Pinsel und Puder zur Sicherung von Fingerabdruckspuren.
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Kriminalitätsbekämpfung

Die polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) ist ein wichtiger Indikator für die Innere Sicherheit in einem Bundesland und wird in Bayern jährlich vom Staatsministerium des Innern, für Sport und Integration für das vergangene Kalenderjahr veröffentlicht. Gleichzeitig dient sie als Kompass für das weitere polizeiliche Handeln.

Die PKS 2020 zeigt, dass sich die ohnehin ausgezeichnete Sicherheitslage in Bayern erneut verbessert hat. Bayern hatte 2020 die niedrigste Kriminalitätsbelastung seit 41 Jahren und gleichzeitig die höchste Aufklärungsquote seit 26 Jahren. Bayern belegt damit bundesweit wieder eine Spitzenposition.

Das Jahr 2020 wurde maßgeblich von der weltweiten Verbreitung des Coronavirus geprägt. Die Pandemie betrifft dabei alle Aspekte unseres Lebens und hatte auch Auswirkungen auf die Kriminalität. So wurden der Polizei beispielsweise weniger Ladendiebstähle und Einbrüche gemeldet; bei Betrugshandlungen im Internet sowie im Bereich des Subventionsbetrugs waren dagegen steigende Fallzahlen zu verzeichnen.

Bei den Straftaten ohne ausländerrechtliche Delikte gab es im letzten Jahr einen Rückgang um 4.774 Straftaten bzw. um 0,8 % von 567.961 auf 563.187 Fälle. Dabei muss berücksichtigt werden, dass die Bevölkerung in Bayern stetig zunimmt. Zum 31. Dezember 2019 hatte Bayern exakt 13.124.737 Einwohner und damit etwas über 48.000 mehr als ein Jahr davor (31.12.2018: 13.076.721).

Daraus ergibt sich für das Jahr 2020 bei der bereinigten Häufigkeitszahl ein Rückgang von 1,2 % auf 4.291 Straftaten (ohne ausländerrechtliche Delikte) pro 100.000 Einwohner. Das ist die niedrigste Kriminalitätsbelastung seit 1979.

Verbessert hat sich auch die bereinigte Aufklärungsquote: Sie stieg gegenüber dem Vorjahr um 1,4 Prozentpunkte auf 66,4 %. Damit wurden zwei von drei Straftaten (ohne ausländerrechtliche Delikte) durch die Bayerische Polizei aufgeklärt.

Im Bereich der Diebstahlsdelikte war ein Rückgang der Fallzahlen um 12.670 oder 8,7 % zu verzeichnen (2019: 144.886, 2020:.132.216). Hier waren insbesondere die Ladendiebstähle rückläufig (- 28.796 Delikte, - 8,5 %), wobei sich in diesem Deliktsbereich die Corona-bedingten Ladenschließungen bemerkbar gemacht haben dürften.

Besonders erfreulich war ein erneuter Rückgang der Wohnungseinbruchdiebstähle auf 4.181 Delikte (- 3,7 %). Hier waren die niedrigsten Fallzahlen seit elf Jahren zu verzeichnen. Fast die Hälfte aller Einbrüche blieb dabei im Versuch stecken. Neben den aufwändigen und erfolgreichen polizeilichen Maßnahmen zur Bekämpfung des Wohnungseinbruchdiebstahls hatte sicherlich auch die Corona-Pandemie Auswirkungen auf dieses Deliktsfeld. Potentielle Täter könnten dadurch abgeschreckt worden sein, dass sich viele Personen im Homeoffice oder aufgrund Kurzarbeit vorwiegend zu Hause befanden. Darüber hinaus dürften die verstärkten Grenzkontrollen ein Hindernis für organisierte, reisende Tätergruppierungen dargestellt haben.

Im Bereich der Gewaltkriminalität war 2020 ein Rückgang um 2,2 Prozent auf 19.507 Fälle (2019: 19.953) zu verzeichnen. Die Aufklärungsquote stieg dabei im vergangenen Jahr um 1,1 Prozentpunkte auf 87,0 % (2019: 85,9 %). Ein Rückgang in diesem Deliktsbereich zeigt, dass sich die polizeiliche Bekämpfung von Straftaten und Ordnungsstörungen im öffentlichen Raum sowie die Steigerung der sichtbaren Polizeipräsenz positiv auswirken.

Die mit dem Internet als Tatmittel begangenen Straftaten stiegen dagegen 2020 um 20 % auf 35.652 Delikte, der Gesamtschaden lag bei 28,8 Millionen Euro (+ 9,9 Millionen Euro). Das Internet wurde in Zeiten von Corona nicht nur verstärkt für Home-Office und Home-Schooling genutzt, auch das Online-Shopping hat einen regelrechten Hype erfahren. Diese Entwicklung nutzten Kriminelle zunehmend, um bereits bezahlte Ware nicht zu liefern oder gelieferte Ware nicht zu bezahlen (Anstieg im Bereich des Waren- und Warenkreditbetrugs mit Tatmittel Internet um 18,4 %).

Vermögens- und Fälschungsdelikte stiegen im vergangenen Jahr um 2,4 % auf 113.274 Delikte. Vielfach haben auch hier Straftäter versucht, die neuen Tatgelegenheiten der Corona-Pandemie auszunutzen und sich unberechtigt an den staatlichen Corona-Hilfsprogrammen zu bereichern. Hier wurden insbesondere zwei Vorgehensweisen beobachtet: Entweder täuschten Unternehmer unberechtigterweise Ansprüche auf Corona-Hilfszahlungen vor oder Straftäter erlangten die Daten von hilfsberechtigten Unternehmen unrechtmäßig (z. B. durch Phishing) und versuchten, dadurch Auszahlungen zu erschleichen. Bei diesen als Subventionsbetrug in der Statistik erfassten Straftaten war eine Steigerung um 687 Fälle auf insgesamt 719 Delikte (+2.146,9 %) zu verzeichnen. Derzeit sind noch mehrere hundert Verdachtsfälle in Bearbeitung.

Die Bayerische Polizei leistete im vergangenen Jahr neben dem täglichen Einsatzgeschehen durch die Überwachung der Infektionsschutzmaßnahmen einen wichtigen Beitrag zur Eindämmung des Virus sowie zur Unterbrechung von Infektionsketten. In diesem Zusammenhang wurden auch die bayerischen Gesundheitsbehörden bis heute unter anderem bei der Corona-Kontaktnachverfolgung maßgeblich unterstützt.

Auch während der Corona-Pandemie duldet die Bayerische Polizei keine rechtsfreien Räume, geht gegen Kriminalität jeglicher Art konsequent vor, setzt auf gezielte Kriminalprävention und reagiert unverzüglich auf neue Entwicklungen. Gemeinsam mit der Bevölkerung arbeitet sie an dem Ziel, die objektive Sicherheitslage und das subjektive Sicherheitsgefühl der Bevölkerung in bewährter Weise aufrecht zu erhalten.

Neben verschiedenen offenen polizeilichen Maßnahmen, die sofort als solche zu erkennen sind, stehen der Bayer. Polizei auch Eingriffsbefugnisse zur Verfügung, die eine verdeckte Datenerhebung ermöglichen. Um eine größtmögliche Transparenz des polizeilichen Handelns zu gewährleisten, kann hier eine Übersicht über die Anzahl der jährlich verdeckt durchgeführten Maßnahmen sowie Datenübermittlungen durch die Bayerische Polizei an Drittstaaten abgerufen werden.