Ordensaushändigung

Ansbach, 5. November 2012 (stmi). Auf Vorschlag des Bayerischen Ministerpräsidenten hat der Bundespräsident Erich Gröger, Dr. Hans Jürgen Hesselmann, Horst Koydl, Dr. Wolfgang Mück, Alfred Richter und Helmut Winter mit dem Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet.

Verdienstkreuz am Bande
© Bundesregierung, Julia Fassbender

Staatsminister Joachim Herrmann hat die Auszeichnung heute in Ansbach ausgehändigt.

Mit seinen Ordensverleihungen möchte der Bundespräsident die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf hervorragende Leistungen lenken, denen er für unser Gemeinwesen besondere Bedeutung beimisst. Der Verdienstorden wird an in- und ausländische Bürgerinnen und Bürger für politische, wirtschaftlich-soziale und geistige Leistungen verliehen sowie darüber hinaus für alle besonderen Verdienste um die Bundesrepublik Deutschland, wie zum Beispiel im sozialen und karitativen Bereich.

Erich Gröger (82) aus Ansbach

Ordensaushändigung am 5. November 2012 - Verdienstkreuz am Bande an Erich Gröger
© Regierung von Mittelfranken

Erich Gröger leistete über drei Jahrzehnte hinweg herausragende ehrenamtliche Vereinsarbeit für den 'WEISSEN RING e.V.' Herr Gröger trat im Jahr 1980 als aktives Mitglied der Organisation bei, von 1981 bis Februar 2012 war er Leiter der Außenstelle Ansbach (Stadt). Einunddreißig Jahre lang hat er mit vollem Engagement und großer Umsicht die Opfer von Verbrechen im persönlichen Gespräch unterstützt, begleitete sie bei Behörden- und Gerichtsgängen und unterstützte sie mit Mitteln des WEISSEN RINGS finanziell. Besonders zeichnete ihn dabei die Fähigkeit aus, sich mit großem Einfühlungsvermögen auf die Erlebnisse der Opfer einzulassen. Zum Wohl der Betroffenen arbeitete er hervorragend mit den entsprechenden Stellen und Behörden zusammen. Trotz seines fortgeschrittenen Alters übernahm er zusätzlich über einige Zeit die kommissarische Leitung der Außenstelle Ansbach (Kreis), nachdem deren Leiterin verstarb. Auch mit der Belastung zweier Außenstellen hat er die Herausforderungen vorbildlich gemeistert.

Dr. Hans Jürgen Hesselmann (68) aus Schwarzenbruck, Landkreis Nürnberger Land

Ordensaushändigung am 5. November 2012 - Verdienstkreuz am Bande an Dr. Hans Jürgen Hesselmann
© Regierung von Mittelfranken

Dr. Hans Jürgen Hesselmann entwickelte als Leiter des einzigen kommunalen Menschenrechtsbüros dieser Art in Deutschland von 1994 bis Dezember 2009 die Menschenrechtsarbeit der Stadt Nürnberg. Besonders hervorzuheben ist dabei der 'Internationale Nürnberger Menschenrechtspreis'. Er zeichnet Einzelpersonen oder Gruppen aus, die sich vorbildlich und teilweise unter erheblichen persönlichen Risiken für die Achtung dieser Rechte einsetzen. Der Preis bedeutet nicht nur eine Ehrung, sondern entfaltet für die meisten Preisträgerinnen und Preisträger eine Schutzfunktion. Zu dem von Dr. Hesselmann entwickelten nachhaltigen Konzept des Preises gehört die Förderung der Projekte in den Ländern der Preisträger durch die Stiftung 'Nürnberg - Stadt des Friedens und der Menschenrechte', das 'Nürnberger Friedensmahl' und Spenden aus der Nürnberger Bürgerschaft. Gegenwärtig sind dies acht Projekte in sechs Ländern. Darüber hinaus initiierte und organisierte er Internationale Menschenrechtskonferenzen und Medienforen, die 'Nürnberger Friedenstafel', den 'Runden Tisch Menschenrechte' und regelmäßige Veranstaltungen zum Internationalen Tag gegen Rassismus. Fest verankerte Menschenrechtsbildung an Nürnberger Schulen und in der Stadtverwaltung, die Einrichtung einer Antidiskriminierungsstelle der Stadt, die Einführung von Anti-Diskriminierungsklauseln in Gewerbezulassungen und die Entwicklung von Leitlinien für die Wohnungswirtschaft sind ebenfalls Ergebnisse seiner Arbeit. Seinem Engagement ist es zu verdanken, dass sich die Menschenrechtsaktivitäten der Stadt Nürnberg auf verschiedene Ebenen erstrecken und in einem filigranen Netz miteinander verwoben sind. Unter Federführung von Dr. Hesselmann entwickelte und gestaltete das Menschenrechtsbüro gemeinsam mit der UNESCO die europäische und internationale Städte-Koalition gegen Rassismus. Für Nürnberg ist die von Herrn Dr. Hesselmann initiierte 'Europäische Charta für den Schutz der Menschenrechte in der Stadt' die Initialzündung für zahlreiche Projekte und Maßnahmen, die die Kommission für Integration und Menschenrechte auf den Weg bringt. Von 2009 bis 2011 stand er zudem der 'Europäischen Städte-Koalition gegen Rassismus' als Präsident zur Verfügung und begleitete und stärkte die Weiterentwicklung der „Internationalen Städte-Koalition gegen Rassismus“ mit den Weltregionen Afrika, Lateinamerika und Karibik, Kanada, Asien und Pazifikraum sowie die Arabische Region.

Horst Koydl (67) aus Neustadt a.d. Aisch

Ordensaushändigung am 5. November 2012 - Verdienstkreuz am Bande an Horst Koydl
© Regierung von Mittelfranken

Horst Koydl setzt sich seit 1981 in der Europa Union Deutschland für ein friedvolles Zusammenwachsen Europas ein. Als Vorsitzender des Ortsverbandes Neustadt a.d. Aisch war er ab 1986 für 12 Jahre aktiv, danach war er vier Jahre Kreisvorsitzender, seit 2002 ist er stellvertretender Kreisvorsitzender und seit 1998 bis heute Beisitzer im Bezirksverband Mittelfranken. Als langjähriges Vorstandsmitglied der parteiübergreifenden Europa Union hat er maßgeblich zur Entstehung wichtiger Städte- und Bezirkspartnerschaften beigetragen. Er unterstützte und begleitete die städtepartnerschaftlichen Beziehungen im Landkreis und im Bezirk. An der Entstehung der Partnerschaft der Stadt Neustadt a.d. Aisch mit der tschechischen Kommune Hluboka in Südböhmen und mit der heute kroatischen Stadt Lipik hat er maßgeblich mitgewirkt. In Zusammenarbeit mit der Bayerischen Landesanstalt für Wein- und Gartenbau (LWG) hat er das Projekt „Europaweinberg“ ins Leben gerufen. In Ipsheim wurde eine Rebfläche mit Weinstöcken aus allen europäischen Weinbaugebieten angelegt. Entlang eines Besucherweges können die Gäste 39 Rebsorten aus den 14 wichtigsten europäischen Weinbauländern sehen und auch kosten. Er bringt zudem großes soziales Engagement und hohe Einsatzbereitschaft beim Caritasverband Scheinfeld und Landkreis Neustadt a.d. Aisch – Bad Windsheim e.V., ein. Hier hat er sich insbesondere Verdienste beim Aufbau des Freiwilligenzentrums 'mach mit', einem der ersten Freiwilligenzentren in Bayern, erworben. In Zusammenarbeit mit den Fachbereichsmitarbeitern des Caritasverbandes und mit der Unterstützung von ehrenamtlichen Mitarbeitern entstand ein Zentrum, das die Qualitätskriterien der Landesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligen-Agenturen/Freiwilligen-Zentren in Bayern (LAGFA) maßgeblich mitentwickelt hat. Unter seiner Leitung entstanden verschiedene Projekte. Das 'Neustädter Modell' ist ein Erfolgsmodell geworden und hat sich zum Markenartikel der Freiwilligenarbeit in den Caritasverbänden der Erzdiözese Bamberg entwickelt. Es wurde bayernweit vielfältig nachgeahmt und inzwischen von einer Reihe Freiwilligenzentren übernommen. Weiter hat Herr Koydl im Caritasverband einen Förderverein zur Unterstützung des Freiwilligenzentrums aufgebaut und die Geschäftsführung übernommen. Darüber hinaus wirkte er mit beim Aufbau des 'Freiwilligennet', ein Online-Portal zur Vermittlung von Freiwilligen mit Informationen rund um das Ehrenamt.

Dr. Wolfgang Mück (73) aus Berlin

Ordensaushändigung am 5. November 2012 - Verdienstkreuz am Bande an Dr. Wolfgang Mück
© Regierung von Mittelfranken

Dr. Wolfgang Mück war bis zu seinem Umzug im September 2011 mehr als drei Jahrzehnte in der Kommunalpolitik aktiv. Als erster Bürgermeister der Stadt Neustadt a.d. Aisch hat er vor allem die Stadtsanierung und Stadtentwicklung zu Schwerpunkten seiner kommunalpolitischen Arbeit gemacht. So wurde z.B. in der Altstadt die Neubepflasterung des Marktplatzes, der angrenzenden Straßen im Bereich der Fußgängerzone und die Renovierung größerer Stadtmauerabschnitte sowie die Verkehrsberuhigung der Altstadt verwirklicht. Unter seiner Ägide wurden umfangreiche Baumaßnahmen durchgeführt, es wurden Gewerbe- und Baugebiete ausgewiesen, etwa 500 Dauerarbeitsplätze geschaffen, Anbindungen an Bundesstraßen vollzogen, die Feuerwehren wurden unterstützt und Städtepartnerschaften und –freundschaften mit einer italienischen, kroatischen und tschechischen Stadt begründet. Die mit der Stadt Hino in Japan gepflegten Wirtschaftsbeziehungen gipfelten darin, dass in der 23.000 Einwohner zählenden japanischen Stadt ein 'Franken-Park' mit Gebäuden im fränkischen Stil errichtet wurde. Zudem ist ein fränkisches Heimatmuseum eingerichtet worden. Außerdem war er maßgeblich an der Gründung der Lokalen Aktionsgruppe (LAG) Aischgrund beteiligt und hat mit weiteren Bürgermeistern einen gemeinde- und landkreisübergreifenden Zusammenschluss gebildet. Auf Kreisebene war Herr Mück von 1990 bis September 2011 als Mitglied des Kreistages tätig und stellte sich auch als Stellvertreter des Landrats in den Dienst der Öffentlichkeit. Darüber hinaus nimmt er sich heute noch die Zeit für vielfältige weitere Aktivitäten auf kulturellem und historischem Gebiet. Er übte nicht nur selbst über zwei Jahrzehnte das Ehrenamt des Stadtführers aus, er gabt sein umfangreiches Wissen über die Geschichte der Stadt auch durch Schulungen und Seminare an neue Stadtführer weiter. Mit Lesungen und Vorträgen über die Stadt- und Heimatgeschichte bringt er auch heute noch seine persönliche Leidenschaft dem interessierten Publikum nahe. Circa 250 Veröffentlichungen zur Geschichte der Stadt, der Kirchen und Klöster, der Schulen, zu Brauchtum, Kunst und Kultur des Aischtales hat er selbst verfasst. Er betreibt auch weiterhin noch intensive Heimatforschung, u.a. für die Veröffentlichung in einem Buch. Er war zudem Schriftleiter der Hefte 'Streiflichter' und wirkte tatkräftig am weiteren Ausbau des Heimatmuseums und der Errichtung eines Karpfenmuseums im alten Schloss mit.

Alfred Richter (76) aus Ansbach

Ordensaushändigung am 5. November 2012 - Verdienstkreuz am Bande an Alfred Richter
© Regierung von Mittelfranken

Alfred Richter zeigte trotz hoher Belastung durch seine berufliche Tätigkeit als Leiter des Bereiches Sicherheit, Kommunales, Soziales und von 1996 bis 2001 als Regierungsvizepräsident der Regierung von Mittelfranken großes ehrenamtliches Engagement. So engagierte er sich von September 1973 bis April 2010 als erster Vorsitzender des gemeinnützigen Vereins 'Katholische Erwachsenenbildung in der Stadt Ansbach e. V.' und lenkte mit großem Engagement und großer Einsatzbereitschaft die Abläufe und Geschicke der katholischen Erwachsenenbildung in Ansbach. Daneben war er in der Katholischen Erwachsenenbildung im Erzbistum Bamberg e. V. (KEB) von 1985 bis 2009 als Schatzmeister im Diözesanvorstand tätig. Als Schatzmeister war er für die Bildung des Vermögens und dessen Verwaltung zuständig, somit auch für die finanzielle Absicherung der Bildungswerke. Er hat sehr viel freie Zeit in die Arbeit der Katholischen Erwachsenenbildung im Erzbistum Bamberg investiert und sich speziell mit Fragen des Vereinsrechts auseinandergesetzt. Diese Kenntnisse kamen der Entwicklung der Geschäftsordnungen für die Stadt- und Kreisbildungswerke des Erzbistums zugute. Mit seinem Wissen wurde die Gestaltung der Geschäftsordnungen vorangetrieben. Herr Richter war seit dem Jahr 1984 bis zur Abschaffung des Gremiums 2007 Mitglied im Stiftungsrat der Akademie des Caritas-Pirckheimer-Hauses (CPH). Viele Vorschläge und Ideen wurden von ihm angeregt und auch im Verwaltungsprogramm der Akademie umgesetzt und gestaltet. Im Stiftungsrat war er ein wichtiger, authentischer und konstruktiver Ratgeber und Fürsprecher. Neben seinem Engagement im Bildungsbereich hat er sich auch für seine Kolleginnen und Kollegen im Verband der höheren Verwaltungsbeamtinnen und Verwaltungsbeamten in Bayern e. V. (VHBB) eingesetzt. Hier war er von 1988 bis 1995 als Bezirksvorsitzender des VHBB in Mittelfranken tätig, zeitgleich war er Mitglied im Landesvorstand. Während seiner aktiven Zeit als Vorsitzender im Bezirksverband und als Landesvorstandsmitglied hat er sich maßgeblich in die Beamtenrechtsdiskussion eingebracht und diese mit gestaltet. In der Ackermann-Gemeinde Ansbach hat er den ehemaligen Vorsitzenden bis zu dessen Ausscheiden tatkräftig unterstützt und seit 2001 als Vorsitzender die Arbeit im Sinne der Ackermann-Gemeinde weitergeführt. Hierbei hat er sich in vielfacher Weise bei der Pflege der deutsch-tschechische Nachbarschaft verdient gemacht. Zudem wurde er 1985 zum ehrenamtlichen Richter beim Sozialgericht Nürnberg berufen. Dieses Ehrenamt hat er 10 Jahre ausgeübt.

Helmut Winter (73) aus Karlstein am Main, Landkreis Aschaffenburg

Ordensaushändigung am 5. November 2012 - Verdienstkreuz am Bande an Helmut Winter
© Regierung von Mittelfranken

Helmut Winter engagiert sich seit über drei Jahrzehnten mit hohem persönlichen Einsatz im kommunalpolitischen und heimatgeschichtlichen Bereich. Er war von 1966 bis 1975 Mitglied des Gemeinderates Dettingen und dann von 1972 bis 1987 ehrenamtlicher zweiter Bürgermeister. Von 1987 bis 2006 war er ehrenamtlicher erster Bürgermeister der Gemeinde Karlstein a. Main. Er hat dabei maßgeblich die Verhandlungen zwischen den seinerzeitigen Gemeinden Dettingen und Großwelzheim, die letztlich zur Bildung der neuen Gemeinde Karlstein a. Main führten, geprägt. In seiner Amtszeit als Bürgermeister wurden zahlreiche Bauvorhaben umgesetzt. Besonders hervorzuheben ist hier der Neubau des 'Hauses der Begegnung', ein Komplex mit einem Rudolf-Wöhrl-Pavillon, Vereinsräumen, der Gemeindebibliothek, einer Altentagespflegestätte und Räumen für die offene Jugendarbeit. Von 1982 bis 1984 und nun seit 1990 wirkt er als aktives Mitglied des Kreistags Aschaffenburg und ist dort nach wie vor in wichtigen Ausschüssen vertreten. Seit 1. Mai 1996 ist er Fraktionsvorsitzender im Kreistag. Sein besonderes Augenmerk gilt dabei der Umweltpolitik. Neben seinem unermüdlichen und erfolgreichen Wirken auf kommunaler Ebene stand er von 1967 bis 2009 an der Spitze der Karlsteiner Heimatforscher. Viele Vorhaben des Geschichtsvereins, der mit der Gebietsreform 1975 aus der 1967 gegründeten Interessengemeinschaft für Heimatgeschichte Dettingen entstanden ist tragen seine Handschrift. Schwerpunkte seines langjährigen Engagements sind der Auf- und Ausbau des Heimatmuseums und die Geschehnisse und ihre Folgen der historischen Schlacht bei Dettingen im Jahr 1743. Herr Winter hat viele Publikationen zur Heimatgeschichte verfasst. Zudem ist er seit 1974 Mitglied des Vereins für Heimatforschung und Heimatpflege Kahlgrund e.V. und war von 1988 bis 2009 dort 1. Vorsitzender.

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