KIM - Kommunales aus dem Innenministerium
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Newsletter KIM - Ausgabe vom 25. April 2020

Liebe Leserinnen und Leser,

auch heute darf ich Ihnen am Anfang dieses Newsletters einen kurzen statistischen Überblick zur Corona-Lage in Bayern geben. Stand heute, Samstag, 10:00 Uhr, haben wir in Bayern 40.951 bestätigte Corona-Infektionen zu verzeichnen (+ 478 im Vergleich zum Vortag, + 1,2 Prozent). Wiedergenesen sind amtlich ausgewiesen 27.530 Personen, das sind 1.190 mehr als gestern
(+ 4,5 Prozent).

Die Reproduktionszahl R, die angibt, wie viele weitere Personen ein Infizierter statistisch ansteckt, ehe er selbst gesundet oder verstirbt, liegt nach den Berechnungen des Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) weiter bei R=0,6.

Die sog. „Sieben-Tage-Inzidenz“, das ist die Zahl der innerhalb von sieben Tagen registrierten Neuinfektionen, bezogen auf 100.000 Einwohner, mithin eine statistische Größe, die über alle unterschiedlich großen Landkreise und kreisfreien Städte hinweg eine gewisse Vergleichbarkeit herstellt, liegt heute bei 33 Fällen. Dass sich aber die Lage an den Hotspots erheblich unterscheiden kann, zeigen die Sieben-Tage-Inzidenzen für die derzeit am stärksten betroffenen Landkreise bzw. kreisfreien Städte. An der Spitze liegt nach wie vor die Stadt Straubing mit einem Wert von 144,4, der allerdings vor drei Tagen noch bei 150,7 lag und insoweit eine leichte Entspannung der Lage anzeigt. Auf Platz 2 liegt nunmehr die Stadt Rosenheim mit einem Wert von 123,2, der erfreulicherweise ebenfalls einen sinkenden Trend ausweist. Und das gleiche positive Bild ist für den Landkreis Neustadt a.d. Waldnaab zu vermelden, für den heute eine Sieben-Tage-Inzidenz von 83,7 errechnet wurde, nach einem Höchstwert von 106,0 Anfang der Woche.

In der Zusammenschau dieser Werte bestätigt sich das positive Bild der letzten beiden Wochen. Dies lässt hoffen, dass sich auch im Lichte der bereits erfolgten und der ab Anfang der Woche wirksam werdenden Lockerungen keine dramatische Veränderung der Lage ergeben wird. Dies wird entscheidend davon abhängen, wie konsequent die Bevölkerung die ebenfalls am Montag wirksam werdenden verschärften Hygienevorschriften befolgt. Dies gilt natürlich zu aller erst für die Pflicht, im Öffentlichen Personennahverkehr und in Geschäften eine Mund-Nase-Bedeckung zu tragen und vor allem den Mindestabstand von 1,5 Metern einzuhalten. Ich darf in diesem Zusammenhang dringend vor der allzu verlockenden und leider weit verbreiteten, aber irrigen Annahme warnen, dass das Tragen einer Schutzmaske die Einhaltung des Sicherheitsabstandes entbehrlich machen könnte. Das ist gerade nicht der Fall. Erst beide Maßnahmen zusammen können die erforderliche Schutzwirkung entfalten, um die mit den Lockerungen verbundenen Infektionsrisiken aufzuwiegen.

An einer Corona-Infektion sind in Bayern weitere 36 Patienten (+ 2,8 Prozent) verstorben
(gestern + 46), sodass sich die Gesamtzahl nunmehr auf 1.584 Todesfälle beläuft. Diese Zahl verteilt sich in ihrem Zustandekommen durchaus unterschiedlich auf die Regierungsbezirke.

Aus Oberbayern werden insgesamt 18.361 Erkrankungsfälle gemeldet, aus denen 584 Todesfälle hervorgegangen sind. Dies entspricht einer Letalitätsrate von knapp 3,2 Prozent.

Niederbayern verzeichnet bisher 4.246 Fälle, aus denen 205 Sterbefälle resultieren, also knapp
5 Prozent.

Die Oberpfalz weist 4.574 Infizierte aus und 230 Verstorbene, mithin ergibt sich hier ein Sterbefallanteil von 5 Prozent.

Oberfranken hat 3.112 Fälle zu verzeichnen und 140 Corona-Tote zu beklagen, woraus sich eine Letalitätsrate von knapp 4,5 Prozent ergibt.

Mittelfranken wiederum meldet 4.093 Infizierte und 173 Corona-Tote, woraus sich eine Sterbequote von gerundet 4,2 Prozent errechnet.

Unterfranken hat 3.108 Infektionsfälle und 146 Corona-Sterbefälle gemeldet. Das macht eine Sterbefallquote von 4,7 Prozent aus.

Und schließlich Schwaben: Dort kommen auf 3.557 Infektionen 142 an COVID-19 verstorbene Patienten, woraus sich eine Sterbefallquote von knapp unter 4 Prozent errechnet.

Sicherlich werden sich die Gesundheitsexperten nach überstandener Pandemie ähnliche Vergleiche anstellen und darüber hinaus enorme Datenmengen auswerten, um den Verlauf der Pandemie in Bayern besser zu verstehen, fundierte Schlüsse zu ziehen und vielleicht da und dort bestehende Verbesserungspotentiale zu identifizieren.

Ich möchte an dieser Stelle nur einige wenige bewertende Anmerkungen machen. Die sich abzeichnende Spreizung bei der Sterbefallrate zwischen 3,2 Prozent für Oberbayern und 5 Prozent für die Oberpfalz halte ich für akzeptabel. In der Gesamtschau sind diese Zahlen deutliche Indikatoren für die Leistungsfähigkeit des Gesundheitssystems in ganz Bayern. Denn es gibt keinen eklatanten „Ausreißer“, der darauf hindeuten würde, dass das Gesundheitssystem in einer bestimmten Region zum Nachteil der dortigen Patienten völlig überfordert gewesen wäre oder dass es ein signifikantes Ballungsraum-Land-Gefälle gäbe.

Speziell für Oberbayern und die Oberpfalz muss man zudem konstatieren, dass sie im Unterschied zum restlichen Bayern von Hotspot-Geschehnissen stark betroffen waren und deshalb Sondereffekte auftreten mussten. Zudem sahen sich gerade dort die Kliniken als erste mit besonders vielen und besonders schweren Krankheitsfällen konfrontiert, die häufig einen Verlauf nahmen, der, wie mir ein Chefarzt in einer besonders hart getroffenen Region sagte, so in keinem Lehrbuch steht und in keiner Vorlesung behandelt wurde. Oder anders formuliert: Die früher als andere geforderten Kliniken mussten sich ein Stück weit erst die bestmögliche Behandlung solcher Fälle erarbeiten und dabei Erfahrungen sammeln, von denen die Ärzte in den Kliniken der später betroffenen Regionen bereits profitieren konnten.   

Dies gilt im Übrigen auch im Verhältnis zu vielen anderen Regionen in Deutschland. Diese hat die von Süden heranrollende Pandemiewelle im Vergleich zu Bayern und Baden-Württemberg erst später, oder unter dem Eindruck der Gegenmaßnahmen wie Ausgangsbeschränkungen, Veranstaltungsverboten und Betriebsuntersagungen schon deutlich abgeflacht erreicht und war damit deutlich einfacher zu beherrschen. Insoweit kann sich die auf gesamt Bayern berechnete Sterbequote von 3,9 Prozent auch im Verhältnis zu den 3,6 Prozent für ganz Deutschland absolut sehen lassen, zumal Bayern von Anfang an alles darangesetzt hat, möglichst alle Fälle aufzudecken, bei denen ein Patient an oder im Kontext eines schweren und bereits vorher vorhandenen Grundleidens MIT Corona verstorben ist. So hat Bayern im Unterschied zu anderen schon sehr früh damit begonnen, bei relevanten Anzeichen auch verstorbene Personen gleichsam „nachträglich“ auf Corona zu testen, so dies zu Lebzeiten noch nicht geschehen war.

Diese Betrachtung gibt mir einmal mehr Gelegenheit, all denen herzlich Dank zu sagen, die in den Kliniken, Alten- und Pflegeheimen, Arztpraxen, in der ambulanten Pflege und beim Rettungsdienst oft genug bis an den Rand der eigenen totalen Erschöpfung ihren Dienst im Dienste der Menschlichkeit geleistet haben.     

Gestatten Sie mir zum Abschluss der heutigen Ausgabe einen Themenwechsel, der uns gleichsam an den Anfang des Lebenswegs führt. Mich haben Anfragen erreicht, wer nach einer Geburt die Mutter und das Baby in der Klinik besuchen darf, nachdem § 3 Zweite Bayerische Infektionsschutzmaßnahmenverordnung den Besuch von Krankenhäusern grundsätzlich untersagt. Die Vorschrift selbst lässt in ihren Ausnahmebestimmungen Auslegungsspielraum und spricht davon, dass auf Geburts- und Kinderstationen ausschließlich „engste Angehörige“ Besuche machen dürfen. Nähert man sich der Frage vom Schutzzweck der Vorschrift her, dann bezieht sich dieser in erster Linie auf die Gesundheit der anderen Wöchnerinnen und Babys sowie auf den reibungslosen Betrieb der Klinik und erst in zweiter Linie auf den Schutz der Mutter beziehungsweise des Neugeborenen, zumal diese womöglich schon ein oder zwei Tage später mit den von der Vorschrift genannten „engsten Angehörigen“ im selben Haushalt leben werden.

Es geht also um die Minimierung des Risikos eines Infektionseintrags zu Lasten Dritter. Vor diesem Hintergrund sollte der Besucherkreis so klein wie möglich gehalten werden. Erster Adressat des Ausnahmetatbestandes wird regelmäßig der Vater des Kindes sein. Diesem sollte der Besuch bei der Mutter und seinem Kind unbedingt möglich sein, zumal dies im Interesse beider Elternteile liegt. Der Vater soll gemeinsam mit der Mutter sein Glück genießen dürfen, aber auch der Mutter Beistand leisten können, wenn diese ihn vielleicht kurz nach der Geburt besonders braucht. In anderen Familienkonstellationen kann an die Stelle des Vaters eine andere Person des besonderen Vertrauens der Mutter treten, aber recht viel größer sollte aus den genannten infektiologischen Gründen der Kreis der Besucher nicht sein. Deshalb sollten die Großeltern auf einen Besuch in der Klinik verzichten und ältere Geschwisterkinder des neuen Erdenbürgers nur dann mitkommen, wenn eine Betreuung durch Dritte nicht möglich ist. Aber immer gilt: Die behandelnden Ärzte haben das letzte Wort und die bekannten Hygienestandards sind jedenfalls gegenüber Dritten unbedingt einzuhalten.

Bleiben Sie heiter!

Mit besten Grüßen

Ihr
Joachim Herrmann, MdL
Joachim Herrmann, MdL
Staatsminister


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