KIM - Kommunales aus dem Innenministerium
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Newsletter KIM - Ausgabe vom 21. August 2020

Liebe Leserinnen und Leser,

auch der Newsletter dieser Woche beginnt mit einer Betrachtung der statistischen Zahlen und Daten zur aktuellen Corona-Lage in Bayern. Die Zahlen zeigen innerhalb eines weiterhin gut beherrschbaren Rahmens ein erhöhtes Geschehen an. Für gestern, Donnerstag, 20. August 2020, Stand 08:00 Uhr, verzeichnen wir 54.147 bestätigte COVID-19-Infektionen (Vorwoche 52.432). Das sind im Vergleich zum Donnerstag vor einer Woche 1.715 Fälle mehr (Woche davor + 849). Im Durchschnitt der letzten sieben Tage bedeutet dies rund 245 Neuinfektionen pro Tag, mithin im Vergleich zur Vorwoche eine Verdoppelung (121). Diese steigende Tendenz untermauert nicht zuletzt der heutige Tageswert, der bei 399 liegt. Das ist eine Größenordnung, die wir mehrere Monate nicht mehr gesehen haben, zwischenzeitlich lagen wir ja sogar schon bei lediglich niedrigen zweistelligen Tageswerten.

An oder mit einer Corona-Infektion verstorben sind in Bayern mittlerweile 2.629 Personen.

Was sagen diese Zahlen aus? Klar positiv zu bewerten sind die weiterhin sehr niedrigen Corona-Sterbefallzahlen. Seit Monatsbeginn sind insgesamt neun Personen an COVID-19 verstorben, seit dem 14. August mussten wir glückicherweise gar keinen Todesfall beklagen. Der – jenseits des einzelnen tragischen Schicksals – in der Gesamtschau sehr erfreuliche Befund unterscheidet sich deutlich von der Situation im April, als wir zeitweise knapp 100 Tote pro Tag verzeichnen mussten. Diese positive Entwicklung hat zum einen mit einem mittlerweile deutlich verbesserten Verständnis der Medizin vom Virus und seiner optimalen Behandlung zu tun, vor allem aber mit einer veränderten Altersstruktur bei den Infizierten. Corona ist derzeit insbesondere in Altenheimen und Pflegeinrichtungen kein Hotspot-Thema mehr.

Demgegenüber bilden aktuell Reiserückkehrer und Mitarbeiter bestimmter Betriebe die stärksten Einzelgruppen bei den Neuinfizierten. In beiden Kategorien finden sich vor allem jüngere, mobile, aktive, körperlich hart arbeitende und insoweit gesundheitlich weitgehend stabile Menschen, die ganz offensichtlich eine akute Corona-Erkrankung vergleichsweise gut wegstecken, jedenfalls nicht an ihr sterben und auch nur selten eine stationäre intensivmedizinische Behandlung in einer Klinik benötigen.

Das legen die weiterhin niedrigen Hospitalisierungszahlen nahe. Derzeit befinden sich in Bayern
82 Patienten wegen Corona in stationärer Behandlung, von diesen liegen 26 auf einer Intensivstation, von denen wiederum 22 künstlich beatmet werden. Das Gesundheitssystem ist also weit davon entfernt, von einem Massenanfall schwer COVID-19-erkrankter Patienten überrollt zu werden.

Sorgen bereitet dagegen die Entwicklung der absoluten Zahlen bei den Neuinfektionen. Deren Anstieg hat natürlich etwas mit den massiv verstärkten Testungen zu tun – bis zu 46.000 an einem Tag –, die naturgemäß mehr Fälle ans Licht bringen, aber längst nicht nur. Davon zeugt unter anderem die sog. Positivrate. Diese sagt aus, wie hoch der Anteil der positiven Testbefunde an der Gesamtzahl der untersuchten Proben ist. Im Juni bewegte sich die Quote der positiven Befunde aller an einem Tag untersuchten Proben zwischen 0,3 und 0,7 Prozent. Für den August werden positive Quoten zwischen 0,9 und 1,4 Prozent pro Tag ausgewiesen.

Ein wesentlicher Beitrag hierzu dürften nach Einschätzung des Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit die bereits genannten Reiserückkehrer jüngeren Alters sein. Bei diesem Personenkreis liegt nahe, dass er sich im Urlaub gleichsam in Feierlaune insgesamt deutlich risikofreudiger als andere Personengruppen verhält und deshalb überdurchschnittlich viele Infektionsfälle provoziert und produziert.

Wieder genesen sind jetzt amtlich ausgewiesen 48.870 (Vorwoche 48.200) Personen oder 670 mehr als vor sieben Tagen. Die Zahl der aktuell an COVID-19-Erkrankten beläuft sich momentan in Bayern auf 2.650 im Vergleich zu 1.610 letzte Woche, 1.520 vor zwei und 1.270 vor drei Wochen. Hier zeigt sich also leider weiterhin eine steigende Entwicklung, die mit den bereits genannten Neuinfektionszahlen korrespondiert.

Die auf den Tag abstellende Reproduktionszahl R, die angibt, wie viele weitere Personen ein Infizierter statistisch ansteckt, ehe er gesundet oder verstirbt, bemisst sich aktuell entsprechend der mathematischen Betrachtungen des Robert Koch-Instituts auf R=1,27 (nach R=0,83 in der Vorwoche). Der auf einen Betrachtungszeitraum von sieben Tagen abstellende „geglättete R-Wert“ beläuft sich auf R=1,35. Beide Entwicklungen sind nicht schön, zeigen sie doch an, dass sich aktuell mehr Menschen neu mit Corona infizieren als eine solche Erkrankung überwinden.

Wie immer gebe ich Ihnen auch eine Einschätzung zu den 7-Tage-Inzidenzen für die
Landkreise und kreisfreien Städte Bayerns. Dies gibt an, wie viele Menschen, bezogen auf
100.000 Einwohner, sich innerhalb von sieben Tagen neu mit Corona angesteckt haben.

Die sehr gute Nachricht ist hier zunächst, dass der Landkreis Dingolfing-Landau seinen Status als Hotspot nunmehr hinter sich gelassen hat. Die Inzidenzrate liegt dort mit 29,1 nunmehr sogar unter dem Vorwarnwert von 35, nachdem nach den Geschehnissen in einem landwirtschaftlichen Betrieb und einer Konservenfabrik in den zurückliegenden Wochen Werte von 94 und 232 verzeichnet werden mussten. Es ist also gelungen, durch konsequentes vielfaches Testen und die Verhängung von Quarantäne über infizierte Personen aus dem stark betroffenen Kreis von Erntehelfern und Saisonarbeitskräften zu verhindern, dass sich das Infektionsgeschehen über die unmittelbaren Betriebsbereiche der genannten Unternehmen hinaus in die Stammbevölkerung des Landkreises ausdehnt. Die wenigen sonstigen Fälle des Landkreises haben keinen ursächlichen Zusammenhang mit dem Hotspot der letzten Wochen, sondern gehen u.a. auf Reiserückkehrer zurück.

Blickt man auf die von mir schon vielfach zitierte, nach Landkreisen und kreisfreien Städten untergliederte Bayernkarte, dann stechen einem derzeit keine orangen oder gar roten Einfärbungen ins Auge. Dies bedeutet, dass kein Landkreis und keine kreisfreie Stadt einen Wert jenseits der Vorwarngrenze von 35 oder gar der Hotspot-Grenze von 50 zu verzeichnen hat. Das ist erfreulich. Man darf sich allerdings nicht täuschen lassen. Denn betrachtet man die einzelnen Werte für die jeweiligen Gebietskörperschaften, dann wird deutlich, dass sich die Pandemie ausdehnt, wenn auch auf niedrigem Niveau aber doch immer stärker in die Breite Bayerns. Denn es gibt nur mehr vier Landkreise, die eine 7-Tage-Inzidenz von Null verbuchen. Vor zwei Wochen waren nach dieser Definition noch 20 Landkreise und kreisfreie Städte Corona-frei.  

Und auch der Befund von letzter Woche, mit Ausnahme von Dingolfing-Landau verzeichne kein Land- oder Stadtkreis eine 7-Tage-Inzidenz über 20, ist nun perdu. Aktuell liegen neun Gebietskörperschaften bei einem Wert über 20 und eine ganze Anzahl liegt nur mehr knapp darunter.

Alles in allem gilt auch diese Woche: Wir müssen extrem wachsam bleiben. Mein Eindruck ist, dass wir uns gerade in einer entscheidenden Phase befinden, wie es in den nächsten Wochen weitergeht. Ich hoffe inständig, dass sich aus der zweiten Hälfte der Sommerferien und dem damit einhergehenden Reisegeschehen z. B. aus Spanien, Kroatien, dem Kosovo und Bosnien-Herzegowina, die allesamt deutlich steigende Infektionszahlen melden, bei uns keine signifikanten Lageverschärfungen ergeben, sondern dass sich zumindest bei den täglichen Neuinfektionen wieder ein stabiles Plateau um einen Wert von 300 bildet, mit dem wir gut zurechtkommen. Hierzu kann jede und jeder Einzelne ihren bzw. seinen ganz persönlichen Beitrag leisten, indem man eventuelle Reiseziele mit Bedacht wählt und sich auch dort penibel an die Abstands- und Hygieneregeln hält.

Themenwechsel. Zentrales fachliches Thema dieser Woche war und ist die Umsetzung der vom Ministerrat beschlossenen Bayerischen Teststrategie, das haben Sie sicherlich den Medien entnommen. Dass es vergangene Woche beim Handling von ca. 40.000 Proben, namentlich bei der Rückmeldung der individuellen Testergebnisse an ca. 900 positiv getestete Personen, gravierende Schwierigkeiten gab, ist nicht zu bestreiten.

Das bedeutet aber nicht, dass die auf „Testen, Testen und nochmals Testen“ ausgerichtete Gesamtstrategie falsch ist. Im Gegenteil: Die ansteigende Entwicklung der Zahl der positiven Testergebnisse, siehe oben, zeigt, dass es notwendig ist, das offensichtlich vorhandene Dunkelfeld aus ohnehin im Land befindlichen und durch den urlaubsbedingt intensivierten grenzüberschreitenden Reiseverkehr ins Land kommenden Infektionsfällen möglichst intensiv aufzuhellen. Nur so können wir dafür Sorge tragen, dass sich keine größeren Ausbruchsgeschehen entwickeln, die dann weiter stark streuen und sich in Windeseile ins ganze Land ausbreiten.

Dass dieser stark testbasierte Ansatz richtig ist, wird – nach anfänglich teils sogar hämischer öffentlicher Kritik – zwischenzeitlich kaum mehr bestritten. Wir hatten speziell mit Blick auf die an einzelnen Bundesautobahnen gelegenen Testzentren für Reiserückkehrer sozusagen das Pech, als Vorreiter in der Umsetzung dieser Strategie Pannen zu erleiden, die anderen Ländern, die zwar auch an der Bundesgrenze liegen, aber den heimkehrenden Reisenden kein besonderes Testangebot machen, aus dieser Untätigkeit heraus erspart bleiben.

Aber: Es ist meine tiefe Überzeugung, dass der alte Spruch „wer nichts macht, macht auch keine Fehler“ zwar verlockend einfach erscheint, in der Sache aber überhaupt nicht weiterführt und deshalb schlicht falsch ist. Jetzt gilt es, aus den negativen Erfahrungen der letzten Woche die richtigen Schlüsse zu ziehen und diese beim weiteren Ausbau der Testkapazitäten zu berücksichtigen.

Nicht zuletzt als Reserveoffizier habe ich gelernt, dass „der Blick ins Gelände“ die Entscheidungsfindung erleichtert. Deshalb habe ich vorgestern das auf der Theresienwiese aufgebaute Testzentrum der Landeshauptstadt München besucht, um mir dort einen unmittelbaren persönlichen Eindruck davon zu verschaffen, wie ein gut organisiertes Testzentrum aussehen kann. Dort fahren die Probanden nach vorheriger Online-Anmeldung und Terminvereinbarung in aller Regel mit einem PKW vor. Wie ich beobachten konnte, ist es aber auch kein Hindernis, mit dem Wohnmobil, einem Motorrad, dem Fahrrad, einem Skateboard oder schlicht zu Fuß zu kommen. Im Drive-through-Verfahren wird an einer ersten Station anhand von Dokumenten geprüft, ob die online gemachten Angaben zu Personen- und Kontaktdaten zutreffen.

Der Vorgang dauert allenfalls zwei Minuten, dann können die Probanden zur nächsten Station weiterfahren, wo medizinisches Personal bereitsteht, um den Rachenabstrich durchzuführen. Parallel stellen weitere Mitarbeiter EDV-basiert und nach den Regularien des später die Probe untersuchenden Labors Etiketten mit QR-Codes her. Diese markieren für eine eindeutige Zuordnung von Probe und Proband das Probengefäß, einen begleitenden Laufzettel sowie eine Karte, die der Proband mitbekommt.

Auf dieser ist detailliert beschrieben, wie der Proband 24 bis 48 Stunden nach der Probenentnahme „sein“ Testergebnis online über eine vom Labor betriebene Plattform abrufen kann. Hierzu geht er auf die entsprechende Seite und legitimiert sich über den QR-Code. Sollte der Vorgang seitens des Labors noch nicht abgeschlossen sein, gibt die Seite – vergleichbar der Versandwegbeschreibung einzelner Paketdienstleister – Auskunft über den Verfahrensstand („Ihre Probe ist auf dem Weg zum Labor“ oder „Ihre Probe wird derzeit untersucht“ o. ä.). Sollte das Testergebnis „positiv“ ausfallen, also eine Infektion nachgewiesen werden, erhält zusätzlich das zuständige Gesundheitsamt automatisiert eine Mitteilung. Sollte der Proband nicht in angemessener Zeit ein Ergebnis abrufen können, kann er über eine Hotline nachfragen.

Und wer etwa für den Arbeitgeber einen Beleg über ein negatives Testergebnis benötigt, kann sich diesen zusenden lassen.

Diese vereinfachte Beschreibung zeigt, dass es technisch wie personell keine triviale Aufgabe ist, leistungsfähige Prozesse zu schaffen, die den Vorgang vom Erstkontakt mit dem Probanden bis zu dessen Information über das Testergebnis schnell, stabil, mit hoher Kapazität und datensicher gestalten. Apropos Kapazität: Die Abläufe werden ständig optimiert und die insoweit den „Flaschenhals“ bildenden Laborkapazitäten ständig ausgebaut. Betrug die Tageskapazität der Teststation unter den Augen der Bavaria am Montag noch 200 Proben, werden seit Mittwoch
1.000 Abstriche durchgeführt. Und ein weiterer Aufwuchs ist grundsätzlich möglich.  

Ich bedanke mich bei der Landeshauptstadt München, namentlich der Umwelt- und Gesundheitsreferentin, Frau Stephanie Jacobs, sowie Herrn Peter Aicher, der mit seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Station betreibt, für die Möglichkeit zur Besichtigung und die Erläuterung des sehr überzeugenden Konzepts.

Abschließend darf ich noch meine Freude und meinen Ärger der Woche artikulieren. Besonders gefreut habe ich mich, dass es im Zuge des besagten Pannenszenarios am vergangenen Freitag gerade durch den Einsatz von über zweihundert Bereitschaftspolizisten gelungen ist, die zunächst nicht verständigten fast 10.800 Personen zu fast 80 Prozent binnen eines halben Tages und einer halben Nacht zu erreichen. Besonders wichtig war dies in Bezug auf die fast 1.000 offenen Vorgänge zu positiv getesteten Personen.

Hier knüpft dann auch mein Ärger der Woche an. Anstatt diesen Erfolg zu würdigen wurde in der medialen Darstellung ständig auf 46 Fällen herumgeritten, bei denen die Betreffenden „auch nach Tagen immer noch nicht erreicht“ worden seien. Hier die ganze Wahrheit zu berichten, hätte wahrscheinlich die Meldung kaputt gemacht und ist wohl deshalb unterblieben. Denn beim Hauptteil der verbliebenen Suchvorgänge konnten immerhin Bezüge zu einem anderen Bundesland hergestellt und daraufhin die dortigen Behörden eingeschaltet werden. Und auf einigen weiteren Erfassungsbögen hatten sich die Probanden mit Phantasieidentitäten wie „Max Mustermann“ oder „Mickey Mouse“ eingetragen und/oder falsche Telefonnummern oder nicht existente E-Mailadressen angegeben. Da ist dann auch der engagierteste Ermittler mit seinem Latein am Ende!

Testen, bis der Arzt kommt!

Mit besten Grüßen

Ihr
Joachim Herrmann, MdL
Joachim Herrmann, MdL
Staatsminister


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