Corona-Pandemie: Newsletter des Bayerischen Innenministers

Update vom 6. August 2020

Liebe Leserinnen und Leser,

auch der heutige Newsletter beginnt mit einer Betrachtung der statistischen Zahlen und Daten zur aktuellen Corona-Lage in Bayern. Sie zeigen erfreulicher Weise weiterhin, dass die Lage insgesamt unter Kontrolle ist, wir die Entwicklung aber auch genau im Auge behalten müssen. Heute, Donnerstag, 6. August 2020, verzeichnen wir 51.583 bestätigte COVID-19-Infektionen (Stand: 08:00 Uhr). Das sind im Vergleich zum Donnerstag vor einer Woche 762 Fälle mehr (Vorwoche + 776). Im Durchschnitt der letzten sieben Tage bedeutet dies knapp 109 Neuinfektionen pro Tag (Vorwoche 110). An bzw. mit einer Corona-Infektion verstorben sind mittlerweile 2.622 Personen. Das sind im Vergleich zum Donnerstag letzter Woche 2 Corona-Tote mehr. Beide für die Gesamtsituation essentiellen Parameter sind damit relativ stabil.

Wieder genesen sind heute amtlich ausgewiesen 47.440 Personen oder 510 mehr als vor sieben Tagen. Die Zahl der aktuell an COVID-19-Erkrankten beläuft sich momentan in Bayern auf 1.520 im Vergleich zu 1.270 letzte Woche, 1.030 vor zwei und 990 vor drei Wochen. Auch hier zeigt sich leider eine wiederum steigende Entwicklung.

Die über sieben Tage statistisch geglättete Reproduktionszahl R, die angibt, wie viele weitere Personen ein Infizierter statistisch ansteckt, ehe er gesundet oder verstirbt, bemisst sich entsprechend der letztverfügbaren Zahlen der mathematischen Betrachtungen des Robert Koch-Instituts (RKI) für Bayern auf R=0,86 (nach R=1,28 in der Vorwoche). Die allein auf den Tag abstellende Reproduktionszahl liegt bei R=0,84 (nach R=0,9 in der Vorwoche). Damit bewegen sich die Werte auch diese Woche unter 1 und stellen sich damit günstig dar.

Wie immer gebe ich Ihnen auch eine Einschätzung zu den 7-Tage-Inzidenzen für die Landkreise und kreisfreien Städte Bayerns. Leider verzeichnen wir mit dem Landkreis Dingolfing-Landau immer noch einen echten Hotspot. Denn nach dem Ausbruchsgeschehen auf einem Erntehof in Mamming ist es dort auch bei einem großen Konservenhersteller zu zahlreichen Infektionen gekommen. Die Inzidenzrate liegt mit rund 232 (Vorwoche rund 190) immer noch weit über dem Schwellenwert von 50. Ich bin aber zuversichtlich: Mit unseren breit angelegten Testungen und Quarantänemaßnahmen werden wir die Infektionsherde auf die genannten Betriebe eingrenzen und der Bevölkerung im Landkreis so weitergehende Maßnahmen ersparen. An zweiter Stelle liegt die Stadt Ingolstadt mit einer 7-Tage-Inzidenz von rund 26 und damit bereits deutlich unter der Warnschwelle von 35 Fällen pro 100.000 Einwohnern. Die Zahl der Landkreise bzw. kreisfreien Städte mit einer 7-Tage-Inzidenz von Null zeigt sich mit jetzt 19 (Vorwoche 11) wieder auf einem höheren Niveau. Insgesamt gibt es 5 Landkreise, die eine Inzidenz größer 10 aufweisen, 16 Landkreise bewegen sich zwischen 5 und 10. Die übrigen Landkreise weisen eine Inzidenz unter 5 auf. Damit zeigt sich in vielen Landkreisen weiterhin eine insgesamt stabile Situation.

Die Entwicklung zeigt abermals: Wir müssen weiter wachsam bleiben und mit Nachdruck darauf achten, dass wir die Abstands- und Hygieneregeln auch nach wie vor sorgfältig einhalten. Nur so können wir auf uns selbst und auf andere bestmöglich Acht geben und einer möglichen zweiten Corona-Welle effizient begegnen.

Wichtig ist aber auch festzuhalten, dass das augenblickliche Infektionsgeschehen in Bayern keinen Anlass zu Hysterie gibt. Denn auch wenn die durchschnittlichen Neuinfektionen pro Tag nach einer längeren Phase von Infektionen im zweistelligen Bereich inzwischen die zweite Woche in Folge wieder im niedrigen dreistelligen Bereich liegen (aktuell wie erwähnt bei 109), so sind die Zahlen der hospitalisierten Corona-Patienten sowie die Zahlen an und mit Corona Verstorbener Gott sei Dank sogar rückläufig. Denn starben Corona-bedingt in der Vorwoche noch 4 Personen, waren es in den letzten 7 Tagen wie dargestellt 2 Personen. Und auch die Zahl der Krankenhausbetten, die von Covid-19-Patienten belegt sind, liegt mit aktuell 100 sogar deutlich unter vergleichbaren Vormonatswerten (Stand 02.07.2020: 133 hospitalisierte Covid-19-Patienten).

Auffällig ist also, dass trotz der gestiegenen Zahlen bestätigter Corona-Neuinfektionen die Zahl der schweren bzw. tödlichen Verläufe eher rückläufig ist. Der Schluss liegt darum nahe, dass die zunehmenden bestätigten Corona-Infektionen auch zu einem erheblichen Teil den erhöhten Testkapazitäten in Bayern geschuldet sind, wodurch folglich eine größere Zahl asymptomatischer Corona-Erkrankungen diagnostiziert wird. So haben sich beispielsweise die aktuellen Testkapazitäten (27.07.-02.08.2020) mit durchschnittlich 20.018 durchgeführten Tests pro Tag im Vergleich zum entsprechenden Vormonatszeitraum (25.06.-01.07.2020) mit 9.556 Tests pro Tag mehr als verdoppelt. Auch hinsichtlich der Quote positiver Testergebnisse sind die Zahlen stabil. Im Schnitt liegt heute die Positivenrate bei 0,57 %. Das entspricht immer noch in etwa dem Prozentsatz (0,41 %) vom 02.07.2020, als wir gerade einmal 40 Neuinfizierte ausgewiesen hatten.

Auf diesen Erfolgen bei der Eindämmung der Pandemie ruhen wir uns aber natürlich nicht aus. In Bayern wissen wir, dass die Lage, solange wir mit Corona leben müssen, stets fragil bleibt und daher aufmerksam beobachtet werden muss. Wie bereits letzte Woche erläutert, behalten wir darum u. a. auch das intensivierte Reisegeschehen genau im Blick. Ich freue mich, dass jeder, der aus dem Ausland nach Deutschland einreist, sich inzwischen innerhalb von 72 Stunden beziehungsweise unmittelbar bei Wiedereinreise kostenlos auf das Coronavirus testen lassen kann. Die Testangebote in Bayern werden auch bereits stark nachgefragt und sind ein voller Erfolg. Allein an den bayerischen Autobahnen haben sich am 5. August 2020 beispielsweise knapp
4.000 Personen testen lassen.

Außerordentlich begrüße ich auch, dass Bundesgesundheitsminister Jens Spahn heute verkündet hat, dass Einreisende aus Risikogebieten ab sofort zum Test verpflichtet sind. Entweder sie legen bereits bei Einreise einen negativen Corona-Test vor, der nicht älter als 48 Stunden sein darf, oder sie lassen sich nach der Einreise in Deutschland testen. Das soll zum Beispiel noch direkt am Flughafen geschehen und ist für die Reisenden kostenlos; sich zu widersetzen ist bußgeldbewehrt. Klar ist aber auch: Einen körperlichen Zwang zur Testung kann und soll es nicht geben. Alle nicht negativ getesteten Reisenden müssen sich darum nach ihrer Rückkehr direkt zu ihrem Zielort begeben und dort eine 14-tägige häusliche Quarantäne einhalten. Und sie müssen sich sofort bei ihrem zuständigen Gesundheitsamt melden. Wichtig ist: Bis das Testergebnis vorliegt oder eben eine 14-Tage dauernde häusliche Selbstisolation absolviert wurde, müssen sich Einreisende aus Risikogebieten strikt an die Quarantäneregeln halten. Währenddessen ist es nicht erlaubt, das Haus oder die Wohnung zu verlassen und Besuch zu empfangen. Verstöße dagegen können zu Recht sehr teuer werden!

Themenwechsel: Auch diese Woche kann und will ich nicht verhehlen, dass ich mich über ein Ereignis ganz besonders geärgert habe. Die massenhaften Verstöße gegen die Covid-19-Auflagen bei den Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen am vergangenen Samstag in Berlin sind nicht hinnehmbar. Unzählige Teilnehmer haben sich dort dicht gedrängt und ohne Masken auf der Straße des 17. Juni aufgehalten. Neben Corona-Leugnern und Impfgegnern waren auch viele Teilnehmer mit eindeutig rechtsgerichteten Fahnen oder T-Shirts in der Menge; einige von ihnen riefen sogar zynisch „Wir sind die zweite Welle.“ und brachten damit ihre Gleichgültigkeit gegenüber der Gesundheit unserer Bevölkerung zum Ausdruck. Dieses verantwortungslose Verhalten dürfen wir nicht tolerieren.

Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich bekenne mich klar zum Grundrecht auf Versammlungsfreiheit – es ist ein außerordentlich wichtiges Gut für eine lebendige Demokratie. Gerade auch im Zuge der Coronavirus-Beschränkungen muss dieses Grundrecht besondere Berücksichtigung finden. Und klar ist auch: Selbst für Unsinn zu demonstrieren, muss in einer Demokratie ungestraft möglich sein. Mein Verständnis endet aber da, wo Demonstranten die Gesundheit unserer Bevölkerung mutwillig gefährden – und genau das ist in Berlin am vergangenen Wochenende geschehen. Denn die dort gezeigte Dimension an unverantwortlicher Sorglosigkeit im Umgang mit dem Coronavirus hat das Potential, unsere mühsam erreichten Erfolge bei der Pandemiebekämpfung zunichte zu machen. Dieses rücksichtslose Verhalten gefährdet uns alle! Ich finde es darum dringend angezeigt und auch verhältnismäßig, solche Versammlungen künftig nur noch unter strengeren Auflagen zu genehmigen. Es muss klar sein: Demonstrationen werden ohne Einhaltung der Hygiene- und Abstandsgebote unverzüglich aufgelöst. Und diejenigen, die derart verantwortungslos und leichtsinnig handeln, müssen für ihr Tun auch zur Verantwortung gezogen werden und mit einem saftigen Bußgeld rechnen. Nur so können wir beidem gerecht werden: dem Recht auf Versammlungsfreiheit und dem Schutz der Gesundheit unserer Bevölkerung.

Aber Gott sei Dank gibt es diese Woche natürlich auch wieder Anlass zur Freude: Als Bayerischer Sportminister und leidenschaftlicher Fußballfan bin ich froh, dass nach rund fünf Monaten Corona-Unterbrechung endlich die UEFA Champions League fortgeführt werden kann. Nach 149 Tagen Pause rollt der Ball am 7. August 2020 wieder in der „Königsklasse“ des Fußballs. Und am
8. August steht auch gleich der FC Bayern München im Achtelfinal-Spiel gegen den FC Chelsea. Ich drücke fest die Daumen, dass der FC Bayern wie beim 0:3-Hinspiel das Spiel wieder für sich entscheidet – dann wären wir unserem Ziel, dem Finalturnier in Lissabon, wieder einen entscheidenden Schritt näher.

Mit besten Grüßen & damit Corona für uns nicht zum Aha-Erlebnis wird, halten wir uns lieber an die AHA-Formel: Achten wir auf Abstand, Hygiene und Alltagsmaske, dort wo es eng wird!

Ihr

Joachim Herrmann, MdL
Staatsminister

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