KIM - Kommunales aus dem Innenministerium
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Newsletter KIM - Ausgabe vom 12. April 2020

Liebe Leserinnen und Leser,

eine höchst ungewöhnliche Osternacht liegt hinter allen, für die es – wie bei mir – seit je her zum Osterfest gehört, die Auferstehung in der Gemeinschaft der Christen zu feiern. Denn es gab keine öffentlichen Auferstehungsgottesdienste. Viele haben vielleicht im heimischen Wohnzimmer einen im Radio, im Fernsehen oder im Internet übertragenen Ostergottesdienst verfolgt und so versucht, ein Stück weit Normalität herzustellen. Aber dennoch war trotz aller Vertrautheit der Riten und liturgischen Gesänge das Erleben ein anderes. Kein unmittelbares, vielmehr ein distanziertes Erleben. Dieses Mal also kein Knistern des in einer Feuerschale vor der Kirchentür lodernden Osterfeuers, an dem der Priester, unterstützt von den ob der besonderen Umstände aufgeregter als sonst agierenden Ministrantinnen und Ministranten das Osterfeuer weiht und daran die Osterkerze entzündet. Dieses Mal also kein Ausharren der Gottesdienstbesucher in der dunklen Kirche, wo alle warten, dass die brennende Osterkerze hereingetragen wird. Dieses Mal also kein entstehendes Meer aus vielen kleinen Kerzen, die, nach und nach an der Osterkerze entzündet, alle zusammen mit ihrem Schein im voll besetzten Gotteshaus der Dunkelheit die Macht zu nehmen vermögen und auch etwas Wärme entfalten. Auch kein Gloria, bei dem der Organist im wahrsten Sinne des Wortes alle Register zieht, das Orchester in voller Besetzung intoniert, der Chor aus Leibeskräften singt und man als Zuhörer die von der Empore kommenden musikalischen Schwingungen förmlich spürt.

Das alles ist dieses Jahr notgedrungen entfallen und dennoch war diese ungewöhnliche Osternacht für mich eine ganz besondere und keinesfalls eine „mindere“ oder gar „verlorene“. Weil sie uns trotz, oder vielleicht sogar wegen der Mittelbarkeit einer Rundfunk-, Fernseh- oder Internetübertragung in Gedanken viel näher zusammengeführt hat: mit Familienmitgliedern und Freunden, die wir dieses Mal nicht sehen durften; aber auch mit den Patientinnen und Patienten, die in der Sterilität einer Intensivstation mit dem Virus kämpfen, und deren Angehörigen. Mag das Licht der Osterkerze denen, die leiden oder um ihre Angehörigen bangen, besonderen Trost spenden. Das ist für die, die daran glauben, das tröstliche Versprechen dieser besonderen Nacht, das dieses Mal unter dem Eindruck der aktuellen pandemischen Geschehnisse irgendwie präsenter, greifbarer und konkreter war als in „normalen“ Jahren.

Nach der heutigen Statistik für den Ostersonntag, 10:00 Uhr, haben seit Karsamstag, 10:00 Uhr, 43 Menschen ihren persönlichen Kampf mit dem Corona-Virus verloren (Vortag: 39). Die Gesamtzahl der Corona-Toten steigt damit in Bayern auf 803. Insgesamt sind nun 32.782 Infektionsfälle zu verzeichnen, das ist ein Tageszuwachs von 1.009 (gegenüber + 1.250 am Vortag). Wiedergenesen sind amtlich ausgewiesen 12.820 Personen, mithin 850 mehr als zur selben Uhrzeit gestern. Damit hat die Anzahl der innerhalb von 24 Stunden Genesenen (850) die Anzahl der neu Infizierten (1.009) leider wieder unterschritten. Am Verhältnis dieser beiden Parameter zueinander wird besonders deutlich, dass die Lage noch nicht gesichert stabil oder gar überwunden ist. Denn in den Letzten vier Tagen war zweimal die Zahl der Genesenen höher, als die der neu Erkrankten, und zweimal war es genau umgekehrt. 

Sehr positiv stellt sich dagegen auch heute die sog. Verdoppelungszeit dar, also die Zeitspanne, innerhalb derer sich die Zahl der Infizierten verdoppelt. Diese liegt heute statistisch bei 16 Tagen und hält sich damit stabil im Umfeld der von den Fachleuten als günstig bewerteten Zielmarke von 12 bis 14 Tagen.  

Dass sich die Situation etwas entspannt hat und wir in Folge der von der Staatsregierung ergriffenen Maßnahmen jedenfalls weit entfernt sind von einem exponentiellen Aufwachsen der Infiziertenzahlen, das belegt die Auslastung der Kliniken mit Corona-Patienten in ganz Bayern im Allgemeinen und in den Hotspots im Besonderen. Denn im Unterschied zur Zahl der Neuinfektionen, die sich aus dem Testgeschehen ergibt und bei der schon deshalb ein Dunkelfeld existiert, weil viele Ansteckungen so mild verlaufen, dass der Betreffende davon gar nichts bemerkt, folglich nicht zum Arzt geht und deshalb auch nicht getestet wird, gibt es bei den schweren Erkrankungsfällen allenfalls ein Kleinst-Dunkelfeld. Denn kaum einer wird zu Hause und damit außerhalb der Statistik des Gesundheitssystems bleiben, der so schwer erkrankt, dass er stationärer medizinischer Hilfe bedarf. Oder anders formuliert: von den Infizierten kennen wir statistisch gesehen längst nicht alle, von den schwer und schwerst Erkrankten dagegen nahezu alle.

Deshalb ist es mit Blick auf den Verlauf der Pandemie in Bayern erfreulich, dass die Zahl der hospitalisierten Patienten in allen Kategorien stabil bleibt. Das gilt zum einen für die mit Corona-Patienten belegten Allgemeinbetten. Dort befinden sich heute ca. 2.250 Erkrankte. Auf einer Intensivstation liegen gut 880 Patientinnen und Patienten, von denen ca. 730 beatmet werden. Der letztgenannte Wert zeigt über die letzte Woche sogar einen leicht sinkenden Trend.

Und auch an den Hotspots wie der nördlichen Oberpfalz, der Landeshauptstadt München und den von dieser südlich und östlich gelegenen Landkreisen Miesbach, Rosenheim (einschließlich der kreisfreien Stadt Rosenheim), Erding und Freising lässt – bei zwar insgesamt nach wie vor angestrengter Belegungssituation – der Druck etwas nach. So sind dort die Intensivstationen zu etwa 85 Prozent ausgelastet und nicht mehr – wie noch vor zwei Wochen – absolut am Anschlag.

Insgesamt gesehen scheint sich das Geschehen etwas mehr vom Süden in die Mitte und den Norden Bayerns zu verlagern. Entfielen in der Spitze fast 54 Prozent aller Infektionsfälle in Bayern auf den Regierungsbezirk Oberbayern, sind es aktuell „nur“ noch 45 Prozent, was aber bei einem Anteil von etwa 36 Prozent an der Gesamtbevölkerungszahl immer noch deutlich über dem Durchschnitt ist.  

Abschließend darf ich Ihnen noch ein kurzes Blitzlicht hinsichtlich der Einhaltung der Ausgangsbeschränkungen am heutigen Ostersonntag geben. Wie nicht anders zu erwarten haben heute zahlreiche Menschen das schöne Wetter genutzt, um an die frische Luft zu gehen. Dies hatten wir so erwartet, zumal der Wetterbericht für den morgigen Ostermontag und die nächsten Tage nicht mehr ganz so günstig ausfällt und es damit heute umso naheliegender ist, die Wohnung für einen Spaziergang, für eine Radtour oder zum Luftschnappen und Sonnetanken zu verlassen.

In der Folge waren in allen Regionen Bayerns die klassischen Naherholungsgebiete gut besucht, aber nicht überlaufen. Ganz offensichtlich sind viele Städter entsprechend der Empfehlungen nicht wie gewohnt losgefahren, um dann am Starnberger See, dem Tegernseer Tal, am Schliersee oder im Werdenfelser Land halb München, oder an der Fränkischen Seenplatte halb Nürnberg wieder zu treffen, sondern sind in den beiden größten Städten Bayerns bzw. deren unmittelbarer Umgebung geblieben. Dort waren die Parks und die Grünanlagen bestens besucht und die Radwege stark frequentiert, aber nirgends kam es zu massiven Menschenansammlungen, die die Polizei vor größere Herausforderungen gestellt hätten.

Im Gegenteil: Die Einsatzkräfte der Polizeipräsidien, die wir an beiden Feiertagen mit jeweils 24 Zügen der Bayerischen Bereitschaftspolizei personell verstärkt haben, berichten, dass die Menschen sehr darauf geachtet haben, den Mindestabstand von 1,5 Metern stets einzuhalten. Insgesamt betrachtet darf ich somit den Menschen in Bayern ein großes Kompliment machen. Sie haben sich heute ausgesprochen diszipliniert verhalten und sind mit der doch erheblich belastenden Gesamtsituation außerordentlich gelassen umgegangen. Großen Respekt und herzlichen Dank dafür!

Diese Erfahrung macht Mut für die kommende Zeit. Denn bei allen Fortschritten wird es noch dauern, bis die Ausgangsbeschränkungen entbehrlich sein werden. Die Maßnahmen zu früh zu beenden hieße, die bisherigen Erfolge zu gefährden. Wir müssen also noch Geduld haben, denn „Ungeduld riskiert Leben“, wie es gestern unser Ministerpräsident Dr. Markus Söder so treffend in seiner Osteransprache zusammengefasst hat. Und wer zum selben Thema gleichsam noch eine zweite Meinung einholen möchte, für den darf ich Bundespräsident Dr. Frank-Walter Steinmeier und dessen Osteransprache zitieren: „Jeder von Ihnen hat sein Leben radikal geändert, jeder von Ihnen hat dadurch Menschenleben gerettet und rettet täglich mehr.“

Passen Sie weiter gut auf sich und Ihre Angehörigen auf!

Mit besten Grüßen

Ihr
Joachim Herrmann, MdL
Joachim Herrmann, MdL
Staatsminister


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