem bei Demonstrationen immer weniger um Abstandsregeln und Maskenpflicht und gefährden damit die Gesundheit anderer Menschen. Die Gefahr ist groß, dass solche Versammlungen, die massenhaft Problemleugner auf engstem Raum zusammenführen, zu Viren-Drehkreuzen werden.

Gerade im Kontext der britischen Mutation B.1.1.7. wird häufig berichtet, das Virus habe sich verändert und sei in seinen Mutationen ansteckender oder im Krankheitsverlauf gefährlicher oder beides. Derlei Formulierungen erwecken den Eindruck, das Corona-Virus könne sich „bewusst“ so verändern, dass es andere Varianten ausstechen, das Immunsystem des menschlichen Körpers „bewusst“ umgehen oder die Wirkung von Impfstoffen gezielt austricksen könne. Alles das trifft natürlich nicht zu. Denn weder hat das Virus ein Bewusstsein, noch ist es schlau oder kann gar seine weitere Entwicklung zielgerichtet steuern. Vielmehr muss der „Gattung“ COVID-19 SARS-Cov-2 für das Auftreten neuer, dabei dem Wildtyp und anderen Formen überlegener und insoweit für den Menschen gefährlicherer Varianten letztlich der Zufall zu Hilfe kommen. Diesen Zufall kann allerdings das „Wirtstier“ Mensch durch sein Verhalten ein Stück weit beeinflussen, sodass auch aus diesem Gesichtspunkt heraus die Einhaltung der Hygieneregeln entscheidende Bedeutung hat.

Das Virus kann sich nur verbreiten, wenn es zu einem nächsten Wirt, also von Mensch zu Mensch überspringen kann. Hierzu benötigt es in Bezug auf die sog. Virenlast, also die Anzahl der „Corona-Viren“ insbesondere im Atemapparat des Menschen, eine kritische Masse. Säße dort nur ein einsames Virus herum, könnte dies weder den Träger krankmachen, noch auf andere Wirte überspringen. Hierzu braucht es ein massives Auftreten der Viren, das eine entsprechend massive Vermehrung voraussetzt. Dazu kapern die Viren mit den ihnen eigenen „Einbruchswerkzeugen“ Körperzellen des Wirts, um sich deren Ressourcen zu bedienen und stoßen sogleich einen Prozess an, der im Ergebnis massenhaft Kopien der Viren-Ausgangspopulation hervorbringt. Dieser Kopiervorgang zielt in seinem Kern auf die RNA, also das Erbgut (Genom) der Viren, auf dem deren „genetischer Bauplan“ biochemisch abgespeichert ist. Es werden fortlaufend und auf Hochtouren Kopien des Genoms hergestellt, von denen jede einzelne wiederum das entscheidende Kernelement eines neuen Virus bildet und um dieses herum ein neues Virus baut. Ist dieses fertig, beginnt auch dieses sofort mit der Produktion weiterer Kopien, weshalb sich Viren in dieser Phase explosionsartig vermehren. Das versucht insbesondere das körpereigene Immunsystem, das die Viren als körperfremde Eindringlinge erkennt, zu unterbinden. Hierfür entwickelt die Immunabwehr Werkzeuge, meist bestimmte Immunzellen, die in der Regel gezielt die Oberflächenstrukturen der Viren angehen, um sie auszuschalten. Hat die Immunabwehr das geschafft, ist es um die Viren geschehen und einem Erkrankten geht es bald besser. Falls nicht, ist ein schwerer Krankheitsverlauf zu befürchten. Insoweit findet ein Wettkampf zwischen der körpereigenen Immunabwehr und den Eindringlingen statt.

Diesen Gesamtzusammenhang zu verstehen ist wichtig, um das Zustandekommen von Mutationen und ihre Rolle für den weiteren Pandemieverlauf zu verstehen. Der Schlüssel für alles Weitere liegt dabei in dem bereits erwähnten Kopiervorgang der RNA. Denn hierbei kann es gelegentlich zu kleinsten Kopierfehlern kommen, sodass die Erbinformation des „Ablegers“ nicht mehr vollständig identisch ist mit der des Ausgangsvirus. Die insoweit abweichende Erbinformation wird bewirken, dass sich Ableger genau an der Stelle, deren Ausprägung die fragliche Erbgutstelle steuert, von der ursprünglichen Form entsprechend der abgewandelten Information unterscheiden. Das ist aus Sicht des Virus einerseits ein Fehler, bringt andererseits aber auch eine größere Vielfalt hervor, die wiederum Chancen bietet.

Denn erwächst dem Virus auf diese Weise eine günstige Eigenschaft, weil etwa das „Einbruchswerkzeug“ der Mutante wirksamer ist, diese wesentlich agiler ist, vom Immunsystem nicht mehr so gut erkannt wird oder dessen Abwehrwaffen nicht mehr vollständig greifen, dann ist die Mutante nach Darwin „fitter“ (survival oft he fittest) als die Vorform und wird sich am Ende durchsetzen.

Dass Mutanten auftreten, ist etwas völlig Normales, auch bei anderen Virustypen wie etwa bei Influenza. Dass eine Erbgutveränderung letztlich aber dazu führt, dass ihre Träger die angestammte Variante aus dem Feld schlagen, ist extrem selten, wird aber rein statistisch und auch tatsächlich umso wahrscheinlicher, je mehr Kopiervorgänge stattfinden, weil damit automatisch die Zahl der „Fehler-Kopien“ steigen und damit die Vielfalt größer wird. Deshalb ist die Antwort auf die Frage, ob es weitere und dabei gefährlichere SARS-Cov-2-Mutationen geben wird oder gar eine besonders fitte, alles bisher Dagewesene in den Schatten stellende „Monster“-Mutation auftreten kann, u.a. davon abhängig, wie viele Menschen sich mit Corona infizieren. Denn hätte sich nur eine Million Menschen infiziert, wäre die Wahrscheinlichkeit, dass daraus eine besonders fitte Variante hervorgeht, um ein extremes Vielfaches geringer, als wenn sich hunderte Millionen Menschen infizieren und insoweit zu potentiellen Reaktoren für Virusreproduktionen werden.

Deshalb ist es enorm wichtig, dass wir dem Virus möglichst wenig Gelegenheit bieten, sich zu verbreiten, die Welle(n) flach halten und möglichst schnell möglichst viele Menschen impfen. Auf mittlere Sicht muss das weltweit geschehen, denn am Ende ist es ohne Belang, ob ein besonders fittes Virus in Europa, Asien oder Südamerika entsteht. Hat es sich erst einmal in seiner Heimatregion durchgesetzt, wird es angesichts internationaler Personenverkehrsströme über kurz oder lang alle anderen Regionen erreichen, wie wir u.a. am Beispiel der britischen Mutation B.1.1.7. eindrucksvoll erfahren mussten.

Vor diesem Hintergrund und der Situation auf den Intensivstationen der Kliniken ist die Zahl der Neuinfektionen nach wie vor viel zu hoch. Um dagegen anzugehen hat der Ministerrat über die geltenden Notbremse-Mechanismen hinaus gestern einige weitere beschränkende Maßnahmen beschlossen, die das Gesundheitsministerium zeitnah in geltendes Recht umsetzen wird. So war etwa nach der noch geltenden Regelungslage vorgesehen, ab dem 12. April 2021 weitere Öffnungsschritte in Landkreisen und kreisfreien Städten mit einer 7-Tage-Inzidenz von nicht über 100 bzw. nicht über 50 in den Bereichen Außengastronomie, Kultur und Sport zuzulassen. Dies ist aber in Anbetracht der Gesamtlage nicht zu verantworten und auch nicht zu vermitteln und unterbleibt deshalb zunächst bis zum 26. April 2021.

Gleiches gilt für die in acht Städten und hierbei in allen Regierungsbezirken geplanten Modell-Projekte. Mit diesen sollten unter wissenschaftlicher Begleitung die Auswirkungen einer schrittweisen Rücknahme von Beschränkungen des öffentlichen Lebens sowie für Theater-, Konzert- oder Opernhäuser in kreisfreien Städten und Landkreisen mit einer 7-Tage-Inzidenz von über 100 untersucht werden, soweit diese Lockerungen von einem besonders stringenten Testregime begleitet werden. Aufgeschoben ist aber nicht aufgehoben, ich hoffe deshalb sehr, dass wir diese „Piloten“ zeitnah starten können, sofern sich der allgemeine Trend ins Positive dreht.

Des Weiteren hat der Ministerrat in Bezug auf den Einzelhandel Nachjustierungen vorgenommen, die am 12. April wirksam werden. Zum einen werden Blumenfachgeschäfte, Gartenmärkte, Gärtnereien, Baumschulen, Baumärkte und Buchhandlungen wie sonstige Geschäfte des Einzelhandels behandelt.

Was in Detail wo gilt, richtet sich nach den jeweiligen 7-Tage-Inzidenzwerten der Landkreise und kreisfreien Städte, in deren Gebiet sich ein Geschäft befindet.

Unterhalb des Schwellenwertes von 50 gelten die bisherigen Regelungen fort. Somit können alle Geschäfte öffnen, sofern sie ein allgemeines Schutz- und Hygienekonzept umsetzen. Dessen Kernelemente sind insbesondere die Einhaltung des Mindestabstandes zwischen den im Laden aufhältigen Personen, die Beachtung der Maskenpflicht, die Einhaltung einer Kundenhöchstzahl, die sich nach der Formel „ein Kunde je 10 m² für die ersten 800 m² der Verkaufsfläche sowie zusätzlich ein Kunde je 20 m² für den 800 m² übersteigenden Teil der Verkaufsfläche“ bemisst.

Bei einer 7-Tage-Inzidenz zwischen 50 und 100 sind nur Terminshopping-Angebote möglich. Diese sind auch unter dem Begriff „Click & Meet“ bekannt und meinen, dass ein Kunde in den Laden darf, sofern er – der Kunde – sich vorab persönlich angemeldet und einen Termin vereinbart hat. Dies hat den Sinn, im Infektionsfall die Kontakte besser nachverfolgen zu können und natürlich darf auch bei diesem Modell trotz Identifizierbarkeit der Kunden der Laden nicht vollgestopft werden. Deshalb gilt die Regel „ein Kunde pro 40 m² Verkaufsfläche".

Bei einer 7-Tage-Inzidenz zwischen 100 und 200 ist ebenfalls „Click & Meet“ zulässig, dies allerdings nur mit der zusätzlichen Maßgabe, dass der Kunde einen aktuellen negativen Corona-Test vorlegen kann. Ausreichend ist entweder ein PCR-Test, der nicht älter als 48 Stunden ist, oder ein maximal 24 Stunden alter Schnelltest.

Bei einer 7-Tage-Inzidenz über 200 bleibt immerhin noch die Möglichkeit des „Click and Collect“. Das bedeutet, dass der Kunde zwar nicht mehr die Verkaufsfläche betritt, aber vorbestellte Waren an der Ladentüre abholen kann. Hierfür ist kein Test erforderlich.

Und um allen Missverständnissen von vorne herein entgegenzutreten: Egal wie hoch die Inzidenz auch ist, die für die tägliche Versorgung unverzichtbaren Ladengeschäfte – vom Lebensmittelladen, über den Supermarkt, den Waschsalon bis zum Tierbedarf und Futtermittelvertrieb – bleiben unter Beachtung der einschlägigen Hygienekonzepte stets geöffnet.

Ob das alles bis auf Weiteres das letzte Wort ist, darüber werden kommende Woche die Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten mit der Bundeskanzlerin beraten. Insoweit bleibt es spannend.

Wir sind Wellenbrecher!

Mit besten Grüßen

Ihr
Joachim Herrmann, MdL
Joachim Herrmann, MdL
Staatsminister


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