KIM - Kommunales aus dem Innenministerium
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Newsletter KIM - Ausgabe vom 08. Juni 2020

Liebe Leserinnen und Leser, 

natürlich steht auch am Beginn des heutigen Updates der kurze statistische Überblick zur Corona-Lage in Bayern. Stand heute, Montag, 10:00 Uhr, haben wir 47.402 bestätigte Corona-Infektionen zu verzeichnen. Das sind im Vergleich zum Vortag 42 Fälle mehr oder
+ 0,1 Prozent.

Nun zur Kategorie der Genesenen. Wieder genesen sind amtlich ausgewiesen 43.690 Personen oder 70 mehr als gestern (+ 0,2 Prozent).

Die Zahl der COVID-Erkrankten beläuft sich heute in Bayern auf 1.210, das sind 30 weniger als gestern. Bezogen auf 100.000 Einwohner sind statistisch betrachtet weiterhin 9 Personen entsprechend betroffen.

An bzw. mit einer Corona-Infektion verstorben sind mittlerweile 2.501 Personen. Das ist im Vergleich zu gestern 1 Fall mehr (+ 0,04 Prozent).

Beide Kenngrößen – die Zahl der Neuinfektionen und die der Corona-bedingten Todesfälle – haben für mich bei der Beurteilung der Lage eine besondere Aussagekraft. Auch wenn natürlich jeder Corona-Tote einer zu viel ist und jeder Infizierte ganz sicher sehr gerne auf die Erfahrung verzichtet hätte, so geben doch beide Parameter weiterhin Anlass zu einer freudigen Zuversicht, dass unser Weg durch die Pandemie weiterhin stabil ist und bleibt. 

Die über sieben Tage statistisch geglättete Reproduktionszahl R, die angibt, wie viele weitere Personen ein Infizierter statistisch ansteckt, ehe er gesundet oder verstirbt, bemisst sich entsprechend der mathematischen Betrachtungen des Robert Koch-Instituts (RKI) für Bayern heute im Vergleich zu gestern auf R=0,76 (gestern ebenfalls R=0,76). Die allein auf den Tag abstellende Reproduktionszahl liegt heute bei R=0,84 (gestern R=0,58). Wir bleiben somit für Bayern stabil bei einem Wert R kleiner 1, was nach wie vor einen Rückgang des Infektionsgeschehens anzeigt.

Auch heute möchte ich eine Einschätzung zu den 7-Tage-Inzidenzen für die Landkreise und kreisfreien Städte Bayerns geben, denn diese Werte sind Indikatoren dafür, ob, und wenn ja, wo es Hotspots gibt. Aktuell haben wir in Bayern keine Hotspots. Blickt man auf die landkreisscharfe graphische Darstellung der 7-Tage-Inzidenzen, dann befinden sich alle Landkreise und kreisfreien Städte im „grünen Bereich“. Von den insgesamt 96 Gebietskörperschaften dieser Kategorien sind drei Landkreise und drei kreisfreie Städte hellgrün eingefärbt, was eine 7-Tage-Inzidenz von 10-34 Fällen auf 100.000 Einwohner anzeigt. Alle anderen erscheinen in der Darstellung dunkelgrün, das entspricht einem Wert von 0-9 Fällen auf 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen.

Steigt man in die Betrachtung der Einzelwerte ein, stellt man fest, dass mittlerweile insgesamt 36 der 96 Gebietskörperschaften der Kategorie Landkreise und kreisfreie Städte über eine 7-Tage-Inzidenz von Null verfügen. Somit wurde in den betreffenden Bereichen in den letzten sieben Tagen keine einzige Neuinfektion registriert. Die mit einem solchermaßen optimalen Wert ausgestatteten Städte und Kreise finden sich in allen Regierungsbezirken, der Trend ist insoweit landesweit zu verzeichnen.

Über die reinen Zahlen, Daten und Fakten zur Pandemie hinaus möchte ich Ihnen heute ein paar Aspekte zu Kunst und Kultur im Corona-Kontext präsentieren. Nach der geltenden Beschlusslage des Ministerrates können ab dem 15. Juni 2020 Laienorchester wieder erste kleinere Konzerte geben. Jeder, der sich selbst als Musiker oder Musikant betätigt oder gelegentlich ein Konzert besucht, weiß aber sehr genau, dass es unmöglich ist, ein harmonisch klingendes Konzert gleichsam aus dem Stand aufzuführen (nicht zu verwechseln mit einem Standkonzert). Dirigent bzw. Dirigentin sowie Musikerinnen und Musiker müssen vielmehr aufeinander eingespielt sein. Damit es mit den Harmonien klappt, muss das Orchester harmonieren und das geht nicht ohne wenigstens ein paar gemeinsame Proben.

Nun hätte man sich auf den Standpunkt stellen können, dass kein Orchester bereits am 15. Juni sein erstes Konzert nach der Corona-Unterbrechung geben muss und deshalb erst dann öffentlich auftritt, nachdem genügend geprobt wurde. Aber das hätte die vom Ministerrat gesetzte terminliche Grenze, die sich nun mal auf den Konzertbetrieb bezieht, faktisch nach hinten verschoben. Vor diesem Hintergrund hat es die Staatsregierung Laienorchestern gestattet, gleichsam im Vorgriff auf die Aufführungstätigkeit bereits ab heute mit dem Probenbetrieb zu beginnen. Dieser unterliegt jedoch strengen Auflagen und Maßgaben. Zulässig ist allein, was epidemiologisch vertretbar ist. Aus dem Probenbetrieb der Laienorchester darf kein zusätzliches Corona-Risiko erwachsen. Die zentralen Maßgaben, deren Kernbereiche die zuständigen Behörden mit den einschlägigen Musikverbänden bzw. ihren Repräsentanten abgestimmt haben, lauten wie folgt:

  • Den Probenbetrieb aufnehmen dürfen heute allein Instrumentalgruppen von höchstens zehn Personen. Diese Zahl schließt den musikalischen Leiter oder die musikalische Leiterin ausdrücklich ein.
     
  • Zwischen allen Probenteilnehmern ist grundsätzlich ein Mindestabstand von 2 Metern einzuhalten. Hiervon gibt es zwei Abweichungen. Diese betreffen Bläser und Dirigenten. Beide Funktionen müssen zu den Probenteilnehmern einen Mindestabstand von 3 Metern wahren. Wenn es die Probenräumlichkeit zulässt, ist eine versetzte Aufstellung bzw. Sitzordnung der Musikerinnen und Musiker vorzusehen. Mit Blick auf die interne Anordnung der einzelnen Instrumente ist darauf zu achten, dass Querflötisten am Rand platziert werden. Dies begründet sich mit den im Vergleich stärkeren Luftverwirbelungen, die Aerosole weiter forttragen können, als dies bei anderen Instrumenten der Fall ist.
     
  • Grundsätzlich haben alle Probenteilnehmer einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen, das gilt auch für Dirigenten und Schlagzeuger. Die Eingrenzung „grundsätzlich“ bezieht sich hierbei auf Blasmusikerinnen und Blasmusiker. Denn diese können naturgemäß ihre Instrumente mit einer Maske, die den Mund bedeckt, nicht spielen und deshalb würde ein Masken-Gebot den Probenbetrieb von Blasorchestern faktisch unmöglich machen.
     
  • Die Proben sollen nach Möglichkeit im Freien stattfinden, wobei auch dort auf die Einhaltung der Mindestabstände zu achten ist. Wird in geschlossenen Räumen geprobt, müssen diese ausreichend gelüftet werden. „Geschlossen“ ist nicht zu verwechseln mit „fensterlos“. Fensterlose Räume sind regelmäßig schon deshalb für den Probenbetrieb ungeeignet, weil ein wirklich wirksames Lüften nicht zu gewährleisten ist. Beim Lüften gilt der Grundsatz „zehn Minuten Lüften nach 20 Minuten Probe“. Dies mag vielleicht übertrieben erscheinen, ist es aber nicht. Denn immer mehr deutet darauf hin, dass Aerosole, also auch wesentlich feiner als Tröpfchen zerstäubte „feuchte Atemluft“, die Corona-Viren unter Umständen sogar über Stunden in der Luft halten und so die Ansteckungsgefahr erhöhen können. Das gilt schon für die ganz normale Atemtätigkeit, aber noch viel mehr, wenn hoch motivierte Musikerinnen und Musiker mit vollem Einsatz ihren Instrumenten Töne entlocken oder auf die Pauke hauen.
     
  • Gerade wegen der Aerosol-Problematik gibt es eine Reihe von Vorgaben speziell für Blasmusiker. So dürfen diese beim Ablassen des Atemkondensates das Instrument nicht durchpusten und müssen das Kondensat mit Einmaltüchern auffangen. Diese sind in geschlossenen Behältnissen zu entsorgen. Ein Tausch von Blasinstrumenten oder eine Nutzung durch mehrere Personen ist gänzlich unzulässig. Ein Verleih von anderen Musikinstrumenten, etwa Gitarren oder Geigen, sowie deren Nutzung durch mehrere Personen darf nur nach jeweils vollständiger Desinfektion stattfinden.
     
  • Publikum ist nicht zugelassen. 
     
  • Als praktische Maßnahme einer angemessenen Hygiene für die Hände sind z.B. Seife, Einmalhandtücher und möglichst auch Desinfektionsmittel bereitzuhalten, wofür der Verein verantwortlich ist.
     
  • Wenngleich nicht zwingend vorgeschrieben, so aber doch dringend empfohlen ist die Erarbeitung eines vereinsspezifischen Hygienekonzeptes für das jeweilige Orchester. Diese müssen hierbei nicht bei Null anfangen, sondern können sich an entsprechenden Musterkonzepten orientieren, die die einschlägigen Verbände auf ihre Homepages gestellt haben. Die individuellen Hygienekonzepte sind den Orchestermitgliedern bekannt zu geben, etwa durch einen Aushang oder per Mail.  
     
  • Personen mit COVID-19-typischen Symptomen wie etwa Atemwegsreizungen, Husten, Nasenlaufen etc. sowie Allgemeinsymptomen wie Geruchs- oder Geschmacksstörungen gehören nicht in eine Musikprobe.

Gestatten Sie mir noch ein Wort zu den Chören, die verständlicherweise auch gerne wieder in den Probenbetrieb einsteigen würden, für die die Regelung für die Laienorchester aber nicht gilt. Die Differenzierung zwischen Orchestern und Chören begründet sich einmal mehr mit der bereits beschriebenen Aerosol-Thematik. Denn nach allem, was uns Mediziner sagen und gerade die Sängerinnen und Sänger unter Ihnen sicherlich bestätigen können, fliegen gerade beim Singen aus voller Kehle weit mehr Tröpfchen als beim Sprechen. Diese werden ungleich feiner zerstäubt, fliegen ungleich weiter und bilden gerade in geschlossenen Räumen Aerosol-Wolken, womit sich beim Vorhandensein von COVID-19-Viren ein deutlich erhöhtes Ansteckungsrisiko verbindet, das es zu vermeiden gilt.

Abschließend möchte ich noch einen tagesaktuellen Punkt aufgreifen. Nach dem Tod von
George Floyd, der in Minneapolis/USA durch völlig inakzeptable polizeiliche Gewaltanwendung zu Tode gekommen war, sind am Samstag in München ca. 25.000, in Nürnberg ca. 5.000 und in Augsburg ca. 3.000 Menschen auf die Straße gegangen, um gegen Rassismus zu demonstrieren. Im Nachgang zu diesen Kundgebungen erreichen mich zahlreiche Anfragen, wie es sein könne, dass die Polizei diese Demonstranten habe gewähren lassen, während generell eine Grenze von 50 Teilnehmern gelte und andere Versammlungen zu anderen Themen strikt auf 1.000 Teilnehmer begrenzt würden.
 
Für die Kundgebungen mit Bezug zu George Floyd waren von den Veranstaltern wesentlich weniger Teilnehmer angemeldet. So erwartete der Veranstalter in München maximal 200 Teilnehmer, der in Nürnberg maximal 400 und der in Augsburg maximal 300. Dass das Thema so stark mobilisieren würde, war weder für die städtischen Versammlungsbehörden, noch die Veranstalter oder die Polizei absehbar. Wäre es absehbar gewesen, wären derlei Größenordnungen nicht hingenommen worden.

Nachdem sich aber bereits so viele Menschen vor Ort eingefunden hatten, galt es abzuwägen. Am Beispiel München kann ich die zentralen Aspekte kurz skizzieren. Um mehr Platz zu schaffen, hat die Einsatzleitung zunächst zusätzlich den angrenzenden Karolinenplatz freigegeben. Das hat die Situation zumindest verbessert.

Eine Beendigung der Kundgebung oder gar eine polizeiliche Räumung des Königsplatzes hätte eine Vielzahl von Menschen eng verdichtet und zwangsläufig zwischen diesen die Abstände oft auf Tuchfühlung reduziert. Das wäre infektiologisch noch problematischer gewesen als die gegebene Situation. Und ganz entscheidend: Nachdem sich die Versammlungsteilnehmer im Rahmen des Möglichen um Abstandhalten bemüht und nahezu vollzählig Mund-Nasen-Schutz getragen haben und insgesamt sehr kooperativ waren, war die gegebene Situation weniger gefahrgeneigt, als es eine Beendigung der Kundgebung oder eine Räumung des Königsplatzes gewesen wäre. Deshalb hat sich die Einsatzleitung aus Gründen der Verhältnismäßigkeit entschlossen, die Kundgebung laufen zu lassen.

Dies war aus meiner Sicht unter den gegebenen Umständen sinnvoll und richtig und in der tatsächlichen Lage eine absolut sachgerechte Entscheidung. Deshalb weise ich jede Kritik zurück, es hänge vom Thema einer Kundgebung ab, ob sie 1.000 oder 25.000 Teilnehmer haben dürfe. Dieses darf keine Rolle spielen und hat keine Rolle gespielt.

Mit besten Grüßen

Ihr
Joachim Herrmann, MdL
Joachim Herrmann, MdL
Staatsminister


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